Lostprophets

The Betrayed Tour 2010 - Support: The Blackout

21.04.2010 Live Music Hall / Köln

Von: Willi Nickolaus

Lostprophets Köln

Wales rockt. Nicht nur gestandene Bands wie Bullet For My Valentine, Funeral For A Friend oder Lostprophets drücken der Musikwelt ihren walisischen Emo-Stempel auf. Auch The Blackout aus Südwales - Vorband des heutigen Abens - sind auf dem besten Weg, sich einen größeren Fankreis zu erspielen. Zu Recht, denn die Jungs fackeln auf der Bühne nicht lange und sorgen für schweißtreibende Momente noch bevor die Hauptband, die Lostprophets, angefangen haben.

Die beiden Bands scheinen sich wirklich zu mögen. Anders ist es wohl nicht zu erklären, das The Blackout das Privileg zugestanden wird, so laut spielen zu dürfen, wie es eigentlich nur Hauptsacts vorbehalten ist. Auch wenn die Songs der jungen Waliser nicht so facettenreich sind wie die ihrer bekannteren Landsmänner, gehen sie schon als die "kleinen Lostprophets" durch.

Als der Hauptact um Sänger Ian Watkins um 21h die Bühne betritt, hat sich die ausverkaufte Live Music Hall schon auf Betriebstemperatur aufgewärmt. Bereits auf den ersten Blick fällt positiv auf, das Ian im Vergleich zu den letzten mageren Jahren ordentlich an Gewicht zugelegt hat und die Haare kurz trägt. Gut so, denn das eitle Haargezutzel auf Konzerten und auch in den Videos konnte bisweilen sehr nervig sein. Die ersten Töne verstärken diesen positiven Eindruck. Da stehen sechs Männer auf der Bühne, denen die Freude deutlich anzumerken ist. Also von “It’s Not the End Of the World But I Can See It From Here”, der Single des neuen Albums “The Betrayed”, noch nichts zu merken. Ganz im Gegenteil: Die Prophets haben einen sehr guten Tag erwischt, rocken was das Zeug hält und brennen bei "Burn, Burn" von "Start Something" ein wahres Feuerwerk ab.

Zwar scheint Ian krankheitsbedingt stimmlich nicht ganz auf der Höhe zu sein, aber das macht gar nichts, denn der Sound ist ansonsten phänomenal und außerdem ist auf Keyboarder Jamie Oliver Verlass, der seinen angeschlagenen Frontmann wie immer gesanglich perfekt ergänzt. Zur Freude des moshenden Publikums spielen die Prophets mit "Shinobi Vs. Dragon Ninja", "Last Train Home", "Rooftops" und "Where We Belong" eine energiegeladene Hit-Mixtur aus allen vier Alben.

Wer bei ihrer Gründung dachte, dass die Band lediglich auf den Emo-Zug nach Nirgendwo aufspringt, der wird spätestens in 2010 eines Besseren belehrt. Lostprophets touren nicht nur durch Europa sondern auch durch die USA und Australien. Der aktuelle Longplayer landete auf Platz 3 der UK-Charts. Das Vorgänger-Album erklomm sogar die Charts-Spitze. Die Lostprophets sind also längst etabliert und mittlerweile sogar dermaßen emanzipiert, das sie unter der Regie von Bassist Stuart Richardson das Album selbst produziert haben. An diesem Punkt schließt sich der Kreis, denn Stuart stieß zu der Band hinzu, als die Prophets ihr erstes Demo in jenem Studio aufnahmen, in dem er zu dem Zeitpunkt gearbeitet hatte.

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