Demons, Dragons & Warriors Tour 2007 Support: Holyhell, Rhapsody of Fire
Dortmund, Westfalenhalle – von weitem sehe ich den Merchandise-Truck von Manowar und weiß, dass ich hier richtig bin. Der Rubel rollt und dies auch schon vor Tourbeginn, als dieser Truck bereits in Bochum beim Videodreh zu „Die For Metal“ stand. Allerdings scheint es auch ein Abend der Give-aways zu werden: vor dem Einlass werden Promo-CD´s mit Videoclips der drei auftretenden Bands verteilt, an einem separatem Stand in der Halle werden alle „Warriors“, die mit Ausweis nachweisen können aus dem Ausland angereist zu sein, mit einem limitiertem Manowar Shirt belohnt. Eigentlich nett, auf diese Art nach 14 Monaten Tour-Vertröstung beschenkt zu werden. Und eigentlich versprach es nach mehr als diesem Jahr Vorfreude ein Abend der Extra-Klasse zu werden. Die vielen Lücken auf der Tribüne zeugten allerdings eher davon, dass nicht jeder glauben wollte, dass Manowar nach zwei Absagen es nun endlich schafften durch „fucking Germany“ zu touren...
Nun erst mal Bühne frei für Holyhell, die alleine schon wegen der attraktiven Frontfrau Maria Breon bei den Männern im Publikum punkten. Ich als Frau muss mich da schon eher von ihrem Gesang überzeugen lassen und dieser ist – live zumindest – nicht sehr prall. Piepsig trällert sie die eigenen Stücke wie „Apocalypse“ und „Last Vision“. Richtig durchgerockt werde ich lediglich bei zwei Coverstücken. „Phantom of the Opera“ (herrlich dramatisch) im Duett mit Eric Adams (Manowar) und Malmsteem´s „Rising Force“, wobei nicht nur die Musik gecovert ist, sondern auch Gitarrist Joe Stump ein Malmsteem Verschnitt ist. „Rising Force“ wird noch durch Pyro Effekte unterstützt – das begeistert das Kind im Manne, wie etliche Fans, die aufjohlen, beweisen. Gitarrist Nr. 2 Tom Hess hingegen erinnert an Rob Halford. Insgesamt ist die Live-Show ganz nett, aber bei weitem nicht herausragend. Die Midtempo-Songs sind für Holyhell nix, die Band sollte sich eher auf Double Bass Kracher konzentrieren und Maria von den hohen Oktaven runterkommen.
Dafür freue ich mich umso mehr auf Rhapsody; Verzeihung – Rhapsody of Fire. Mit dem Intro „Dark Secret“ und „Unholy Warcry“ legen die Italiener um Sänger Fabio Lione und Gitarrist Luca Turilli los, haben jedoch leider etwas Soundprobleme. Das Keyboard, welches für den Sound von Rhapsody of Fire ausschlaggebend ist, ist zu leise, Turilli mal sogar zu laut. Überwiegend geben die Italiener Stücke ihrer Erfolgsplatte „Symphony of Enchanted Lands Pt. 2“ zum Besten, so geht es auch mit „The Angels´ Last Call“ weiter. Feuerspeiende Drachenköpfe und Stichflammen um das Schlagzeug unterstützen die Show. Zum folkigen Touch des Songs „The Village of Dwarves“ erscheint eine Blondine mit einem Tamburin auf dem Podest der Bühne, um das Publikum anzufeuern.
Dass Fabio stimmlich in der oberen Liga mitspielt, stellt er bei „Land Of Immortal“ unter Beweis. Die italienische Ballade „Lamento Eroico“ hätte er sich jedoch sparen sollen – spätestens dort verliert er den größten Teil des Publikums, welches noch mit einem zweiten Folksong „Old Age of Wonders“ der aktuellen Scheibe bedient wird, bevor die Band in ihrem gut 1stündigem Set ihren Klassiker schlechthin anstimmt: „Emerald Sword“ endet leider in Manowar Rufen seitens des Publikums. So gnadenlos können die Zuschauer sein... Auch Rhapsody of Fire stehen wie Holyhell für eine Autogrammstunde zur Verfügung.
