Kettcar

Tour 2005

30.03.2005 JUZ / Essen

Von: Simon Baranowski

Kettcar Essen

Schön. Sehr schön. Wer Kettcar mag, der weiß eigentlich, dass es gar nicht anders als schön sein kann. Der Raum war gespannt und voller Freude, um endlich mal wieder laut und frei mitsingen zu können. Kettcar hören ist ein bisschen wie nach Hause kommen. Als wenn man zu Hause im Wohnzimmer der warmherzigen Stimme von Sänger Marcus Wiebusch zuhört und alle netten Menschen in der Umgebung eingeladen hat.

Trotzdem wohl eher verhaltener Applaus, als die Männer aus Hamburg die Bühne im Jugendzentrum Essen betraten. Doch die ersten Akkorde vom Opener „Deiche“ brachen halt dieselbigen. Beim zweiten Kracher „Ich danke der Academy“ war jeder wachgerüttelt. Und zum Glück war die „… Oper nicht zu Ende“. Kettcar machten einen zufriedenen Eindruck. Eher zurückhaltend nach kleiner Tourpause und wohl auch ein wenig nervös, was aber nicht unprofessionell, sondern eher sympathisch wirkte. Die hämischen Rufe „Marcus Wiebusch Fußballgott“ (wohl angedacht an die zu sehenden sportlichen Ergüsse Kettcars, zu bewundern auf deren Bonus-DVD vom aktuellen Longplayer) trugen eher zur Heiterkeit und guten Stimmung bei, als alles andere.

„Balkon gegenüber“, „Landungsbrücken raus“, „Im Taxi weinen“ oder „Jenseits der Bikinilinie“. Es war schön die Songs der alten Platte zu hören, nachdem man die neue natürlich zurzeit öfter im Player hat. Aber gerade die „Neuen“ wurden natürlich auf den Abend betrachtet in den Vordergrund geschoben. Highlight war hier natürlich die erste Single-Auskopplung „48 Stunden“. Ebenso der Song um Stockhausen und Gates, wobei Markus Wiebusch feststellen musste, dass anscheinend nicht nur er den gebrochenen Daumen von Carlos Santana ersteigert hat.

Marcus und Lars Wiebusch, Reimer Bustorff (am Bass), Gitarrist Erik Langer und Frank Tirado Rosales am Schlagzeug hatten sichtlich Spaß auf der Bühne und fühlten sich wohl. Nahmen einen Schluck aus der grünen Flasche Pilsener Brauart und legten weiter nach. „Anders als gedacht“, „Tränenglas im High-End-Leben“, alles wurde mitgesungen. Eine schöne, freundliche nahezu wohltuende Atmosphäre. Mit „Nacht“ und der Bitte bei diesem Song nicht mitzusingen sowie keine Feuerzeuge rauszuholen, ging der erste Teil des Konzerts zu Ende. Viele der Anwesenden haben auch prompt gehorcht und konnten einen mitfühlenden Wiebusch erkennen. Aber auch seine Mitstreiter fühlten den Song auf der Bühne. Sogar Reimers Herz hat sich geöffnet. Mit einer nicht endenden Steigerung ließen die fünf Hamburger „Nacht“ ausklingen.

Kaum ertönten die ersten Zugabe-Rufe (was ich persönlich fast schon so schlimm wie die Laola-Welle beim Fussball finde) betraten Kettcar auch schon wieder die Bühne. Es folgte laut Kettcar die Live-Premiere „Einer“ – alle Achtung der Refrain scheint geklappt zu haben - und ein alter Klassiker der ersten EP „Genauer betrachtet“. „Handyfeuerzeug gratis dazu“ gab es auch noch. Für die Liebe zur Musik, für uns und für die Liebe zu Kettcars Klängen.

Nach „Money left to burn“ und dem Mitwipper „Ausgetrunken“ kam der nunmehr dritte kleine Encore-Teil – sie hätten eigentlich auch auf der Bühne bleiben können – und Kettcar ließen den Abend mit „Mein Skateboard kriegt mein Zahnarzt…“ ausklingen. Dachten wohl eingefleischte Kettcar Fans. Denkste. Zum Schluß verzauberten die beiden Brüder Lars und Marcus das Jugendzentrum in Essen mit „Balu“. Ein wunderschöner, sanfter Akustik Song, der die Liebe und Sehnsucht vom ersten Album trägt. Dass viele Essener ihre Liebe zu „Wanne-Eickel“ äußerten war schon komisch, aber nicht schlimm.

Ein gesundes Lächeln, ein schönes, positives und gutes Gefühl im Bauch sowie wahrscheinlich viele heisere Kehlen, war das was übrig blieb. Um es mit Worten der Weakerthans zu sagen: „I’m glad that you exist.“ Danke!

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