Mastodon

Tour 2011

06.06.2011 Grünspan / Hamburg

Von: Jonas Bielenberg

Mastodon Hamburg

Es ist die Vorankündigung auf das anstehende Konzert am Abend. Montag am frühen Nachmittag ziehen dunkle Gewitterwolken auf und kurz darauf steht ganz Hamburg unter Wasser. Die Feuerwehr ist überfordert, ganze Einkaufspassagen in der Innenstadt sind geflutet. Mich packt der Unmut, bei dem Wetter überhaupt nochmal das Haus zu verlassen und mich dem Regen zu stellen. Leider bleibt mir keine Wahl, immerhin spielen Mastodon. Und dann, kurz bevor ich mich auf den Weg mache, öffnen sich die Wolken und die Sonne kommt heraus. Ab geht’s mit der Bahn zum Grünspan, eine meiner Lieblingslocations für größere Konzerte.

Als ich mit unserem Fotografen den Laden betrete sieht es eher aus, als kämen wir zu früh. Ohne Probleme kommen wir direkt nach vorne. Wider meiner Erwartungen laufen hier nicht alle mit schwarzen langen Haaren und Metal-Shirts herum. Das Publikum wirkt sehr ausgewogen, bunt gemischt, wobei auffallend wenige Frauen zu sehen sind. Auf der Bühne wird gerade umgebaut. Erneut muss ich mich damit abfinden, dass ich die Vorband (Burden) verpasst habe, aber es ist auch schon fast 21:00 Uhr. Auf der Bühne befindet sich links und rechts eine riesige Wand aus Verstärkerboxen. Klar ist also schon einmal: Es wird laut! Hinter dem weiß gepunkteten Schlagzeug hängt das riesige Banner, das auf dem letzten Studio Album von Mastodon "Crack The Sky" abgebildet war. Während der Umbaupause läuft das Album von Middle Class Rut, übertönt von den Gitarrenchecks der Roadies.

Als dann endlich das Licht ausgeht warten alle gespannt, die Musik geht aus und der erste Applaus ertönt. Auf der Bühne passiert allerdings nichts. Alle warten, dann geht die Musik wieder an und erneut erscheinen die Roadies auf der Bühne um Gitarren zu stimmen. Dann endlich kommt die Band. Unspektakulär betreten sie die Bühne, schnallen ihre Instrumente um und los geht es.

"Iron Tusk" ertönt. Der Sound muss noch weiter ausgepegelt werden und irgendwie kommt kein Ton aus der Gitarre von Bill Kelliher. Das Problem ist jedoch schnell behoben und das Gewitter des Nachmittags geht im Grünspan weiter. Lebendig bewegt sich Hauptsänger und Bassist Troy Sanders auf der Bühne hin und her, zu seiner Linken und Rechten wirken die Gitarristen recht steif, müssen erst warm werden. Das eher sperrige Publikum nickt zu den wirren verzwickten Taktwechseln. Am Ende jedes Songs gibt es brav Applaus aus dem Publikum. Von Pogen will hier scheinbar keiner etwas wissen, vielleicht liegt das auch daran, dass die Luft so feucht ist, dass der Schweiß rinnt, ohne dass man sich bewegt. Die Luft drückt mehr als der Bass es tut, denn der geht das gesamte Konzert lang unter.

Beim vierten Song "Mother Puncher" kommen dann endlich auch die Gitarristen in Bewegung. Übelst böser Gesang ertönt aus Brent Hinds, der anfangs noch sehr zurückhaltend war. Jetzt gibt es jedoch kein Halten mehr. Auch er wird zum Poser. Als unser Fotograf aus dem Graben zurückkehrt und wir einen kurzen Wortwechsel versuchen, wird mir erst klar, wie unglaublich laut es ist. Man kann annähernd nichts verstehen, was der Gegenüber brüllt.

Mit der Zeit wird es vor der Bühne leerer. Es scheint einfach zu laut. Mir fällt es schwer, die Songs ansatzweise auseinander zu halten. Alles klingt gut und ist auch wahnsinnig gut gespielt, aber es ist eben Mathcore und somit eine auf Dauer eher anstrengende Musik. So flüchte ich mich mit leicht schlechtem Gewissen in den Raucherbereich. Selbst hier ist es noch ohrenbetäubend laut. Seltsamerweise ist es auf dem Weg nach hinten auffallend leer, im Foyer ist niemand, die Toiletten sind leer, wo sind die Leute? Scheinbar ist es nicht nur mir zu laut.

Um 22:30 Uhr ist dann der letzte Song vorbei und die Band verlässt, ohne auch nur ein Wort ans Publikum gerichtet zu haben, die Bühne. Sofort beginnen die Leute, die noch anwesend sind, nach einer Zugabe zu verlangen, wie selbstverständlich warten wir, dass die Band zurückkommt. Fünf Minuten später geht dann aber plötzlich das Licht an und wenige Momente später fordert uns die Security auf, uns von der Bühne zu entfernen. Etwas verwirrt und verärgert verlassen die Gäste den Laden. Zwei Minuten später ist das Grünspan annähernd leer, nur vor dem Merch-Stand tummeln sich die Leute noch, um die leider völlig überteuerten Bandshirts zu kaufen. Mit gemischten Gefühlen verlassen auch wir das Grünspan. Eins steht aber fest: Mastodon sind krass!

Setlist:

Iron Tusk
March Of The Fire Ants
Behemoth
Mother Puncher
Circle Of Cysquatch
Aqua Dementia
Crack The Sky
Ghost Of Karelia
Sleeping Giant
Wolf Is Loose
Crystal Skull
I Am Ahab
Seabeast
Capillarian Crest
Bladecatcher
Colony Of Birchmen
Megalodon
Blood And Thunder

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