Kyuss Lives! Chapter Two... and the Legacy Continues
Es ist Donnerstag und nachdem die Hamburger gestern jeden Sonnenstrahl nutzten, ist die Stimmung heute sehr gereizt, es ist schwül, stickig und heiß. Das Klima schlägt aufs Gemüt und ich warte bei einem Spaziergang durch St. Pauli nur darauf, dass es kracht. Ein Jeder ist ungeduldig, hektisch, irgendwie unzufrieden, mich eingeschlossen. Gegen Abend klart das Wetter dann aber wieder auf und auch die Leute werden wieder entspannter. Beim Anstehen in der Schlange, um in den Stadtpark zu gelangen, kommen mir die Leute sogar unerwartet fröhlich vor. Naja, immerhin ist der befürchtete Regen ausgeblieben und die Sonne setzt sich erfolgreich durch.
Im Stadtpark selbst ist es erschreckend leer, als ich um 19:30 Uhr eintreffe. Erschreckend, da die Karten beim letzten Kyuss Auftritt im Docks schon sehr früh ausverkauft waren und anschließend für 50 Euro auf dem Schwarzmarkt gehandelt wurden. Heute sieht man die verzweifelten Händler mit Karten wedeln, die sie für schlappe 10 Euro noch schnell loswerden wollen. Trotz der eigentlich sehr überschaubaren Aufstellung an Musikern fällt direkt die Präsenz der drei Gitarrenverstärker und der zwei Bassverstärker auf. Die Jungs machen keine halben Sachen.
Beim Warten auf den Anfang des Konzerts erfahre ich noch, dass Basser Nick Oliveri nicht mitspielen wird, da er bereits Wochen zuvor von einem S.W.A.T.-Team verhaftet wurde, als er sich mit seiner Frau, mit der er einen Streit hatte, in seinem Haus eingeschlossen hatte. Der Typ ist echt hart drauf. Vertreten wird ihn der alte Kyuss Basser Scott Reeder. Auch Josh Homme muss vertreten werden, der hatte jedoch schon bei der Reunion verkündet, er wolle nicht mehr dabei sein.
Um kurz nach halb Acht geht es dann los. Orchestermusik ertönt, während Brant Bjork in grüner kurzer Hose gemütlich zu seinem Schlagzeug schlendert. Wie gewohnt mit langen schwarzen Haaren, Stirnband und Sonnenbrille. Er prügelt auf die Drums ein und läutet damit "Spaceship Landing" ein. Dazu kommen Scott Reeder und Bruno Fevery und schließlich auch John Garcia. Kompromisslos, wie man Kyuss kennt, rocken die Vier los. Bis auf Reeder bewegen sie sich eher spärlich, geben aber alles. Direkt beim ersten Song ist der Sound perfekt ausgesteuert, klingt wie von der CD. Und langsam füllt sich der Platz vor der "Open R" Bühne.
Während der Soloparts der Gitarre stellt Garcia sich immer wieder mit dem Rücken zum Publikum an eine der Bassboxen und trinkt sein Getränk. Er wirkt etwas angeschlagen, bewegt sich wenig. Wenn er, den Mikroständer umklammernd, seine wuchtige Stimme ertönen lässt, wackelt er nur ganz leicht hin und her, wartet auf seine Parts, trifft aber jeden Ton. Wie schon bei den ersten drei Songs wird wild applaudiert als "Thumb" ertönt. Mit zufriedenen Gesichtsausdrücken nicken die Zuschauer zu schwerfälligen Sounds. Sehr auffällig ist auch das gut durchgemischte Publikum. Mädchen in pinken Oberteilen, dunkelhaarige Metaltypen, grauhaarige Väter, schwangere Frauen, Gothics. Alles ist vertreten, und alle wirken sehr zufrieden, bis auf die Gothics, aber das ist wohl normal. Der Duft von Marihuana zieht mit einer Prise Staub durch die Menge, immer mehr Leute nähern sich der Bühne und im Kessel vor der Bühne wird schüchtern versucht mit dem Pogen zu beginnen, während Reeder barfuß seine Basslines spielt. Er hat mitlerweile Ähnlichkeit mit dem Dude.
John Garcia kommt von Song zu Song immer mehr aus sich heraus, zeigt seine gute Laune und grinst bis über beide Ohren, als sein Applaus zum Publikum mit noch mehr Beifall von seinen Gegenübern belohnt wird. Beim Song "Asteroid" verlässt John dann die Bühne, zu singen hat er in dem Song eh nix, also lässt er die anderen Drei machen. Vielleicht geht es ihm aber auch nicht gut, immerhin scheint es immer, wenn er sich zu Bjork dreht, als habe er Atemnot. Er atmet schwer, wirkt aufgebraucht, wie schon vor einigen Jahren, als er mit seiner alten Band Hermano in Hamburg spielte und die Securitys das Publikum aufforderten, nicht so viel zu rauchen. Nach dem zwölften Song kommt dann endlich die erste Ansage zum Publikum, mit einem lauten Lachen begrüßt er seine Zuschauer, bedankt sich mehrfach für ihr Kommen, stellt die Band vor und weiter geht’s. John verlässt jedoch kurz darauf erneut die Bühne, was ist da los?
Um 21:00 Uhr gehen dann schließlich alle von der Bühne, John war zwischendurch auch wieder da. Kurz darauf kommen alle Vier wieder zurück und spielen weiter, jetzt wirkt auch die Lichtshow endlich. Ein Gast schmeißt Garcia eine Zigarette Richtung Bühne, was dieser direkt zum Anlass nimmt, sich mal dem Publikum zu widmen. Er nimmt die Zigarette, lässt sie sich von einem Gast anzünden und bekommt außerdem noch eine Sonnenbrille von einem anderen Gast. Begleitet wird das Szenario mit "Allen's" und dem lauten Beifall der Zuschauer. Nach 25 Minuten Zugabe gehen Kyuss wieder von der Bühne, um dann nochmal zwei Zugaben zu spielen. Und dann kommt Garcia noch einmal. Dieses Mal mit Laptop in der Hand. Er richtet den Bildschirm zum Publikum, dort sieht man eine Person, mit der er scheinbar gerade skypt. Grinsend hält er den Laptop hoch, guckt in die Kamera und geht dann winkend von der Bühne. Nach knapp zwei Stunden ist das Konzert mit 20 Songs schließlich zu Ende. Absolut zufrieden verlasse ich das Konzert. Es war jeden Cent wert!