Kristoffer Ragnstam

Tour 2008 - Support: Markovic & Tingsek

28.09.2008 Admiralspalast / Berlin

Von: Jessica Walther

Kristoffer Ragnstam Berlin

Wenn ein recht kleiner Konzertsaal nur zu einem Viertel gefüllt ist, dann ist das schon ein wenig tragisch. So auch an diesem Abend im kleinen Studio 101 im Admiralspalast, an dem ein schwedisches Triplet geboten wird.

Den Anfang der beiden Support Acts machen Markovic, die mit ihrem emotionalen Rock förmlich gegen eine Wand spielen. Sie strengen sich sichtlich an, doch schaffen es nicht das Publikum mitzureißen. Das Treiben auf der Bühne bleibt seltsam unbeteiligt, was vielleicht auch daran liegt, dass aufgrund des von ihnen fabrizierten Klangbreis die Texte nicht zu verstehen sind. Danach folgt Tingsek, allein mit Gitarre, dafür aber mit der gewagten Kombination aus Unterhemd, Weste und Glitzerschal. Seine schöne Stimme kollidiert mit den Klängen, die er seiner elektrischen Gitarre entlockt. Man kommt nicht umhin, das Ganze etwas unausgegoren zu finden.

Dann endlich um 22:30 Uhr kommt Kristoffer Ragnstam auf die Bühne. Ein aufmerksamer Beobachter konnte ihn schon vorher einige Male hin- und herlaufen sehen im Barbereich. Beeindruckenderweise lässt er sich nicht entmutigen vom spärlichen Andrang. Er bittet darum die Türen zu schliessen und sich vorzustellen es wäre Samstag. Und los geht es, voller guter Laune. Denn selbst, wenn er enttäuscht ist, so merkt man es ihm keine Minute an.

Mit seinen von Sixties Popharmonien geprägten Songs („Man Over Board“), schafft er es tatsächlich große Teile des Publikum zum Tanzen zu bringen. Die Rhythmen sind flott (etwas anderes erwartet man auch nicht von jemandem, der als Drummer angefangen hat), die Melodien eingängig. So ist „Swing That Tambourine“ nicht umsonst die aktuelle Single seines neuen Albums “Wrong Side Of The Room”, klassisches Singlematerial mit Refrain zum Mitsingen. Sehr nett zum Mitwippen, aber auf die Dauer ein wenig zahnlos. Das ändern auch die Ausflüge in psychedelische siebziger Jahre Gefilde nicht, mit dem charakteristischen epischen Gitarrengeschrammel („Almost Delicious“). Herausstechen kann da nur „Born As A Lion“ mit seiner kraftvollen und aufpeitschenden Gitarrenmelodie.

Ragnstams Band macht alles mit, ob 60s oder 70s, sind sie doch selbst ein bunt gewürfelter Haufen. So sieht der Gitarrist aus wie ein Klon des Weezer Frontmannes River Cuomo, inklusive der Brille und der Drummer wirkt als würde er gleich einen Anfall haben, spielt mit offenem Mund und wildem Blick. Ragnstam selbst erinnert optisch an einen jüngeren und besser aussehenden Lothar Matthäus. Er unterhält mit witzigen Bemerkungen, die in der gleichen Kategorie spielen wie einige seiner Songtitel: „Fashion Took Away My Passion For Music“.

Knapp über eine Stunde spielt Ragnstam und lässt sich sogar zu zwei Zugaben bewegen. Nicht selbstverständlich, wie ich finde, bei den wenigen Leuten. Dann ist Schluss und als man den Saal verlässt, sitzt er bereits am Merchandisestand. Dass Kristoffer Ragnstam allerdings nur so kurz spielt, ist mir ein wenig unverständlich. So müsste er doch schließlich mit den Alben „Sweet Bills“ und „Wrong Side Of the Room“ ein längeres Konzert bestreiten können und nicht auf die Hilfe von gleich zwei Vorbands angewiesen sein. Vielleicht beim nächsten Berlinbesuch, wenn er das finanzielle Risiko nochmals eingehen will.

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