Bitch we got a problem Tour 2008, Support: Flyleaf, Deathstars
Bis kurz vor knapp waren die Karten für das KoRn Konzert in Köln noch erhältlich. Doch zu guter Letzt war es doch ausverkauft. Die „Bitch We Got A Problem“ Tour war von vorneherein alles andere als von Glück beseelt. Fiel gleich zu Beginn der Leadgitarrist von KoRn aus folgte kurz darauf Drummer Bone W. Machine der Deathstars und trat vorerst die Rückreise in die Heimat an. Doch trotz dieser Rückschläge war der Ersatz für beide schnell gefunden, die Tour konnte ohne Unterbrechung fortgesetzt werden und KoRn setzten dem noch eine Krone auf. Denn ungeachtet der Umstände schafften sie es wie so oft in der Vergangenheit, das Palladium komplett auszuverkaufen. Und mit gleich zwei hochwertigen Supportacts im Gepäck konnte sich die Veranstaltung sehen lassen – wenn auch der ein oder andere trotzdem seinem Unmut über die hohen Preise Luft machte.
Schnell füllte sich das Palladium und voller Erwartung empfing das Publikum die Deathstars, die den Abend eröffnen sollten. Die Federboa um den Mikrofonständer schien mittlerweile Frontmann Whiplashers Markenzeichen geworden zu sein. Zu dem kurzen Intro, das so manch einer bereits am ersten Ton als „The Last Ammunition“ identifizierte, betraten die düsteren Herren aus Schweden pünktlich um 20 Uhr die Bühne. In Topform präsentierte die Band ihre Setlist in gewohnt einwandfreier Qualität. Whiplasher unterhielt das Publikum zwischen den einzelnen Stücken mit mal mehr mal weniger gut verständlichen Reden. Das Publikum folgte stets artig den Klatsch- und Schreiaufforderungen, als hätte die Menge hier den Hauptact vor sich. Köln schien in absoluter Hochstimmung zu sein! Nach einer guten halben Stunde voller Hits, durfte natürlich auch „Cyanide“ nicht fehlen, bevor die Umbaupause für Flyleaf begann.
In den Minuten des Wartens erklang hin und wieder aus verschiedenen Ecken Englisch und Niederländisch. Es schien als seien einige Nachbarn aus den Niederlanden und so manche US Soldaten aus dem nahe gelegenen Herforder Army Stützpunkt angereist.
Dann kam die Zeit für die Texaner von Flyleaf. Eine zierliche Frontfrau mit einer immensen Stimmgewalt zog das Publikum sofort in ihren Bann. Lacey Mosley schien ihre Stimme scheinbar mühelos durch sämtliche Höhen und Tiefen zu jagen, während die Jungs aus der Band mit einer enormen Ausdauer auf der Bühne umher hüpften und sprangen. Der sogenannte „Christian Rock“ der Texaner war sehr gut abgemischt und der volle Sound wusste zu überzeugen. Doch leider gingen die in der Dynamik schwankenden Songs früher oder später auf die Nerven. Ganze 45 Minuten durften sich Flyleaf austoben – nicht gerade üblich für einen Supportact. Zum Ende lieferten sie noch eine gelungene Coverversion des Nine Inch Nails Songs „Something I Can Never Have“ bevor die Umbauphase unter lauten „KoRn“-Rufen aus dem Publikum begann.
Gegen 22 Uhr war es dann soweit. Bei der Enthüllung von Frontmann Jonathan Davis’ legendären Mikrofonständers ertönte bereits lauter Jubel aus der Menge. Der von H.R. Giger entworfene Ständer, der eine für den schweizer typische weibliche Kunstform darstellt, strahlte eine unheimliche Eleganz aus, während im Hintergrund das Intro, das jedem Anwesenden von dem aktuellen Album „Untitled“ her bekannt war, erklang. Und so folgte sogleich eine Mischung aus alt und neu und brachte das Publikum wie eine Einheit zum ununterbrochenen Hüpfen und Ausrasten. Von „A.D.I.D.A.S.“ über „Starting Over“ hin zu „Falling Away From Me“ – nichts wurde ausgelassen und die Fans dankten es mit absoluter Hingabe und Verausgabung. Innerhalb kürzester Zeit erinnerte die Luft im Palladium an subtropische Gefilde. Die Patchworkband, bestehend aus ein paar Urgesteinen KoRns und Neuzugängen, lieferte einen Sound und eine Qualität, die jegliches Eintrittsgeld rechtfertigte. Sogar eine Backgroundsängerin säuselte ab und an ins MikroÂ… seit wann haben KoRn den Luxus einer Backgroundsängerin? Auch die Lasershow überraschte. Die grünen Strahlen waren zwar schön anzusehen, keine Frage. Doch im Nachhinein betrachtet, will es nicht ganz zu KoRn passen. Da kamen frühere Shows ohne Laser und Background meiner Meinung nach besser und vor allem authentischer rüber. Bei „Coming Undone“ wechselte die Band kurzzeitig zu „We Will Rock You“ von Queen, was der Merkwürdigkeit noch die Krone aufsetzte. Doch die bunte Setlist und die Professionalität der Musiker machten alles wieder wett. „Freak On A Leash“ rockte ebenso wie das balladeske „Kiss“. Und mit „Blind“, „Ever Be“ und „Got The Life“ in der Zugabe war das knapp 100 Minuten lastige Set komplett.
Die Halle bebte und es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass KoRn nach wie vor regieren und wissen was die Fans von ihnen erwarten. Sehr schön mit eigenen Augen zu sehen, dass diese Band trotz ihres Ruhmes nicht aus den Augen verliert, dass es bei Konzerten hauptsächlich darum geht, die Fans zufrieden zu stellen und für sich zu gewinnen. Und das schafften sie an diesem Abend ohne Zweifel.