King`s X

Live Love Over Europe Tour 2011 - Support: Klone

15.04.2011 Colos-Saal / Aschaffenburg

Von: Pascal Kraus

King`s X Aschaffenburg

Die Möglichkeiten diese "Underground-Legende" der Rockmusik hierzulande live zu erleben sind rar gesäht. Rockmusik ist im Falle der Texaner allerdings ziemlich kurz gegriffen, denn das Trio vereint auf einzigartige Weise Elemente des progressiven Hardrock, einer Prise Soul und Funk, mit einer gehörigen Portion des sogenannten Grunge der Neunziger, den King´s X bereits auf ihrem Debüt "Out Of The Silent Planet" 1988 vorweg nahmen. Jedenfalls ließ dies Jeff Ament verlauten, der neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit an den vier Saiten bei Pearl Jam auch ein großer Fan der Band von Doug Pinnick, Ty Tabor und Jerry Gaskill ist.

Das letzte Mal in Deutschland gastierten King´s X nach jahrelanger Abwesenheit vor rund zwei Jahren und dieses Ereignis war es damals unserem Chefredakteur Thomas Kröll sogar wert trotz einer "ziemlich fetten" Erkältung den Weg zum Konzert zu finden, um den besonderen Sound als Wundermedizin zu nutzen. Für nicht wenige war "Gretchen Goes To Nebraska" anno 1989 auch der Weg Richtung Seattle und die folgenden Alben "Faith Hope Love" oder "Dogman" tauchten, jeweils mit hervorragenden Rezensionen ausgestattet, auch zwischen den vielen zeitgenössischen Veröffentlichungen der frühen Neunziger auf und leider wieder unter. King´s X erlangten nie den kommerziellen Durchbruch, sondern bleiben bis heute ein ewiger "Geheimtipp" mit treuer Fangemeinde. Mutmaßlich sind ihre Songstrukturen zu sperrig und die wunderschönen beatleesken Harmonien zu verschachtelt.

Im gemütlichen Colos-Saal in Aschaffenburg finden sich heute demzufolge mehrheitlich Menschen ein, die mit der Band und ihren aktuell vierzehn Tonträgern gemeinsam älter wurden. Die Stimmung ist entsprechend familiär und alle Anwesenden sind in gespannter Erwartung. Die meisten dürften jedoch mutmaßlich wissen, was sie später erwartet. An diesem Abend ist meine persönliche Colos-Saal Premiere und ich bin wirklich begeistert. Tolle Atmosphäre, ein sehr schöner kleiner Club und mit geschätzten 400 Zuschauern ist die Bude angenehm gefüllt. Der Sound ist auch prinzipiell sehr gut. Dies ist beim französischen Support "Klone" bereits gut wahrzunehmen, denn die sechs Musiker überzeugen mit handwerklich hervorragend gespielten Songs irgendwo im Spannungsfeld zwischen Heavy Metal, frühen Pantera und hier und da einer Prise Psychedelic und Stimmungen der Richtung Alice In Chains. Diese dichte Soundlandschaft wird immer wieder durch jazzige Ausflüge eines Blechblasinstruments durchsetzt und dem, phasenweise ins Schreien wechselnden, generell guten Gesang.

Gegen 22:00 Uhr geben King´s X mit "Groove Machine" dann die Richtung vor in der es die kommenden knapp zwei Stunden weitergehen soll. Es folgen im Verlauf noch solche Kracher wie "Move", "Pray", "Dogman", natürlich "Go Tell Somebody", "Summerland" und ein atemberaubendes "Over My Head". Im Anschluss daran erklingen die ersten Akkorde des wunderschönen Songs "Goldilox" und alle – aber auch wirklich alle – Anwesenden wissen was die Stunde geschlagen hat: die Nummer wird komplett vom Publikum übernommen. Die Strophen aus Hunderten von inbrünstigen Kehlen dringen direkt ins Innere vor und wie mit einem unsichtbaren Band sind sowohl die Musiker auf der Bühne, als auch jeder andere im Raum, mit den Herzen zu einer Einheit verbunden. Doug Pinnick dirigiert und überhaupt sucht der große Bassist immer den Kontakt, nicht nur zu den vorderen Reihen, sondern auch zum Rest der euphorischen Menge. Wohnzimmeratmosphäre! Die Drei sind über die langen Jahre in diesem Geschäft richtig bodenständig geblieben und freuen sich mehrmals ehrlich über die, die gekommen sind um ihre Musik zu hören.

Ty Tabor ist für mich persönlich das groovende Herz dieses Trios. Was er aus seiner Gitarre an Sounds und treibenden Riffs rausholt, ist schon feinstes Zeug. Mit seiner neuen Frisur, die sich aktuell nicht so recht zwischen kurz oder lang entscheiden will und der spiegelnden Brille, wirkt er immer noch wie ein junger Student. Wenn wir jetzt schon gerade ganz banal bei Äußerlichkeiten sind: Jerry Gaskill trägt sein Haar aktuell auch recht kurz und Doug Pinnick versteckt seinen knochigen Schädel heute unter einem schwarzen Hut. Die drahtige gestählte Figur des Frontmannes steht für sich, da oben am Bühnenrand. Wenn sich während "We Were Born To Be Loved" die Silouette dieses Mannes im fahlen Scheinwerferlicht aus dem dezenten Nebel herausschält und die rollenden Bassläufe sich langsam über die Haut unserer Arme zum Nacken empor arbeiten, dann steht da wenige Meter entfernt ein Stück Rockgeschichte.

Den dreistimmigen Gesang, so wie er von den Musikern im Verlauf des Sets akzentuiert eingesetzt wird, hört man wahrlich nicht häufig in diesem Genre. Sie nehmen uns mit auf eine Reise voller wohliger Wärme und souliger Melodien, gebettet auf den harten Riffs und ausarrangierten Songstrukturen. Im letzten Drittel des Sets wird der Sound leider zunehmend etwas dumpfer und Pinnick´s Bass wummert zu arg in der Magengegend und übertönt teilweise Gaskills Spiel an der Trommel merklich. Das sind aber schon Kleinigkeiten, welche einem rundum schönen Abend nicht im Wege stehen.

Ich könnte jetzt diesen Bericht wie viele meiner schreibenden Kollegen beenden mit: "If you like what you hear – Go Tell Somebody! ....." Stattdessen greife ich einen lauten wiederholten Zwischenruf dieses Abends auf: "Ihr seid so geil!".

Twitter

Amazon, Musicload, Napster & AOL-Download

Amazon.de Musicload

Mehr zum Thema:

Musicheadquarter Twitter RSS Feed abonieren! Musicheadquarter bei Facebook
Tickets Night Of The Prog Festival
Digg Reddit Del.icio.us Facebook Twitter Google Yahoo! MyWeb Furl" BlinkList Technorati Mixx Windows Live MySpace Mister Wong
Eagles Tickets bei www.eventim.de