Katie Melua

The House Tour 2011 - Support: Yoav

01.04.2011 Kölnarena / Köln

Von: Jutta Mestwerdt

Katie Melua Köln

Ich will nicht sagen, ich hätte seit November letzten Jahres an nichts anderes gedacht - aber voller Vorfreude auf das Katie Melua-Konzert in der Kölner Lanxess-Arena bin ich schon gewesen. Dort angekommen weicht dieses Gefühl schnell leichter Befremdung. Ich muss gestehen, dass ich vorher noch nie hier war – der Saal mutet an wie die Wartehalle im Flughafen und die Atmosphäre ist ähnlich. Die Musik-Arena fasst 18.000 Zuschauer, für ungefähr ein Drittel ist bestuhlt worden. 6.500 Gäste haben schließlich Platz genommen, als um 20.00 Uhr das Vorprogramm beginnt.

Es wird bestritten von Yoav, einem jungen israelischen Liedermacher, der in Südafrika aufgewachsen und mir bis heute gänzlich unbekannt ist. Er versteckt seine durchaus variable und klangvolle Stimme erfolgreich hinter seiner akustischen Gitarre, auf der er elektronische Beats mit der Hand erzeugt. Das Publikum ist sehr verhalten, Gespräche werden weitergeführt, Menschen laufen durch die Halle. Zum Ende hin erklärt sich der durchaus sympathische Sänger mit den Worten "Mein Deutsch ist bescheiden und vor 10.000 Zuschauern noch bescheidener" - sein Erfolg beim Publikum ist es auch.

Punkt 21.00 Uhr ist es dann endlich soweit - nach etlichen Probeapplausen ertönt das Intro zum The Cure-Cover "Just Like Heaven", und dann Katie Meluas Stimme. Der Vorhang geht auf und da steht sie: zierlich, etwas erhöht zwischen ihren Musikern, die sie kraftvoll begleiten. Den zweiten Song, "If You Were A Sailboat", kündigt sie an als "einen alten Song, den ich gern am Anfang eines Konzertes singe". Dafür kommt sie dem Publikum nah, bewegt sich im vorderen Teil der Bühne, die rechts und links flankiert ist von jeweils einem großen Bildschirm, der sie in Nahaufnahme zeigt. Und sie singt ihn gut, ihre Stimme berührt mich. Katie allerdings bleibt sonderbar verhalten, für sich.

Das ändert sich leider auch nicht wirklich während der nun folgenden Stücke, die Katie Meluas volles Repertoire an gefühlvollen, aber auch rockigeren Liebesliedern zeigen ("The Flood", "Tiny Alien", "I`d Love To Kill You", "A Moment Of Madness", "Lilac Wine", "Twisted", "Call Off The Search", "Red Balloons"Â…). Liegt es an der Größe der Arena? An der Tatsache, dass das Publikum sitzt und so in seiner Bewegung eingeschränkt ist? Katie, die doch, wie ich weiß, über Stimme und Charisma verfügt, geht so verloren in ihrer eigenen Bühnenschau, die anspruchsvoll, gut durchdacht und zum Teil recht witzig gestaltet ist.

Und nicht nur sie. Spätestens bei dem Stück "Perfect Circle" zeigt sich bei den Soli die Qualität der einzelnen Musiker. Und das sind auch die Momente, in denen die georgische Sängerin mit ihrem Publikum in Kontakt kommt. Sie scheint sich im Zusammenspiel mit ihrer Band wohl zu fühlen, und das reißt das Publikum zwar nicht von den Stühlen, bewegt es aber immerhin zum Mitsingen und Klatschen. Allein ein Fan in der ersten Reihe steht und tanzt den ganzen Abend hindurch - 2.999 sitzen beharrlich und verhalten. Vielleicht geht es ihnen so wie mir: der Weg über die Hintergrundshow, von der Bühnendecke schwebende Ballons in Mengen, Lichteffekte bis zu einer jungen Sängerin ist zu weit. Daran ändern auch Charisma, verdammt gute Stimme und fein gemachte Texte leider nicht viel. Katie Melua selbst scheint das zu spüren und nur sporadisch Freude an ihrem eigenen Auftritt zu haben.

Dann endet das Konzert mit "A Happy Place" – und etwas Erstaunliches geschieht. Die Zuschauer stehen auf zum Schlussapplaus - und bleiben stehen. Katie wird vom Applaus zurückgeholt auf die Bühne, und ein ganz anderes Konzert beginnt. Es umfasst nur drei Stücke, nämlich die Zugaben "Ninemillion Bicycles", "The Nearest Thing To Crazy" und "I Cried For You". Hier geht das Publikum mit, endlich aufgewacht, bewegt und empfänglich für die wunderbare Stimmung, die nun die Arena erfüllt. Was für ein schönes Ende, das fast versöhnt mit dem durchwachsenen Konzert!

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