Katie Melua

A Summer Evening With Katie Melua Support: Duncan Townsend

14.07.2007 Museumsmeile / Bonn

Von: Ingrid Silvasi

Katie Melua Bonn

Kaum ist Katie Melua wieder in Bonn, ist der Sommer auch wieder zurück und beschert uns allen ein königliches Open-Air-Wetter für das Konzert an der Museumsmeile! Alle sind in bester Laune, lediglich das Anstehen für eine Abkühlung in Form von frischgezapftem Bier oder anderen Getränken dauert diesmal länger als üblich. Ich schaue mich um und statt jungen Fans erblicke ich überwiegend zahlreiche „Best-Ager“ – Katie Melua steht anscheinend auch bei 50 bis 60jährigen im Plattenschrank!

Zunächst betritt Katies Gegenstück die Bühne. Ein gutaussehender, junger Newcomer aus Nottingham, der zur Überraschung von allen sogar deutsch – wenn auch gebrochen – spricht! Duncan Townsend, der bereits seit drei Jahren „hier“ sei und seine Sprachkenntnisse seiner strengen deutschen Ex-Freundin zu verdanken habe. Ihr widmet er sogar einen Song.

Seichter Accoustic-Gitarren-Pop, leicht austauschbar und verwechselbar. War das nun David Gray oder Duncan Townsend? Immer wieder bedankt er sich beim Publikum, wir seien alle „so nice“. Unterstützt wird er von einem Keyboarder und einem Schlagzeuger, der lediglich ein Snare Drum vor sich platziert hat. Duncans insgesamt 30minütiges Set mit weiteren Songs wie „Let Me Show You The Good Times“ und einen am Piano performten Song, überzeugt mich daher nicht wirklich.

Katies Auftritt verzögert sich laut Ansage um ca. 15 Minuten, angeblich Schuld eines technischen Problems... Als die junge Sängerin mit Unterstützung ihrer Band dann endlich die Bühne betritt, wird sie mit lautem Jubel empfangen und aller Ärger ist vergessen. Ohne Zeit zu verlieren, geht es mit „Thank You Stars“ los. Schnell Accoustic-Gitarre umgehangen und weiter mit „Perfect“. Sommerlich passend in Rock, schwarzem Top und offenen Schuhen gekleidet, wirkt die zierliche Katie mit ihren Locken sehr natürlich und nippt an ihrer Flasche Evian während sie sich bedankt und einen echten Klassiker ankündigt. „Blues In The Night“ singe sie sehr gerne, die prägnanten Keyboards und die Mundharmonika unterstreichen den Blues-Touch des Songs.

Doch plötzlich ist Katie in Plauderlaune und erzählt in ihrem stark britischen Akzent, wie sie von ihrem Bonner Hotel, welches in einem Wald auf einem Berg liege, sich den Fluss, von dem sie gehört habe, anschauen wollte. Großes Gelächter im Publikum. „Wie? Es gibt hier keine Berge? Nun ja, immerhin musste ich hangabwärts gehen, also war es ja so etwas wie ein Berg!“, rechtfertigt sie sich. In der Hitze sei sie also gut 45 Minuten gegangen, vorbei an der schönen Altstadt bis sie endlich den Rhein erreichte und war fast schon enttäuscht, dass dieser nicht idyllisch und ruhig lag wie erwartet, sondern mitten durch die City floss. Vor Schweiß triefend und etwas salopper in Jeans gekleidet, baten sie dort zwei Fans um ein Foto. Sie willigte ein, obwohl es ihr peinlich war, so ein Foto machen zu müssen. Sie unterbricht ihre Erzählung, denn sie entdeckt die beiden Fans im Publikum, winkt ihnen zu und ruft, dass sie hoffe, das Foto sei gut geworden! Schade, dass sie nicht mehr aus ihrem Leben plaudert – es macht Spaß ihr zuzuhören.

Mit Leichtigkeit gelingt es der erst 22jährigen viele im Publikum mal mit ihrer weichen, mal kräftigen Stimme zu faszinieren und zu (be)rühren. Sehr abwechslungsreich präsentiert sie Songs ihrer zwei Alben: mal alleine im Scheinwerferlicht auf einem Barhocker mit ihrer Gitarre zu „I Cried For You“ sitzend, mal mit Elektrogitarre zu „Spider´s Web“ oder mal am Klavier mit Bandunterstützung wie zu „What I Miss About You“. Dies ist ein Song ihres kommenden Albums, welches sie bereits fertiggestellt hat und den Song als kleinen Vorgeschmack an diesem Abend präsentiert. Das gefühlvolle und langsame Intro schwellt in einen kräftigen Chorus über.

Doch Katie hat auch Coversongs auf Lager wie den alten Bobby Gentry Song „Fancy“, die Geschichte einer jungen Frau, die von der eigenen Mutter zur Prostitution geschickt wird oder den Canned Heart-Klassiker „On The Road Again“, zu welchem sie mit Schellen den Takt für das Klatschen angibt.

Mit Bravour meistert der attraktive Lockenkopf auch unerwartete Situationen – während sie die letzten Takte zu „I Don´t Spend My Life Waiting For An Angel“ singt, wird im Hintergrund eine Notarztsirene immer lauter und es scheint, als halte der Notarztwagen direkt vor dem Festivalplatz. Bevor Katie die letzten drei Worte singen kann und eine kleine Pause für die Dramatik einlegt, heult die Sirene in der Stille ein letztes Mal auf und Katie kann sich ihr Grinsen nicht mehr verkneifen!

Den wohl erotischsten Songtext präsentiert sie mit „My Aphrodisiac Is You“, ein Song, der in herrlichem Gegensatz zu ihrem mädchenhaft unschuldigem Klischee steht.

Zu „Closest Thing To Crazy” singen endlich mal nicht nur die hartgesottenen Fans mit. Weitere Wunderkerzen werden im Publikum gezündet und Katie bedankt sich für ein „incredible audience” mit „Nine Million Bicycles”. Sie schart die Band um sich, es folgt die Verbeugung zum Abschied, jedoch wird Katie laut vom Publikum zurückgefordert, welches endlich zu „Mockingbird Song“ beim Mitsingspielchen zum Einsatz kommt. Einen ruhigen Ausklang findet der Abend mit „Faraway Voice“, zu dem sie nochmals mit geschlossenen Augen gefühlvoll ins Mikro haucht.

Schnell winkt sie und weg ist sie nach 90 Minuten Show, um wieder zu ihrem Hotel auf dem umstrittenen Bonner „Berg“ gefahren zu werden.

Eindeutig gefallen mir ihre schnellen Stücke besser, die Power in ihrer Stimme – auch wenn sie auf mich durch ihr junges Alter für den Blues noch nicht überzeugend genug wirkt. Wünschen würde ich mir für Katie, dass sie aus den Fussstapfen von Joss Stone und Norah Jones steigen kann, mit denen ich sie selbst vergleiche. Mit eigenen Songs wird ihr das sicherlich gelingen! Auf der Bühne verzaubert sie allemal alle!

Setlist:
Thank You Stars
Perfect
Blues In The Night
Halfway Up The Hindu Kush
Piece By Piece
Belfast
What I Miss About You
Crawling Up The Hill
Fancy
Spider´s Web
I Don´t Spend My Life Waiting For An Angel
Shy Boy
I Think It´s Gonna Rain Today
I Cried For You
On The Road Again (Canned Heat)
My Aphrodisiac Is You
Closest Thing To Crazy
Nine Million Bicycles
-----------------------------------
Mockingbird Song
Faraway Voice

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