Perfect Symmetry-Tour 2008 - Support: Moke
Eine Rockband ohne donnernde Gitarren und einem Sänger, der nicht wie ein defektes Moped klingt? Ist das möglich? Klar ist das möglich! Diese innovative Abwandlung von Rockmusik ist Markenzeichen der Band Keane aus Battle – East Sussex, die ausschließlich mit Gesang, Klavier, Bass und Schlagzeug arbeitet. Diese Kombination verleiht Keane eben genau diesen großen Wiedererkennungswert.
1997 schloss sich der unscheinbare junge Brite Tom Chaplin der damals noch The Lotus Eaters heißenden Band als Sänger an und so wurde die Vorstufe von Keane mit dem Namen Cherry Keane geboren. Vernünftigerweise benannten die Kumpels ihre Band bald schlicht und einfach in Keane um. 2000 veröffentlichte Keane die erste Single "Call Me What You Like" in kleiner Auflage und schrumpfte vom Quartett zu einem Trio. Ausgerechnet der Gitarrist Dominic Scott verließ die Band, was diesen folglich außergewöhnlichen und gitarrenlosen Stil hervorbrachte.
Mit "Everybody's Changing" bekam Keane dann 2004 auf der Insel sehr schnell große Aufmerksamkeit und der Song landete auf Platz 4 der UK-Single-Charts. Die erste Auskopplung "Somewhere Only We Know" aus dem Debüt-Album "Hopes And Fears" schaffte es ebenso auf Platz 4 der UK-Single-Charts und das Album sogar an die Spitze. Das zweite Album "Under The Iron Sea", auch ein Spitzenreiter und 2006 erschienen, machte die Burschen dann auch außerhalb von Großbritannien bekannt und sie traten sogar auf so großen Wohltätigkeits-Events wie Live 8 und Live Earth auf. Einmal musste eine Nordamerika-Tour für zwei Monate unterbrochen werden, da der pausbäckige, aber charismatische Sänger Tom Chaplin sich in eine Klinik wegen Drogen-Entzug einweisen ließ. Danach starteten Keane wieder voll durch und machte sich auf der ganzen Welt einem Namen mit Hits wie "Bedshaped", "This Is The Last Time", "Is It Any Wonder?", "A Bad Dream" und "Try Again".
Nun ist seit dem 10. Oktober 2008 das dritte Album "Perfect Symmetry" im Handel und, wie sollte es anders sein, auch dieses ist blitzschnell die Nummer 1 in Großbritannien (hier ein Review). Heute geben Keane das erste von drei Deutschland-Konzerten, welches über www.keane-music.de live aus dem rauchfreien Kölner Palladium übertragen wird. Zuvor lässt es die britische Rock-Band Moke ordentlich scheppern. Nach 21 Uhr betritt dann endlich Keane gut gelaunt die Bühne und legt auch sofort mit dem flotten "The Lovers Are Losing" lautstark los. Mit neuer Frisur, neuer Figur, rotem Hemd und sehr großer Ausstrahlung begrüßt Tom Chaplin das Kölner Publikum und "Everybody's Changing" erklingt, zu dem der Mann am E-Piano namens Tim Rice-Oxley schwer am headbangen ist. Auch am Schlagzeug und Bass wird ordentlich geklöppelt und gezupft.
Im Hintergrund Projektionen im geometrischen "Perfect Symmetry"-Stil. Schön bunt und künstlerisch. Nach dem megamelancholischen Song "Atlantic" spielt Keane neben fast allen Liedern aus dem neuen Album die Ohrwürmer "Bend And Break", "This Is The Last Time", "Try Again", "A Bad Dream", "Somewhere Only We Know" und "Crystal Ball". Absoluter Höhepunkt und der vielversprechenste Song ist meines Erachtens der Titelsong "Perfect Symmetry". Ich kann nur hoffen, dass dieser aus dem gleichnamigen Album ausgekoppelt wird. Bei dem Song prognostiziere ich einen sehr großen Erfolg.
Es ist wirklich unglaublich was für eine enorme Bandbreite und Ausdauer Tom Chaplin in seiner Stimme hat. Selten habe ich so eine ausdrucksstarke, so eine kräftige und vor allem so eine glasklare Stimme live erlebt. Jeder Ton sitzt und erstreckt sich über mehrere Oktaven. Es ist wirklich eine Schande, dass in Studioaufnahmen nur ein Bruchteil dieses mächtigen Sing-Organs zur Geltung kommt. In diesen Genuss kommt man wirklich wenn man Keane live on stage erlebt. So wie es sich für richtige Rocker gehört, hat Tom dann doch ab und zu mal zur Klampfe gegriffen und auch dort überzeugt er durch Können und großes Gefühl für Musik. Neben sehr rockigen Einlagen ertönten auch zwischendurch sehr elektronische Passagen, die selbst langjährige Synthie-Bands erblassen lassen würden. Das Publikum singt lautstark mit und auf der Bühne geht richtig die Post ab. Neben seinen vielen musikalischen Talenten hat Tom Chaplin auch die Gabe Menschen restlos zu begeistern und in Wallung zu bringen. Sowas kann nicht jeder. Nach einigen Dankes-Hymnen seitens der Band ertönen dann die beiden einzigen Zugaben "Is It Any Wonder" und der Hammer-Song "Bedshaped", der wirklich nicht fehlen durfte. Arm in Arm verabschiedet sich Keane sichtlich ergriffen von Köln und ein Fan wirft dem Sänger zum Abschluss noch ein Stofftier zu, was die Band und die Halle erfreut. Auch die Merchandise-Preise sind im normalen Rahmen und es gibt sogar lustig-bunte Einkaufstaschen.
Das war kein „Bad Dream“, das war eine musikalische Darbietung der Spitzenklasse! Perfekte Symmetrie halt.