Tour 2011 - Support: Maybeshewill
Diesen Tag werde ich rot in meinem Kalender anstreichen. Es ist der Tag, an dem sich ein Mythos in Luft auflöste. Der Mythos, dass eine Instrumentalband so viel Verzicht leistet, dass sie zwar gute, aber keine grandiosen und mitreißenden Konzerte bieten kann. Sie verzichtet auf Songs, die das Publikum lauthals mitsingen kann und darüber hinaus auf die (charismatische) Person am Mikro, die das Publikum bei Laune hält. Long Distance Calling waren für mich nicht zuletzt deshalb eine gute Band. Nun halte ich sie für eine fantastische Band und der Grund liegt in ihrem Auftritt im ausverkauften Kölner Underground.
Die Zutaten zu diesem Abend setzen sich wie folgt zusammen: Die Band hat ein sehr gutes, gerade erschienenes Album im Gepäck, sie strotzt angesichts der guten Kritiken vor Selbstbewusstsein und sie ist bester Laune. Die anwesenden Fans stehen der Band in Sachen Stimmung nicht nach. Voller Vorfreude lauschen sie Maybeshewill, dem heutigen Support. Wenn die beiden Bands während ihrer Tour auf die Insel kommen, werden die Rollen getauscht. Dann eröffnen Long Distance Calling die Abende. Maybeshewill machen ihren Job gut, wirken aber etwas zu angestrengt. Die Ansagen der Band versteht wohl nur jemand, der ein Studienjahr in England verbracht hat. Was für ein Genuschel.
Wie vermutet erhält "Into The Black Wide Open" die Rolle des äußerst geeigneten Openers für Long Distance Calling. Wie auf dem aktuellen selbstbetitelten Album der Band bereitet der Song zunächst behutsam dann kraftvoll den Boden für eine von unbändiger Energie geprägten Show. Die Riffs von "The Figrin D`an Boogie" und die Ankündigung Jan Hoffmanns, man wolle heute das gesamte neue Album spielen, verzücken das Publikum. Keinerlei Aufwärmphase ist mehr nötig. Kein Plot, einfach nur Bock auf die geniale Mischung aus berauschenden Riffs und filigraner Technik. Angereichert wird der Schwall neuer Songs durch einen der ältesten, nämlich "Fire In The Mountain". "Timebends" lässt mit seinen wunderschönen Soul-Passagen noch einmal Luft holen, bevor besonders mit "Arecibo" die Post abgeht.
Berauscht von der fantastischen Stimmung leitet Jan Hoffmann die bevorstehenden Gitarrenwände mit den Worten ein: "Lasst uns die Bude abreißen". Er und Florian Füntmann übernehmen allzu gerne die Rolle der Anheizer. Ein paar begeisterte Statements im Wechsel mit passenden Rockerposen, schon kocht das Underground. Und zwar zu Recht, denn der Energie im Raum kann sich kaum jemand entziehen. Dank "I Know You, Stanley Milgram" vom hervorragenden, heute aber notgedrungen unterrepräsentierten "Avoid The Light" und "The Metulsky Curse Revisited" steigt die Begeisterung in ungeahnte Höhen. Es beschleicht einen fast die Angst vor dem nahen, möglicherweise abrupten Ende der Show angesichts der geplanten Underground-Party im Anschluss. Für eine Zugabe bleibt aber noch Zeit. "Black Paper Planes" ist wohl eines der großartigsten Instrumentalstücke, die die Welt gehört hat. Gewagte, aber wohlüberlegte Worte eines beeindruckten Schreibers.
Versucht man mit etwas Abstand zu ergründen, warum Long Distance Calling, nachdem ich sie zuvor schon erlebt habe, nun so kompromisslos auftreten und begeistern, drängen sich zwei Faktoren in den Vordergrund. Das neue Album liefert ein sehr rifforientiertes Songmaterial, das live noch besser funktioniert als in der Studioversion. Hinzu kommen die wohltuende Selbstsicherheit und mitreißende Spielfreude der Band. Dem kann und will sich das Publikum einfach nicht entziehen. Wer das erleben möchte, sollte sich schleunigst um Tickets kümmern, denn das Kölner Konzert wird nicht das einzige ausverkaufte bleiben.
Setlist:
Into The Black Wide Open
The Figrin D`an Boogie
Fire In The Mountain
Invisible Giant
Timebends
Aurora
Arecibo
Beyond The Void
I Know You, Stanley Milgram
The Metulsky Curse Revisited
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Black Paper Planes