Kruder & Dorfmeister

The Anniversary Session

13.11.2010 E-Werk / Köln

Von: Karsten Kraemer

Kruder & Dorfmeister  Köln

Als ich vor einigen Wochen das Ankündigungsplakat entdecke, bin ich schon ziemlich überrascht. Peter Kruder und Richard Dorfmeister, die musikalischen Helden meiner Studentenzeit, geben nach langer Abstinenz mal wieder (zusammen!) ein Gastspiel in Köln.

Generell ist es ziemlich ruhig geworden um die beiden Wiener Discjockeys, die mittlerweile die Vierzig überschritten haben. Nun ja, der eine freut sich mittlerweile über familiären Nachwuchs (Dorfmeister), der andere (Kruder) betätigt sich überwiegend als Produzent (u.a. Marsmobil) und ist solotechnisch die letzten beiden Jahre eher in härteren Techno-Gefilden unterwegs gewesen. Abgesehen davon war der K&D-Output aber sowieso schon seit ihrem Bestehen als relativ spärlich zu bezeichnen. Bis heute gibt es - Auftragsarbeiten bzw. Remixe ausgenommen - nur rund ein Dutzend eigener Tracks und offiziell auch noch kein reguläres Album. Und dennoch sind die Begründer eines ganzen Genres (Downbeat, Chill Out, Dopebeats - was auch immer) über jeden Zweifel erhaben.

Ihr letzter gemeinsamer Auftritt in der Domstadt, an dem ich teilhaben durfte und an den ich mich heute noch sehr gerne zurückerinnere, ist bereits ganze acht Jahre her: "G-Stone Recordings meets Friendly Electric", die G-Stone-Labelnight im Tanzbrunnen. Das Ganze firmierte damals noch unter dem Dach der "popkomm" und war eine absolut legendäre Veranstaltung. Anlässlich der Werkschau ihres Labels ("Sixteen F**cking Years of G-Stone Recordings"), die als Doppel-CD Anfang Juni diesen Jahres erschienen ist, gibts die "Original Bedroom Rockers" also nun endlich mal wieder als Duo zu bestaunen. Und da das Ganze möglichst exklusiv sein soll auch nur für vier Gigs in dieser Republik - nach dem SonneMondSterne-Festival im Sommer in Thüringen noch dieser Tage in Berlin und in München, wo bekanntlich einige ihrer Spezis aus dem Compost-Umfeld beheimatet sind.

Trotz des meiner Meinung nach schon abschreckenden Preises (35 EUR an der Abendkasse) ist das E-Werk sehr gut gefüllt, wenn auch nicht ausverkauft. Was sofort ins Auge fällt ist das geschätzte Durchschnittsalter des Publikums, das locker bei Anfang/Mitte Dreißig liegen dürfte. Alles sicherlich Fans der ersten Stunde, die genauso gespannt wie ich auf dieses Comeback sind.

Kurz vor halb neun erscheinen die beiden Herren dann im feinsten Smoking gekleidet hinter einer hohen Leinwand und starten auf ihren Laptops die Show mit "High Noon", einem Klassiker von ihrer ersten EP aus dem Jahr 1993. Unterstützt werden sie hierbei und im weiteren Verlauf durch die Vocals des befreundeten Rappers Earl Zinger alias Rob Gallagher, dem ehemaligen Mastermind der britischen Acid Jazz-Legende Galliano. Es folgen weitere Highlights ihrer Remix-Sammlung "The K&D Sessions", jener Compilation, die 1998 den endgültigen Durchbruch brachte. Egal ob "Rollin' On Chrome" von den Aphrodelics oder Depeche Mode's "Useless", die wohl bekannteste Bearbeitung - schon der erste Basslauf der jeweiligen Tracks hat einen hohen Wiedererkennungswert und man fühlt sich sofort rund zehn Jahre zurückversetzt auf eine Studenten-WG-Party in grasgeschwängerter Atmosphäre.

Aber auch Kruders fantastische Solokomposition "Law Of Return" in einer Endlosschleife, "Baby" von seinem Nebenprojekt "Voom:Voom" und das neue, gemeinsam produzierte Stück "Aikon" von oben genanntem Label-Sampler sind in das Set eingebaut - alles traditionell und kongenial untermalt von den visuellen Animationen ihres langjährigen VJ's und Projektionskünstlers Fritz Fitzke. Neben Zinger hat man zudem mit Ras MC T-Weed einen weiteren Vokalisten mit ins Boot geholt, um ihrer Geburtstags-Session noch mehr Pep zu verleihen.

Nach fast zwei Stunden Spielzeit und der eigenen Version von "Speechless", dessen Original von der ebenfalls in Wien ansässigen Jazzcombo "Count Basic" stammt, gibt es als finalen Abschluss noch ein Remake des weltbekannten Beatles-Songs "Let It Be" zum Mitsingen - mit Augenzwinkern versteht sich.

Fazit: Beruhigend zu wissen, dass die beiden Jungs noch existieren und nichts von ihrer Coolness eingebüßt haben. Wenn auch kaum neues Material zum Besten gegeben wurde, die kleine Zeitreise zurück dank sämtlich gespielter Hits hat sich auf alle Fälle gelohnt - oder, um es mit dem Schmäh der Heimatstadt von K&D auszudrücken: Woa olles leiwand, so wie mas gwohnt is vo eich burschn!


Twitter

Amazon, Musicload, Napster & AOL-Download

Amazon.de Musicload

Mehr zum Thema:

Musicheadquarter Twitter RSS Feed abonieren! Musicheadquarter bei Facebook
Tickets Night Of The Prog Festival
Digg Reddit Del.icio.us Facebook Twitter Google Yahoo! MyWeb Furl" BlinkList Technorati Mixx Windows Live MySpace Mister Wong
Eagles Tickets bei www.eventim.de