Die Spannung steigt während der Umbaupause zu Manowar. Die Drums werden enthüllt, überraschenderweise ist die Bühne spärlich in schwarz gehalten. Lediglich die Lichtschienen bewegen sich imposant in mehreren Positionen und Winkeln über der Bühne bevor die Kings of Metal aus den Vereinigten Staaten die Bühne betreten und ihre Bandhymne „Manowar“ anstimmen. Wer ohne Ohrschutz ist, dem fegt es schon bei den ersten Tönen das Trommelfell weg!
Das Publikum streckt der Band mal keine Devilhorns entgegen, sondern nimmt stolz die „Warrior-Pose“ ein. Eric kündigt selten live gespielte Stücke an, die Fans aus Internet-Foren live hören möchten und so folgen u. a. „Gloves Of Metal“, „Holy War“ und „Secret Of Steel“. Alle Achtung, dieses Set zieht mächtig, kaum sinnloses Geschwafele zwischen den Songs, sondern True Metal, bis... ja, bis Joey DeMaio sein Bass-Solo einläutet und das Mikro übernimmt, um das Publikum zu entertainen.
Zuerst mit seinen Deutschkenntnissen, die vom Bier zu Brüsten und Sex reichen, danach beweist er sich als Pfarrer und vermählt zwei Fans, die für die Zeremonie auf die Bühne geholt werden. Joey macht darauf aufmerksam, dass die Band an diesem Abend eine Goldauszeichnung für die „Gods Of War“ Platte erhalten hat und die Show für eine DVD mitgeschnitten wird. Aha... deshalb nun die vielen Kameramänner und die Leinwand, welche seit seinem Bass Solo in Funktion getreten ist. Trotzdem sackt das Publikum schon ein.... Joey muss sich das nächste Mal kürzer halten, wir wollen wieder Metal!! Zunächst holt Joey jedoch einen weiteren, jungen Fan (alles abgesprochen?) auf die Bühne, der sich als Gitarrengott beweisen kann und auf seine Nervosität mit Joey erst mal ein Bier zischt. Nach seinem Solo zockt er an der Gitarre mit der Band zwischen Joey und Karl zu „The Gods Made Heavy Metal“ weiter. Seine Gitarre scheint allerdings heruntergedreht worden zu sein, denn keine falschen Töne sollen den Sound von Manowar stören.... Im Hintergrund bewegen sich zwei junge Mädels zunächst noch verschüchtert zum Takt. Erst mal ein Bier in die Hand gedrückt und schon sieht das besser aus...
Zwei Songs zum mitgrölen: „Kings Of Metal“ und „Warriors Of The World United“ zu dem sich die Männer in den Armen liegen – bitte mehr davon, denn die zunächst eingeschlafene Stimmung während Joeys Einlagen ist wieder am Brodeln!! Das neue „Die For Metal“ und das gefauchte „Black Wind, Fire And Steel“ schließen den ersten – und besseren – Teil der Show ab, denn was nach der Umbaupause folgt, ist einfach nur noch langweilig und gleicht einem Musical.
Ein riesiges Wikingerschiff wird hochgezogen, auf der Leinwand flimmert ein „Kurz“-Film, welches mit einem langen Intro beginnend die Geschichte von Odin erzählt. Nach und nach stürmen Wikinger Komparsen das Schiff und die Bühne, nette Pyroeffekte machen einiges her, Kampfszenen ziehen sich allerdings in die Länge. Manowar erscheinen und performen die komplette zweite Hälfte der neuen Platte in ihrer Reihenfolge, wobei es da auch schon durch die Labertracks „The Blood Of Odin“ und „Glory Majesty Unity“ wieder Abzüge gibt. Viele Besucher verlassen bereits die Halle, Mitternacht ist schon längst verstrichen und die Show satte 135 Minuten lang als das Outro „The Crown And The Ring“ ertönt und uns erlöst.
Nach dem Konzert höre ich überwiegend negative Meinungen über den Zugabenteil zur „Gods Of War“ Platte. Zu lang, zu lächerlich, zu langweilig, zu wenig Manowar, zu wenig Zeit für richtige Hits – DVD Aufzeichnung hin oder her. Manchmal ist weniger Show eben doch mehr, Herr DeMaio...