Tour 2006
In der hintersten Ecke befindet sich das Waschhaus in Potsdam. Ähnlich wie das Gebäude 9 in Köln strukturiert. Noch leer am Anfang, füllt sich aber der kleine Vorraum mit der Zeit. Jedoch bleibt das Publikum eher übersichtlich. Typisch wohl fürs Waschhaus, da sich das meiste eher in Berlin abspielt. Toll finde ich persönlich die 12 Discokugeln an der Decke, aber das soll nicht weiter wichtig sein.
Als Kante die Bühne betritt ist einem noch nicht klar, mit welch einer Dynamik das Hamburger Quintett den Abend bestreitet. Die teilweise eher durch ihre textlichen Weisheiten und langen Improvisationen bekannten Musiker, zeigen on stage in Potsdam, was es eigentlich heißt eine künstlerisch begabte Rockband zu sein.
Einstieg machen die beiden ersten Songs des aktuellen Albums „Die Tiere sind unruhig“ mit dem Titeltrack selber und mit „Ich hab’s gesehen“. Die Gitarren plästern unglaublich kraftvoll daher. Die Band lebt richtig auf der Bühne. Jeder Song wird zelebriert und man merkt sofort, dass hier die Musiker ihr Handwerk verstehen, nahezu perfekt umsetzen und absolut sympathisch wirken. Hier wird nicht dumm geredet, sondern musikalisch gefeiert.
„Die größte Party der Geschichte“ war es zwar nicht, aber je öfter man im Nachhinein die Songs von Kante hört, desto mehr würde man es sich doch wünschen. Verdient hätten sie es. Allemal schon wegen dem eingebauten Sprechgesang von Gitarrenvirtuose Felix Müller in dem vielleicht doch größten Party-Song der Geschichte? Schade, dass die Potsdamer nicht in den Genuss des Nebenprojektes von Felix Müller, der Gruppe Sport, gekommen sind. Im Vorprogramm suchte man sich Blue Elephant alias Manuela Barczewski aus. Hier setzte man nicht wie bei der Gruppe Sport auf Rockmusik, sondern holte sich mit einer zarten Stimme und leiseren Tönen eine Singer-/Songwriterin ins Vorprogramm. Unter www.myspace.com/blueelephantmusic kann man sich einen Eindruck holen.
Doch zurück zu Kante. Frontmann und Sänger Peter Thiessen hinterlässt mit seiner Stimme zwar immer einen leichten monotonen Gedankengang, kann aber trotzdem mit Hilfe der Band und der großen Improvisationskunst die Gäste im Waschhaus auf Spannung halten. Ein Gegensatz den nur die Band als Ganzes schafft. Hier werden Gitarren gegen die Verstärker gedrückt, es wird leise, dann wieder laut. Ein Übergang ins nächste Lied. Man staunt und schaut mit weit offenen Augen und Ohren zur Bühne.
Nicht nur die aktuellen Lieder, auch ältere Sachen wie der Song „Anatomie“ vom Debut Album „Zwischen den Orten“, der Hit „ Die Summe der einzelnen Teile“ oder „Zombi“ kommen immer noch sehr druckvoll, energiereich daher. „Songs aus der Psychatrie“, wie Peter Thiessen treffend sagte. Selbst ein kleiner akustik Part wird im Set untergebracht. „Warmer Abend“ und die erste Zugabe des recht selten gespielten „Am Rand der Nacht“ („Zombi“- B-Seite). Dann noch das gelungene Stereolab Cover „French Disco“ und zum Abschluss das über 9 minütige „Die Hitze dauert an“. Zum dahin schmelzen. Herz zerreißend schön. „Unsere Worte sind verhallt und unsere Gesten am zerfallen“.
Kante sind noch im Dezember auf Tour. Nach dem Motto: „Wieder mit Bläsern auf der Bühne: instrumental, akustisch, rockig!“