Massive Attack

Tour 2009 - Support: Martina Topley Bird

23.10.2009 Palladium / Köln

Von: Diana Dolensky

Massive Attack Köln

Pünktlich zur Veröffentlichung der neuen EP "Splitting The Atom" sind Massive Attack, die britischen Könige des Trip Hop, auf Tour in Deutschland. Ins ausverkaufte Palladium nach Köln ziehen die Jungs aus Bristol nicht nur jüngeres Publikum. Wie es sich für eine Band, die in den 80ern gegründet wurde gehört, sind heute auch die Urgesteine in der Fangemeinde anwesend.

Bevor jedoch der Mainact erwartet werden darf, wird dem altersbunten Publikum die Wartezeit von Martina Topley Bird versüßt. Die schöne Britin arbeitete unter anderem schon als Gastsängerin mit den Gorillaz zusammen. Ihre klare Stimme gepaart mit Xylophonklängen, Windgeräuschen, Keyboardakustik, Gitarre oder Schlagzeug verleiht der Kölner Lokation schon mal ein gewisses Knistern. Der bis auf die Augen schwarz vermummte Ninja-ähnlich verkleidete Mensch an den Akustikgeräten, verleiht ihrem Auftritt jedoch ein eher düsteres Karma, sodass wohl jeder im Saal grübelt welche Bedeutung hinter seiner Kleidung stecken mag.

Die Pause zieht sich ewig und das bis zum Bersten gefüllte Palladium wird so unruhig, dass Pfiffe nicht ausbleiben. Gegen 21.25 Uhr bequemen sich die verbliebenen Gründungsmitglieder, Robert Del Naja alias "3D" und Grantley Marshall alias "Daddy G" von Massive Attack dann auf die Bühne. Und es geht gleich geladen zur Sache. Die unverkennbaren Stimmen von Robert und Grantley gemischt mit verzerrten elektronischen Klängen verhallen im Raum und bringen die Menge zum Jubeln. Das Headbanging bekommen die beiden aber noch nicht in Gang. Im Hintergrund zeigt eine monströs große LED-Wand runterrasselnde Zahlencodes, die an "Matrix" erinnern. Je schneller der Beat, desto schneller rasen die Zahlen. Im Laufe der Show wechseln sich Lichteffekte mit sogar deutschen Sprüchen wie "Paris Hilton findet sich schlau" ab oder es erscheinen Zitate von Robert Frost oder Malcom X. Massive Attack sind ja bekanntlich gegen kriegerisches Vorgehen und so rütteln sie auch mit ernsten Worten, die mit dem Thema Krieg zusammenhängen oder mit dem Tod zu tun haben, ihre Fans auf.

Im Laufe des Abends wird noch dazu Unterstützung von Reggae-Legende Horace Andy bei "Spying Glass" oder "Man Next Door" aufgefahren. Er gibt dem Highlight des heutigen Abends "Angel" mit seiner genialen Stimme das i-Tüpfelchen und verwandelt die Halle in einen Hexenkessel. Auch die Sängerin Martina Topley Bird aus dem Vorprogramm wird auf die Bühne gebeten, wenn eine zarte Stimmeinlage gefragt ist. Elizabeth Fraser kann sie bei "Teardrop" jedoch nicht ersetzen. Die Fans mögen es trotzdem und wippen im Takt. Zu den starken elektrischen Beats sind einige wie in Trance.

Der Massive Attack-Sound ist schon eine Klasse für sich. Hier wird viel Wert auf eine von Computern und Samplern unterstützte Produktion gelegt. Mal weiche und beschauliche Elektronik-Combos mit zarten Gesangsparts zum Entspannen, dann wieder harte düstere Klänge mit tiefen Subbässen und Synthieflächen im Hintergrund. Die bedrohlichen Keyboardsounds und harten Beats hören sich nach einer Weile jedoch relativ gleich an. Ohne die wenigen altbekannten Hits die heute gespielt werden, wären die knapp 75 Minuten inklusive Zugaben wohl nicht so schnell vorübergegangen.

Wem es heute nicht geglückt ist, eine der heiß begehrten Karten zu ergattern, kann sich auf das fünfte Studioalbum freuen. Jedoch lassen die Jungs aus Bristol damit noch etwas auf sich warten.

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