Kings Of Leon

Tour 2009 – Support: Mew

25.06.2009 Kölnarena / Köln

Von: Thorsten Schmidt

Kings Of Leon Köln

Heiliges Kanonenrohr, jetzt sind die Kings Of Leon auch bei uns in den 20.000er Hallen angekommen! Wo vor einem Jahr noch die Kölner Live Music Hall angesetzt war, ging es in katapultartigem Tempo in die mehr als 10fach größere Lanxess Arena. Solche modernen Hallen haben meist null Atmosphäre und teure Gastronomie – an diesem Abend kommen auch noch Megaschlangen an den Getränkeständen dazu. Wunderbar! Auffällig ist, dass auch die Mädels den Gerstensaft gleich becherweise durch die nicht ganz ausverkaufte Halle schleppen.

Überhaupt: Hitsingles und Frontmann Caleb sorgen für einen bei Rockkonzerten kaum dagewesenen Damenanteil im Publikum. Während die Predigersöhne aus Nashville ursprünglich nur langhaarige Schlagjeansträger oder coole Retrofreaks als Fans hatten, sind es heute junge Teenies, die vor allem das aktuelle Grammy-Album "Only By The Night" kennen und lieben. "Sex On Fire" oder "Use Somebody" sind echte Granaten in der Megahalle. Ältere Songs wie "Molly’s Chambers" oder "Red Morning Light" vom 2003er Debüt sind eher für Hartgesottene ein großer Spaß. Ansonsten alles bestens bei den Predigerkindern aus Nashville: Calebs geschmeidiges Rostkehlchen ist in Top-Form und  zusammen mit Nathan, Jared und Matthew (hach, diese Namen!) gut aufgelegt lassen sie keinen Zweifel aufkommen, dass sie es ernst meinen. Ernst mit Rockmusik und Fairplay (sie entschuldigen sich für zu hohe Ticketpreise und Verspätung, und dafür dass sie Deutschland in der Vergangenheit zu selten besuchten – heute können sie sich das erlauben), ernst mit Pop, Songwriting und Melodien. Davon haben sie bei ihren Karriereabschnitts-Ziehvätern U2 wohlmöglich ein bisschen zu viel abgeguckt, aber zum Glück gibt es ja noch Songs wie "Charmer" oder auch "Be Somebody" – so wird es nicht allzu knutschig im großen Rund.

Die Show ist entsprechend der Hallengröße sinnvoll ausgerichtet: Laufscreens hoch über der Bühne dank derer auch die Kilometer Entfernten erkennen können wer da die Hütte rockt, atmosphärisches Licht und ein knapp 100-minütiges, dramaturgisch gut abgestimmtes Set ohne Überraschungen sind value for money. Gerne hätte man die Band wieder kleiner, aber wer weiß was ihnen und uns die Zukunft noch so bringt – dank der bereits erwähnten Bibelbande aus Irland dürften die Kings Of Leon locker noch einige markante Alben und Konzerte spielen. Ach ja, eine Vorband gab es auch: Die dänische Vorband Mew bekommt die Hässlichkeit zu spüren. Ihr sphärischer Heavypop verpufft im Soundbrei leider komplett, so dass auch alle spannenden Rhythmusspielchen verloren gehen. Einzig der hohe Gesang (mancher fühlte sich an Polarkreis 18 erinnert) bleibt hängen. Caleb lobt sie später ausdrücklich als eine seiner Lieblingsbands, der Gute. Aber bitte in Zukunft nicht noch glückseliger werden, ihr coolen Rocker!

Setlist:

Crawl
Taper Jean Girl
Be Somebody
Molly's Chambers
Red Morning Light
Fans
California Waiting
Milk
Closer
Four Kicks
Charmer
Sex On Fire
The Bucket
Notion
On Call
Cold Desert
Use Somebody
---------------
Slow Night So Long
Knocked Up
Manhattan
Black Thumbnail

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