The Pandemonium Tour 2011 - Support: Sons Of Seasons, Amaranthe + Evergrey
Schon wieder ist so viel Zeit vergangen und ewig habe ich nun kein Kamelot-Konzert gesehen. Daher sage ich sofort zu, als das Interesse am Besuch mit Bericht aus der Redaktion dringt. Etwas verwundert mich das Line-Up von vier Bands für ein normales Konzert. Aber man ist ja stets aufgeschlossen, beim letzten Mal in der Kölner Essigfabrik sind es ja auch schon drei gewesen. Wer meine Kolumne kennt, weiß auch, was als nächstes kommt: die Auflistung der Bands mit ihren Spielprogrammen mit Kommentaren und möglichst wenig nachvollziehbaren Bewertungskriterien.
Es beginnen Sons Of Seasons, der Name erschließt sich mir nicht, um es mal diplomatisch auszudrücken. Merken kann ich mir ihn auch kaum. Das wars aber auch schon an Negativem. Die jungen Musiker spielen mit Spaß, zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug, Gesang und der eine Gitarrero spielt auch noch Tasten. Die spielen sogar mehr Keyboard-Solos als Gitarrensolos. Nicht, dass ich der größte aller anzunehmenden Keyboardfans wäre, aber die Linien sind gut, ausgewogen, mal schnell, mal langsam und melodisch angemessen. Die Musik ist schnell und sehr melodisch, der Sänger erinnert von der Stimme etwas an Andi Deris. Ganz weit vorne sind die Gesangssätze der drei Singenden (Sänger/Git/Bass). Harmonisch abwechslungsreich, da hat einer seine Kunst der Fuge mindestens einmal gespielt, wenn nicht gar gelernt... Ich empfehle, sich das mal anzuhören, wenn die Band mir eine CD schickt, bespreche ich die bei nächster Gelegenheit. Bewertung: 8,3 auf der Richterskala
Setlist:
Magnisphyricon Adjustment
Bubonic Waltz
Soul Symmetry
Guilt’s Mirror
Millial’s Tower
Beyond The Gates Of Mayhem
Danach folgen Amaranthe. Ein Brüller (Growler), eine Sängerin und ein Sänger, Gitarre, Bass, Schlagzeug und eine Summe allmächtiger Tonspuren teilen sich die Bühne. Wir sehen Knüppelpop und Rave-Metal. Alle Vergleiche der Harmonien, die mir jetzt einfielen, wären zuviel des Lobes und von allen passenden Vergleichen fehlen mir die Namen. Es ist mir jetzt sogar zu aufwändig, danach zu googlen. Okay, es sind gute Musiker, das Zeug ist gut produziert, drei Stimmen bieten ein Mindestmaß an Abwechslung. Aber: wo zieht man die Grenze zwischen Vollplayback und ergänzender Soundspur? Bei Rammstein geht’s einfach nicht ohne, weil Rammstein sonst wie Monster Magnet mit deutschen Texten klingt. Immer dann, wenn bei Amaranthe die echten Musiker aufhören, könnte auch die Frage nach den Kosten des Fischs ertönen. Tut sie nicht, dann klingt es nur wie Rave mit Melodiegesang. Immerhin. Aber will ich das sehen oder vor allem hören, wenn ich auf einem Metal-Konzert bin? Nee. Die Sängerin versucht zwischenzeitlich mal zu bangen. Kannse nich. Naja, mit den Gästen der Hauptband wird sie es lernen können, denke ich mir.
Kleines Bonbon zum Schluss: als ich die gutaussehende Dame am CD- und T-Shirt-Stand nach dem Programm frage, bekomme ich eine Kopie der Setlist zum Mitnehmen ausgehändigt. Das nenne ich mal professionell vorbereitet. Daran mangelt es auch der Band nicht. Handwerklich war das gut, auf dem aktuellen Stand der Technik dargeboten. Nur der Geschmack des Schreibers ist nicht getroffen. Apropos, jetzt habe ich mal gegoogelt, Goombay Dance Band entspricht dem Level der Musik, der Stil entspricht eher einer anderen Combo, die ich jedoch nicht zu finden erwarte. Bewertung: 2. Stock der Kaufhausmusik
Setlist:
Leave Everything Behind
Enter The Maze
One Million Lightyears
Automatic
Call Out My Name
Rain
My Transition
Hunger
Okay, dat war also nix, naja, kommt ja noch ein Schmankerl vor Kamelot, wenn man den zahlreichen Fanshirts von Evergrey in der leider kaum gefüllten Halle glauben schenken darf. Machen wir’s kurz: Man darf nicht. Evergrey ist zu langweiliger Schmalzmetal, als dass ich jetzt noch viele Worte darum zu machen bereit wäre. Der Name ist Programm. Nicht schlecht, nicht gut, grau halt. Nicht hell, nicht dunkel, sondern ewig grau. Und das schreiben sich die Musiker auch noch alle fünf auf ihre komischen Jacken. Apropos: Der Sänger/Gitarrist hat zwei Streifen am Ärmel, Gitarrist, Bassist und Keyboarder je einen, Drummer keinen. Das heißt, der zweite Maat, drei dritte Maate und ein Schiffsjunge bearbeiten Instrumente. Kompetenz, die überzeugt, ist schon klar. Bewertung: Langweilig, nicht schlecht, aber schmalzig: ein halber Broiler
Setlist (Danke an den Merchandise-Verantwortlichen):
Leave It Behind Us
Monday Morning Apocalypse
Wrong
Blinded
The Masterplan
Recreation Day
Frozen
Broken Wings
A Touch Of Blessing
Juhuuu! Kamelot! Endlich! Toller Bühnenaufbau mit zwei Treppen, nach der Rammstein-Pausenmusik beginnt das Intro. Geiles Licht, alles in blau gehalten, Lauf-LED, Sucher, schöne Drucke an den Rückwänden. Noch besser als beim letzten Mal. Aus dem Off: "Hello Kööööööln!". Klingt seltsam, ist Roy Khan krank? Da kommt er auf die Bühne – Fabio! Was? Wie bitte? Nee! Rhapsody Of Fire-Sänger Fabio Lione stellt sich vorne an den Bühnenrand! That’s not right! Im dritten Song noch so einer im Background: Tommy Karevik (Seventh Wonder). Not right! Ja, es ist professionell, das Konzert, ohne Zweifel. Tolle Gäste, Simone von Epica kommt, wie sonst so oft, auch dazu. Viele alte Songs, die die Fans lieben. Trotzdem gehen sehr viele während des Konzerts. Hardcore Fan und Fotografin Shirin weint. Ich fast mit ihr. Draußen stehen die frustriert, die der Ersatztruppe eine Chance haben einräumen wollen. Der Merch-Stand bleibt leer, selbst nach dem Konzert! Sie tun sich keinen Gefallen mit der Tour-Fortsetzung. Gut, eine Bühne mit sicherlich 100.000 Dollar Produktionskosten muss zumindest wieder eingespielt werden. Aber es ist, würde ich sagen, höchstens die beste Kamelot-Coverband, die ich je werde hören und sehen können. Ist dennoch nicht, was ich mir erhofft hatte. RIP, Kamelot. Ich trauere. Bewertung: Lieber nicht. Zu sehr schätze ich die Erinnerung.
Setlist:
Rule The World
Ghost Opera
The Great Pandemonium
The Human Stain
Center Of The Universe
Descent
A Sailorman's Hymn
When The Lights Are Down
Soul Society
Keyboard Solo
EdenEcho
Necropolis
The Haunting (Somewhere In Time)
Drum Solo
Forever
---------------
Bass Solo
Karma
March Of Mephisto