Keith Caputo

Tour 2008

30.04.2008 Underground / Köln

Von: Simon Baranowski

Keith Caputo Köln

Tanz in den Mai mit Keith Caputo. Heute startet im Underground in Köln die ausgedehnte Tour des Life Of Agony Frontmanns. Im Gepäck sein aktuelles Album „A Fondness For Hometown Scars“. Vor allem die deutschen Fans können sich bei den zahlreichen Terminen hierzulande glücklich schätzen.

War es in den vergangenen Zeiten bei Keith Caputos Solokonzerten eher ruhig und gediegen zugegangen, so ist man recht angetan, angesichts der Unterstützung der Band hinter dem kleinen Mann mit der großen Stimme. Zudem liegt natürlich die Konzentration auf vielen der neuen Songs vom aktuellen Longplayer. Und die gehen mehr nach vorne als viele ihrer Vorgänger. So ist man anfangs erst enttäuscht, dass der ein oder andere Song vom mittlerweile vier Studioalben umfassenden Programm des Keith Caputo fehlt. Im Nachhinein aber hätte es nicht anders gepasst. Die Musiker, die Keith Caputo um sich herum zusammengewürfelt hat, funktionieren so wie sie sich im Underground präsentieren sehr gut und brauchen sich nicht zu verstecken hinter dem kleinen großen Mann. Die Band Caputo erlebt ihre erste große Tour.

Den Einstieger bildet mit „Nothing To Loose“ ein kleiner Warmmacher der noch nicht zu viel verspricht, was einen dann noch erwarten soll. Doch der seichte Beginn wird abrupt abgekürzt, indem beim zweiten Song, „Cobain (Rainbow Deadhead)“, ein kurzes Intermezzo vom Nirvana Klassiker „Smells Like Teen Spirit“ abgelassen wird. Passend natürlich, denn der Song „Cobain (Rainbow Deadhead)“ beschreibt das Zerbrechen musikalischer Idole am eigenen medialen Spiegelbild. Alle angekommen? Natürlich. So bekommt man das Publikum ganz einfach zu einem ersten „Wow!“. Ermöglicht nicht nur durch das Einfügen des Nirvana Songs, sondern vor allem durch das gekonnte Umsetzen des Tracks im Track. Ein erster Beweis dafür, dass es rockiger zugehen soll als vielleicht am Anfang vermutet.

Caputo bringt Soul, Rock und Melancholie irgendwie auf einen Nenner. Mal hört man gespannt den Klängen und der gewaltigen Stimme Caputos zu, wie bei „Son Of A Gun“ oder „Sadly Eyed Lady“, um dann wieder rocken zu können, wie bei „Devils Pride“ oder dem Closer des Mainparts „Troubles Down“. Dazu gepackt immer vereinzelt alte Stücke vom Debütalbum „Died Laughing“. So gesellen sich unter anderem „New York City“, „Home“ oder „Razzberry Mockery“ zum frischen Set hinzu. Was auffällt ist, dass Keith Caputo bei den älteren Hits oftmals stimmlich eine eigene Interpretation des Songs abliefert und somit immer wieder abweicht von der original Studioversion. Nach über einer Stunde endet schließlich der Mainpart des Konzerts und es bedarf keiner großen Pause, dann kehren die insgesamt sechs Musiker von Caputo wieder zurück auf die Bühne. „Selfish“, die allererste Singleauskopplung in der Karriere Keith Caputos als Solomusiker, ist die erste und geplante einzige Zugabe, was ein wenig enttäuscht. Um elf Uhr soll hier Schluss sein erklärt man und man habe einfach nicht mehr Zeit für weitere Songs. Doch dem mittlerweile angeduselten Caputo ist das nach der Reaktion des Publikums so ziemlich schnuppe und er legt also doch noch einen drauf. „Monkey“, der einzige Track der mal nicht von „Died Laughing“ oder „A Fondness For Hometown Scars“ ist, sondern vom dritten Album, „Hearts Blood On Your Dawn“, und anschließend die Ballade „Bleed For Something Beautiful“, bilden somit den Schluss eines dann doch immerhin fast neunzig Minuten andauernden Konzerts.

Ein bisschen schade, dass sich der kleine Mann mit der großen Stimme fast ausschließlich auf sein Debütalbum und sein aktuelles Werk konzentrierte und somit einige Songs aus der Phase dazwischen wegließ. Ein „Always“, ein „Solar Plexus“ oder das fabelhafte „Livin’ The Blues“ hätten dem sonst sehr gelungenen Set noch die entsprechende Würze verliehen. Viele haben sicherlich auch auf den ein oder anderen Life Of Agony-Schmaus a lá „My Mind Is Dangerous“ oder „Let’s Pretend“ gewartet. Aber man sollte die Erwartungen nicht allzu hoch setzen, sonst wird man enttäuscht. Nehmen wir es also so hin wie es war. Also greife ich den schlichten Kommentar eines Bekannten auf, der einfach sagte: „Gut wars.“

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