Karnivool

The New Day Tour 2010 - Support: The Intersphere

13.12.2010 Luxor / Köln

Von: Thomas Welsch

Karnivool Köln

Draußen rieselt der Schnee. Selbst die Kölner Straßen sind weiß gepudert. Drinnen spielen fünf Australier, die jetzt in ihrer Heimatstadt Perth bei 30 Grad am Strand liegen könnten. Sie trotzen der Kälte und heizen das vollbesetzte Luxor mit einer energiegeladenen Show auf.

Karnivool sind nach einigen Monaten bereits wieder auf Tour in Deutschland. Während sie hier noch immer den Status des Geheimtipps inne haben, sind sie in ihrer Heimat eine feste Größe der Rocklandschaft. Große Hallen sind ihnen somit ebenso vertraut wie intime Clubs. Ob es beim nächsten Europabesuch wieder das kleine Luxor sein wird, bleibt zu bezweifeln. Eine Nummer größer darf es dann doch sein.

The Intersphere aus Mannheim sind heute Support Act und nutzen die sich ihnen bietende Chance bestens. Mit ihrem experimentellen Rock überzeugen sie auf ganzer Linie. Besonders Frontmann Christoph Hessler sticht mit seiner großartigen Stimme heraus. Das Publikum ist von Beginn an auf ihrer Seite und auch Ian Kenny wird später die Gelegenheit nutzen, seine Bewunderung für diese aufstrebende Band auszudrücken.

Mit brachialem Bass startet Karnivool gegen 22 Uhr in den Abend. "Simple Boy" ist auch der Opener ihres aktuellen Albums "Sound Awake", das im Gegensatz zum Vorgänger auf eingängige Riffs weitgehend verzichtet und dafür einem drum- und basslastigen Progrock Platz macht. So ist der Beginn ihres Sets mit "Goliath", "Set Fire To The Hive" und "Umbra" ausschließlich diesem neueren Sound und Konzept gewidmet. Wer mit diesen Songs nicht vertraut ist, mag manchmal die Orientierung in den verschachtelten Arrangements verlieren. Spätestens mit "All I Know" erhält man die Struktur zurück. Und dazu auch noch auf so überwältigend schöne Art und Weise. "Deadman" bildet die vollendete Synthese aus Harmonie und Komplexität. Da lässt sich über anfängliche Soundprobleme des Synthesizers leicht hinwegsehen. Dann darf abgefeiert werden, denn mit "Roquefort" hält der wohl typischste Song der frühen Crossover-Ära Einzug.

Überraschung im Set der Australier ist das Song-Duo "The Medicine Wears Off" und "The Caudal Lure", die wie auf "Sound Awake" nahtlos ineinander übergehen. Das Set wird von einer fast 10-minütigen Version des wunderbaren "New Day" beschlossen. Und ein weiteres Highlight folgt nach einer kurzen Pause in Form von "Change", das mit Part 1 und 2 auch auf beiden Alben zu Hause ist. Besonders hier entfaltet Ian Kenny sein gesangliches Vermögen. Seine Stimme füllt jede Nische des Raumes ohne jemals aufdringlich zu werden. Nach 90 Minuten entlässt die Band ihre Fans in die weiße Nacht. Hoffentlich sind auf den verschneiten und vereisten Straßen alle heil nach Hause gekommen. Wenn ja, haben sie einen tollen Abend erlebt.

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