Last Fair Day Gone Night Tour 2011
Anfang der 90er Jahre wurden viele Bands gegründet, die bis heute eine wichtige Rolle in ihrem jeweiligen Genre inne haben. Und so feiern viele Rockbands momentan ihr 20-jähriges Bestehen. Die schwedische Dark-Metal-Formation Katatonia hat sich zu eben diesem Anlass etwas ganz Besonderes ausgedacht. Das Album, mit dem sie ihren internationalen Durchbruch erzielten, soll auf fünf Geburtstags-Konzerten komplett und in der originalen Reihenfolge gespielt werden. Angereichert wird diese Ehrung von "Last Fair Deal Gone Down" durch ganz rare und zum Teil höchstens auf B-Seiten veröffentlichten Stücken. Das klingt nach einem Fest für die Fanbase. Und als wäre das Programm noch nicht genug, bringen die Schweden pro Show 70 VIP-Tickets unter die Fans, die ein Treffen mit der Band, den Soundcheck, ein gemeinsames Abendessen und exklusives Band-Merch beinhalten. Wow! Man lasse sich das mal auf der Zunge zergehen und stelle sich vor, diese Möglichkeiten mit seiner persönlich verehrten Lieblingsband zu haben. Hut ab, Katatonia, ihr wisst, wie man die Fans bei Laune hält.
Für die anderen bedeutet dies, ein komplettes Album live zu hören, das man möglicherweise nur als durchschnittlich erachtet und von einem großartigen Album, nämlich "The Great Cold Distance" nur zwei Songs zu erleben. Nun ja, ich will nicht meckern, sondern mich eher mit den Fans im ausverkauften Bürgerhaus Stollwerk freuen. "Last Fair Deal Gone Down" feiert ja zudem seinen 10-jährigen Geburtstag und die Songs gehen von "Dispossession" bis "Don´t Tell A Soul" meist nahtlos ineinander über. Danach gönnt die Band sich, den Fans und nicht zuletzt dem gastgebenden Kulturzentrum eine fast halbstündige Pause, in der reichlich getrunken und gefachsimpelt wird. Anschließend geht es weiter mit "Brave", bei dem Jonas Renske tatsächlich growlt. In der Studioversion überließ er dies noch Opeth-Sänger Mikael Åkerfeldt. Renskes Stimme ist jedoch viel mehr für den melodischen Klargesang geschaffen, was er eindrucksvoll in "Nephilim" beweist. Noch beeindruckender wäre es, wenn der Sound in seinen Höhen und Tiefen besser wäre am heutigen Abend. Weder Gesang noch Bass können sich akustisch voll entfalten. Am besten gefallen mir "My Twin" und "July", eben jene Vertreter von "The Great Cold Distance". Auf "Leader" warte ich schließlich vergebens. Den Fans wird jedoch mit "Wait Outside" noch ein besonders selten gespieltes Stück beschert.
Nach fast zwei Stunden Netto-Spielzeit gibt es mit dem schönen "Dissolving Bonds" und dem Kracher "Forsaker" eine würdige Zugabe. Das Gesicht von Renske lugt tatsächlich hier und da unter den Haaren hervor. Zum Abschied zeigt er es und man sieht in ihm große Zufriedenheit. Auf grenzenlose Begeisterung in der Mimik kann man auf der düsteren Seite des Metal wahrscheinlich nicht hoffen. Wäre auch unpassend. Obwohl, einer hatte richtig Spaß. Gitarrist Per Eriksson, seit 2009 mit an Board, ist die gute Laune nicht zu nehmen. Und seien Musik und Text auch noch so finster.
Setlist:
Dispossession
Chrome
We Must Bury You
Teargas
I Transpire
Tonight's Music
Clean Today
The Future Of Speech
Passing Bird
Sweet Nurse
Don't Tell A Soul
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Brave
Nephilim
My Twin
I Break
Right Into The Bliss
The Promise Of Deceit
Wait Outside
The Longest Year
July
New Night
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Dissolving Bonds
Forsaker