Kings Of Leon

Tour 2007

02.07.2007 E-Werk / Köln

Von: Thomas Welsch

Kings Of Leon Köln

Sucht man nach dem genauen Gegenteil einer Casting-Band, so bieten sich die „Kings Of Leon“ an, denn sie sind nicht der Idee eines Marketingmanagers entsprungen, sondern musizierten quasi schon im Laufstall miteinander. Die drei Brüder Followill samt Cousin Matthew machten im Rahmen ihrer Europa-Tour am 2.7. im Kölner E-Werk Halt.

Voll ist es dort nicht und es scheint nicht verwunderlich, dass der Gig zwischenzeitlich in die kleinere Live Music Hall verlegt worden war. Der Support Act „Snowden“, den man mögen möchte, der jedoch über seltsam uninspiriertes Songmaterial verfügt, wird mit freundlichem Applaus bedacht. Kurz nach 21 Uhr betreten die Jungs aus den Südstaaten die in der Ästhetik ihres aktuellen Albums „Because Of The Times“ hergerichtete Bühne. Schon beim Opener „Black Thumbnail“ sind die Fans im vorderen Bereich auf Betriebstemperatur. Mit „Taper Jean Girl“ und „King Of The Rodeo“ folgen zwei zentrale Tracks aus dem zweiten Album „Aha Shake Heartbreak“. „True Love Way“ macht sich live prächtig und ist nicht die erwartete Verschnaufpause. Diese tritt erst mit ebenfalls neuem Material wie „Fans“ und „Arizona“ ein. Die Assistenten an der Seitenauslinie müssen hierfür kurz aus ihrem Dämmerschlaf erwachen und Calebs Akustik-Gitarre reichen. Ansonsten haben sie in dieser Hinsicht äußerst wenig zu tun, da jedes Bandmitglied ohne Instrumentenwechsel auskommt. Nach „My Party“, in dem sowohl der Gesang als auch Jareds Bass verzerrt durch die Halle dröhnen, richtet Caleb ein paar Worte an das Publikum. Sie seien heute darauf aus, Spaß zu haben. Gestern in Berlin hätten sie den nämlich nicht gehabt. Die Leute in Köln freut es. Und die Band hat ihren Spaß, auch wenn das nicht auf die herkömmliche Weise zu erkennen ist. Ein Lächeln geht den Jungs nämlich kaum über die Lippen. Ich freue mich auf Zeiten, in denen diese Band ihre (nennen wir es) Verbissenheit gegen eine nicht minder intensive Leichtigkeit eintauscht.

Die letzte Phase im Mainset ist bestimmt durch Songs der ersten beiden Alben. Hier heben sich besonders „Four Kicks“ und „California Waiting“ durch besondere Spielfreude und Wucht hervor. „On Call“ reiht sich als neuer Hit hervorragend ein. Das nicht überraschende, weil jeden Abend fast identische Mainset wird wie gewohnt von dem melancholisch-bluesig beginnenden, später explodierenden „Trani“ würdig beschlossen. Zeit für ein erstes Resümee, das nicht zuletzt wegen des hervorragenden Sounds, der sichtlichen Zufriedenheit der Band mit dem Kölner Publikum und Jareds brillant präzisen Bassläufen sehr gut ausfällt.

Die Zugabenpause wird durch ein dumpfes Bass-Grummeln unterlegt, was die Vorfreude auf den Zugabenblock tatsächlich steigert. Dieser beginnt mit „Knocked Up“, der auch „Because Of The Times“ eröffnet. Ein grandios sphärischer Einluller, dessen kurze Refrainexplosionen das gesamte Publikum in Hochstimmung versetzt. Dass drei der vier Songs der Zugabe vom neuesten Werk der „Kings Of Leon“ sind zeigt, dass die Band selbst von ihrem neuesten Material zurecht überzeugt ist. So sind „Charmer“ und "McFearless“ fast Selbstläufer. Sänger Caleb lädt vor dem letzten Song des Abends die Fans zu einem Drink an der Bar ein. Folge ist ein kollektiver Freudenschrei, der in „Slow Night, So Long“ mündet. Diesen Song haben sie noch vier Tage zuvor gemeinsam mit einem ihrer großen Fürsprecher dargeboten: Pearl Jam´s Frontmann Eddie Vedder. Der war leider nicht zugegen. Aber ein halbvolles E-Werk hatte hör- und sichtbar Freude an der rund 90-minütigen Darbietung. Und wenn jeder beim nächsten Mal noch eine(n) mitbringt, der oder die einem feinen Rockerlebnis mit Blueseinschlag nicht abgeneigt ist, dann wird die Bude auch voll. Zurecht!   

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