Summer Open Air 2005 Support: Valentine
Vorurteilsbeladene Ignoranz oder bedingungslose Anbetung. Das sind die beiden Extreme, mit denen der gemeine Mitmensch Meat Loaf entgegen tritt. Zugegeben, mit seiner Körperfülle und der Wahl seines Künstlernamens ist der Fleischklops nicht ganz unschuldig an dem gängigen, oberflächlichen Bild des einfach nur Dicken und seine Musik ist zu vielschichtig, um sie einfach nebenbei laufen zu lassen. Folglich spiegeln so „enthusiastische“ Reaktionen des Umfeldes, nachdem sie vom anstehenden Besuch des Meat Loaf Konzertes erfahren haben, mit Statements wie „Meat Loaf – findste den gut?“, den einen Teil der Musikinteressierten wieder. Seine Bewunderer sprechen jedoch von „Gigant-Rock“
Zunächst steht jedoch das Vorprogramm mit der Sängerin und Songwriterin Valentine an. Diese hat gerade ihr Debütalbum Ocean full of tears veröffentlicht und ist in der vergangenen Woche auch bei TV Total zu sehen gewesen. Gut gefallen hat mir unter anderem auch ihre erste Singleauskopplung Feel so bad. Unterm Strich ein guter Auftritt der noch etwas schüchtern wirkenden, 16-jährigen (!) Berlinerin, der mit entsprechendem Applaus bedacht wurde.
Eine gute halbe Stunde später kommt dann aber so richtig Druck hinter die Sache. Im Hintergrund ist eine riesige orangefarbene Fledermaus, quasi das Wappentier des gebürtigen Texaners, zu sehen und Meat Loaf schickt als Vorhut 4 Gitarristen und einen Schlagzeuger auf die Bühne, um kurz darauf von seinen beiden Sängerinnen begleitet die Bühne zu betreten. Das Klangvolumen, welches Meat Loaf mit seiner Band erzeugt, ist enorm.
Beim zweiten Song des Abends Life is a lemon legt der Meister nun auch das erste Mal selber Hand an und spielt Gitarre. Die Stimmung ist bereits hier fantastisch.
Der für seine Powerauftritte bekannte Sänger gibt richtig Gas und ohne jede Pause reihen sich die Songs aneinander. Würde Meat Loaf Kilometergeld erhalten, so wäre er nach diesem Abend ein reicher Mann. Nicht ohne Stolz behauptet er von sich, einer der wenigen Künstler zu sein, die es nach einem Auftritt gerade noch bis ins Hotelzimmer schaffen.
Das erste Duett mit Patti Russo wird bei Dead ringer for love geliefert. Die beiden Stimmen ergänzen sich hervorragend und der Song wird nicht nebeneinander her gesungen, sondern gemeinsam vorgetragen.
Bei You took the words lässt sich Meat Loaf vom Publikum unterstützen und den Refrain singen. Der Chor ist anfangs noch ein wenig leise, doch die auffordernde Gestik des Sängers lässt ihn imposant anschwellen.
Persönliches Highlight ist die gefühlte 10-Minuten-Version von Paradise. Auch hier ist das Duo Patti Russo - Marvin Lee Aday (Meat Loaf´s bürgerlicher Name) in Galaform und der Song wird singend geschauspielert.
Nach eineinhalb Stunden ist nach der Zugabe Mercury Blues ist das Konzert leider vorbei. Die eingangs gestellte Frage zu Meat Loaf wird jeder, der ihn einmal live gesehen hat mit einem klaren „Ja, natürlich“ beantworten. Der Mann hat die gesamte Konzertdauer über Vollgas gegeben und dürfte seinem Ziel, erschöpft im Hotel anzukommen sehr nahe gekommen sein. Der Auftritt wird als Gesamtwerk vorgetragen und die Ursprünge aus dem Musical machen das ganze schon sehr einzigartig. Leider hat er sich aus dieser Zeit, in der er unter anderem in Hair und The Rocky Horror Picure Show auftrat, den gänzlichen Verzicht auf eine Publikumsansprache beibehalten. Meat Loaf singt, rennt, schauspielert und beeindruckt aber ansonsten mit seinem ganzen Auftritt. Für den Herbst dieses Jahres hat er in einem Interview bereits den seit längerem herbei gesehnten dritten Teil von Bat out of hell angekündigt. Der erste Teil von 1977 gehört im Übrigen nicht umsonst zu den fünf meistverkauften Alben aller Zeiten. Eine Tour in 2006 ist ebenfalls angedacht, dann vielleicht sogar mit seiner ebenfalls singenden Tochter Pearl. Dann haben die Zweifler noch einmal die Gelegenheit, sich eines besseren belehren zu lassen...