The 250 Prosent Tour 2008 – Support: Micke From Sweden / Mintzkov
Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr machen Kaizers Orchestra Station in Berlin. Eingeläutet wird der Abend von Micke From Sweden, der bis zum Klingeln seiner auf fünfzehn Minuten eingestellten Uhr schleppend-schräge Pianoballaden vorträgt. Dann erst folgt die eigentlich Vorgruppe Mintzkov aus Belgien, die die typische Qualität einer durchschnittlichen Vorgruppe haben. Okay, aber nicht weiter aufregend.
Um fast halb Zehn betreten dann endlich Kaizers Orchestra die Bühne und eröffnen ihr Set mit dem unveröffentlichten Song „Medisin Og Psykiatri“ und erfüllen damit sogleich die Ankündigung, auf dieser Tour eher den obskureren Stücken ihres Repertoires zu frönen.
Vielgespieltes wie „Kontroll På Kontinentet“ oder „KGB“ wechseln sich mit kuriosen Perlen wie „Naade“ oder „Tokyo Ice Til Clementine“ ab. Die Band ist sichtlich gut aufgelegt, spielt mit viel Elan und Freude. Sänger Janove Ottesen nutzt fast jede Pause zwischen den Songs, um das Wort an das Publikum zu richten. So erzählt er, dass es ein besonderer Abend für die Band sei, da das Berlinkonzert nicht nur der Abschluss der Tour, sondern auch das letzte Konzert des Jahres und die vorerst letzte Tour bis zum nächsten Album in ein oder zwei Jahren ist. Für konzertverwöhnte Kaizersfans sicher ein kleiner Schock, die Band womöglich ganze zwei Jahre nicht live erleben zu können. Aber wer wird an die Zukunft denken, wenn man sich an diesem Abend noch mal satt sehen und hören kann.
Bei sechs Leuten auf der Bühne gibt es einiges zu sehen, so zum Beispiel die minimalistische Show, die der Star der zweiten Reihe, der Organist Helge Risa liefert. Dessen Showmanhöhepunkt wohl erreicht ist, als er mit einer Hand und versteinerter Miene die Tasten in gewohnt lässiger Manier bearbeitet, während er mit der anderen im Takt schnipst. Und wenn selbst sechs Leute nicht mehr ausreichen, dann taucht wie aus dem Nichts Special Guest Micke From Sweden noch einmal auf, um einen schrägen Stepptanz aufzuführen.
Die legendären Ölfässer und Felgen, ohne die keine Kaizers Orchestra-Show auskommt, werden ausgiebig bearbeitet bei „Katastrofen“ und „Dieter Meyers Institusjon“. Gitarrist Geir Zahl bereichert den Abend „um den hässlichsten Song, den sie je geschrieben haben“ und meint damit das von ihm verfasste „Naade“ und greift für das ölfasslastige „Dr. Mowinckel“ erneut zum Mikrofon. Bei „Min Kvite Russer“ animieren sie das Publikum zu ausladenden Gesangseinlagen, die wie immer bei Kaizers Orchestra hervorragend funktionieren.
Nach zwei Zugaben ist schließlich Schluss und die lautstarken Forderungen nach mehr werden durch das rigorose Zeitmanagement des Postbahnhofs und eine rüde Verkündung eines Postbahnhof-Mitarbeiters von der Bühne, dass ab 23 Uhr Disko angesagt ist, beendet. Sänger Janove trägt noch einmal winkend Drummer Rune auf den Schultern über die Bühne, dann gehen Licht und Musik an. Keine Chance. Ein unrühmlicher Abschluss, den sich die Band sicher anders vorgestellt hat. Man sieht sich wieder, ganz bestimmt. Aber bitte nicht im Postbahnhof.