Kyuss

Chapter Two... and the Legacy Continues - Tour 2011 - Support: Burden, Waxy

24.03.2011 Hugenottenhalle / Neu-Isenburg

Von: Pascal Kraus

Kyuss Neu-Isenburg

Im vergangenen Jahr nannte sich die kleine Sensation im Rockmusikzirkus alternativer Prägung noch "Garcia Plays Kyuss", als John Garcia den zahlreichen Anfragen an seine Person nach einer Reunion von Kyuss Rechnung trägt und mit neuer Formation in Gestalt von Jaques de Haars, Rob Snijder und Bruno Fevery die alten Klassiker wieder aus dem Koffer holt: "...für die, die Kyuss damals live gesehen haben, und zum anderen für die, die nie die Chance hatten, eine Kyuss-Show live zu erleben...".

Nachdem sich im letzten Sommer in Frankreich dann zufällig dreiviertel der Kyuss Ursprungsbesetzung (John Garcia, Nick Oliveri und Brant Bjork) auf einem Festival traf und zur Darbietung legendären Liedguts für drei Songs die Bühnenbretter teilte, flammte eine noch nicht erloschene Flamme wieder auf und das lodernde Feuer brennt in diesem Frühjahr schließlich als "Kyuss Lives!" erneut wieder auf. Von der damaligen Besetzung fehlt nur Joshua Homme an der Gitarre, welcher derzeit bekanntermaßen mit vielen anderen Dingen beschäftigt ist und mutmaßlich mit dem Kapitel Kyuss ohnehin abgeschlossen zu haben scheint. Hinsichtlich Hommes Gitarrenparts hat sich Bruno Fevery mehr als bewährt und ist jetzt fester Bestandteil an den sechs Saiten in der aktuellen Besetzung der Band.

Der Sound von Kyuss, der Name ist eine Adaption aus einem Fantasy Rollenspiel, begründete das Genre Stoner- oder auch Desert-Rock Mitte der Neunziger, als die Musikindustrie die ergiebige Quelle "Grunge" langsam aber sicher trocken gelegt hatte. Die musikalisch fruchtbare neue Oase fand man zu jener Zeit in der kalifornischen Wüste bei Palm Desert. Der einzigartige fette Sound aus dieser Gegend, der tonnenschwer und staubig durch die (Bass)Verstärker gedrückt wurde, fand 1996 mit dem Album "...And The Circus Leaves Town" viel zu früh ein jähes Ende. Die Rhythmussektion Oliveri und Bjork war zu diesem Zeitpunkt längst durch Scott Reeder und Alfredo Hernandez ausgetauscht. Aus dem noch heißen übrig gebliebenen Sand, erschuf Josh Homme anschließend sein heute noch immer sehr erfolgreiches Projekt Queens Of The Stone Age mit damals Hernandez an den Fellen und dem wieder aktivierten Nick Oliveri am Bass. Brant Bjork verdingte sich in den kommen Jahren bei "Fu Manchu" und war mit Soloveröffentlichungen mäßig erfolgreich.

Der ehemalige Frontmann John Garcia stand bei den Bands "Slo Burn" und "Unida" am Mikro. Mit der Tour "Garcia Plays Kyuss" zeigte sich, dass Garcia zwar nicht mehr die gute Figur aus den Neunzigern, aber an Charisma und typischer Stimme nichts eingebüßt hat. Zum Bersten gefüllte Clubs und nachträglich gebuchte größere Hallen machten ebenso den Durst der Anhängerschaft nach dem Sound der Stoner-Wegbereiter mehr als deutlich. Heute abend soll dieser Durst in der Hugenottenhalle gestillt werden, wenn die Kyuss-Gründungsformation, minus Homme, unter der Flagge Kyuss Lives! solche Song-Bretter wie "100°", "Hurricane" oder "Green Machine" um die Ohren haut. Es ist also viel zu erwarten nach dem Appetithappen des letzten Sommers, nämlich dass daraus jetzt ein komplettes Menü kredenzt wird.

Davor hat der Veranstalter allerdings noch zwei Bands gesetzt: Burden aus dem Rhein-Main Gebiet, die mit ihrer klassischen Mischung aus Metal, Doom und einer Prise Alternative Rock den Abend eröffnen und die kalifornischen Stonerrocker Waxy, welche sich schon sehr nahe an den typischen Wüstensound von Kyuss heranwagen. Nicht zuletzt die Tatsache, dass John Garcia auf deren zweiter Platte "Chainsaw Holiday" als Gastmusiker mitwirkte, sagt wohl einiges über die musikalische Verortung des Quintetts aus.

Gegen 22:00 Uhr geht es dann endlich los. Nebelschwaden. Fevery entlockt jetzt die ersten Klänge seiner Gitarre und die Menge johlt. Kyuss beginnen mit "Gardenia" schon sehr druckvoll, ohne Schnörkel und geradeaus. Garcia mit dunkler Sonnenbrille vermittelt vom ersten Anblick an eine gewisse Distanz zum Publikum, welche sich im gesamten Verlauf des Konzerts leider nicht wirklich ändert. Die Kalifornier haben es sich scheinbar auf ihrem Kultstatus gemütlich gemacht und zwei Drittel ihres Auftritts folgt Song auf Song, ohne nennenswerte Kommunikation mit den Menschen in der Halle. Der Sound wirkt stellenweise etwas kratzig und blechern, zumindest im hinteren Teil des Raumes.

Die Songs für sich sind aber so stark und unverwechselbar im Sound, dass die losgelöste Nostalgie die größtenteils trotzdem hervorragende Stimmung unter den Anwesenden noch trägt. Selbstverständlich verströmt auch ein Kracher wie "El Rodeo" eine derartig vertraute Wärme in der Magengegend, sodass sich unweigerlich ein Glücksgefühl einstellt. Dennoch bleibt der fade Beigeschmack einer zu statischen distanzierten Performance zurück und es ist zu hoffen, dass die Band wieder zu der ganz eigenen Emotionalität früherer Tage zurückfindet. Mit einem schweißtreibenden "Allen´s Wrench" als Zugabe werden die unverwüstlichen Fans schließlich aus der Halle gefegt. Die Wüste lebt. Die knochentrockene Kruste an der Oberfläche benötigt allerdings schon hin und wieder mal ein Tröpfchen Wasser, um zarte Pflänzchen am Leben zu erhalten.

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