Swing Royal mit Kitty, Daisy & Lewis / Andrej Hermlin & Swing Dance Orchestra
Schon beim Betreten des Admiralspalastes wird es offensichtlich, dass es sich bei diesem Abend nicht um ein X-beliebiges Konzert handelt, sondern um einen Abend ohne Gleichen. Swing Royal lässt die musikalischen 30er und 40er Jahre wiederauferstehen, passenderweise in der historischen Kulisse des schicken Admiralspalastes.
Das Publikum hat sich entsprechend in Schale geworfen. Bei den Männern dominieren Westen, Hosenträger und auf Hochglanz polierte Schuhe. Während die Damen darum wetteifern, wer Dita von Teese am ähnlichsten sieht. Vornehme Blässe ist ebenso angesagt wie rote Lippen, und das beliebteste Fashion Accessoir ist der Fächer. Scheinbar hat sich die gesamte Selbstdarstellerriege Berlins versammelt, um an diesem Abend das beliebte Spiel „Ich bin die Schönste im ganzen Land“ zu spielen.
Eröffnet wird die große Wundertüte der Attraktionen von Andrej Hermlin und seinem Swing Dance Orchestra. Schon bei den ersten Takten kommt Bewegung in die Menge und für die nächsten knapp fünfzig Minuten wird getanzt als gäbe es kein Morgen. Klassiker von Ella Fitzgerald, Benny Goodman oder Duke Ellington reihen sich aneinander, nur unterbrochen von Andrej Hermlins Ansagen. Es ist offensichtlich, dass er gern den Charme von Max Raabe hätte, versucht er doch mit seinen Ansagen ein wenig Witz und Charme zu versprühen. Doch an Deutschlands bekanntesten Bandleader kommt er nicht heran. Es folgt eine Pause, in der zum einen eine Burlesque Nummer geboten wird und zum anderen eine Stepptanzeinlage.
Eden, extra aus Paris eingeflogen, entpuppt sich als der wahre Dita von Teese-Klon des Abends. So schafft sie es, in ihrer nicht mal zehnminütigen Show sich nicht nur zu entblättern, sondern auch, sich einer Salami im Netz nicht unähnlich, mit einem schwarzen Band einzuschnüren. Den Sinn des zugegebenermaßen kunstvollen Einschnürens ist mir allerdings entgangen. Die nachfolgenden Sole Girls klackern auch nur kurz über die Bühne und bieten kurzweilige Unterhaltung. Dann geht es weiter mit dem zweiten Set von Andrej Hermlin und der erste Unmut macht sich breit.
Als um halb zwölf nicht Kitty, Daisy und Lewis angekündigt werden, sondern eine weitere Burlesque Nummer, entlädt sich der Ärger des Publikums in Pfiffen und Buhrufen. Dass die Veranstalter tatsächlich den Nerv haben, dann noch eine weitere Stepptanznummer zu bringen, überrascht sehr und kann nur als unklug bewertet werden.
Doch dann kommen sie endlich, Kitty, Daisy & Lewis. Zuerst nur Kitty und Daisy. Vor dem Vorhang trällern sie eine A-Cappella-Nummer und dann öffnet sich der Vorhang und der Rest der Familie kommt zum Vorschein: Lewis an der Gitarre, Mama am Kontrabass und Papa an der Gitarre. Die Stimmung des Publikums schwenkt sofort von latenter Aggressivität zu ekstatischer Begeisterung um.
Sie spielen “Going Up The Country”, “Mean Son Of A Gun” und “Hillbilly Music”. Der Sound scheppert leider gruselig und ist viel zu laut und schrill. Das ständige Instrumentengestimme auf der Bühne deutet darauf hin, dass der Sound auch bei ihnen nicht viel besser ist. Kitty, Daisy & Lewis machen das Beste daraus und spielen mit viel Energie. Doch für viele im Publikum ist der Kampf bereits verloren. Das lange Warten, die fortgeschrittene Zeit und sicher auch der plärrige Sound führen dazu, dass einige Zuschauer das Spektakel vorzeitig verlassen. Swing Royal: Eine schöne Idee, die Umsetzung sollte aber noch mal überdacht werden.