Melt! Festival

Melt! Festival - 16.-18.07.2010 - mit Bonaparte, Two Door Cinema Club, Tocotronic, The XX, Foals, Blood Red Shoes, Jamie T, Miike Snow, Futureheads, Kings Of Convenience, Get Well Soon, Broken Bells, Massive Attack u.v.m.

16.07.2010 Ferropolis 'Stadt aus Eisen' / Gräfenhainichen

Von: Jessica Franke

Melt! Festival Gräfenhainichen

Wer denkt bei Ferropolis ("Stadt aus Eisen") eigentlich noch an einen Tagebau? Heute handelt es sich bei der auf einer Halbinsel östlich von Dessau gelegenen Örtlichkeit lediglich noch um ein Museum und, wohl eher bekannt, einen Veranstaltungsort. Zahlreiche Konzerte und Festivals finden hier Jahr für Jahr statt. Ebenso das legendäre Melt! Festival, welches seit 1999 seinen Platz hier gefunden hat und sich fortan immer größerer Beliebtheit erfreuen konnte. Genau wie 2009 ist das Melt! auch in diesem Jahr schon Wochen vorher ausverkauft. Das zweite Mal in der 13-jährigen Geschichte! Schon längst gilt das Festival auch im Ausland als Geheimtipp. Sowohl in den Jahren 2008 als auch 2009 sind zahlreiche Musikbegeisterte, besonders aus dem Vereinten Königreich und Skandinavien, angereist. Und beim Melt! Festival 2010 sind unter den 20.000 Besuchern schließlich schon 30% aus dem Ausland zu verzeichnen. Damit hat das Festival wohl eindeutig an Internationalität gewonnen.

Sehr bedacht darauf das Festival immer umweltfreundlicher zu gestalten, hat sich die Melt Crew dieses Jahr ein innovatives und exklusives Reiseangebot ausgedacht: Neben der Anreise mit dem Auto oder dem Bus rollt erstmalig der sogenannte Melt! Hotelzug an und transportiert so um die 600 Partyhungrige direkt auf den Campingplatz des Festivals. Gestartet wurde in Köln, Halt gemacht wurde unter anderem in Dortmund, Hannover und Magdeburg. Bis zu sechs Schlafplätze bieten die komfortablen Schlafabteile und erlösen einen regelrecht von der lästigen Schlepperei und dem Aufbauen des Zeltes sowie unbequemen Nächten, weil die Luftmatratze irgendwo ein Loch birgt. Hier und da hapert es noch ein wenig an der Organisation, aber das Grundkonzept funktioniert fantastisch und man darf sich auf nächstes Jahr freuen, wenn es sogar einen zweiten Zug geben wird.

Der Festivalgott meint es an diesem Wochenende mit den Besuchern sehr gut, am Freitag vielleicht sogar zu gut. Stolze 35 °C zeigt das Quecksilber an und treibt einen beim bloßen Gedanken daran erneut den Schweiß auf die Stirn. Geradezu prädestiniert erscheint also eine Abkühlung im See, was auch von vielen wahrgenommen wird. Besonders appetitlich scheint die braune Plörre ja nicht gerade, aber abschrecken lässt sich hier keiner. Zu groß ist das Bedürfnis nach Abkühlung und einer Runde Wasserball. Der Blick von der Badestelle zum Festivalgelände ist atemberaubend und die zusätzlichen Klänge des Soundchecks, die an der Badestelle ankommen, steigern die Vorfreude auf fantastische Bands und DJ-Sets.

Das Festivalgelände bietet ein außerordentliches Ambiente, welches sich vor allem Nachts wirklich sehen lassen kann. Die Live-Acts spielen im "Freiluftmuseum für Braunkohletagebau". Im Zentrum von "Ferropolis" öffnet sich eine Arena, die an ein römisches Amphitheater erinnert, eingerahmt von imposanten Relikten aus dem Braunkohletagebau: Fünf Bagger und Absetzer, 40 Meter hoch und bis zu 130 Meter lang, säumen das Festivalgelände. Insgesamt befinden sich fünf Bühnen auf dem Festivalgelände und auch in der Orangerie sorgen von Zeit zu Zeit einige DJs für ordentlich Stimmung. Vor dem Gelände befindet sich der Sleepless Floor. Für diejenigen, die vom Feiern nicht genug bekommen können, sind hier die Tore ganze 24 Stunden geöffnet.

Nur schwer kann man sich am Freitag bei der prallen Sonne aufraffen, um sich zum Festivalgelände zu schleppen. Und so ist der Platz vor der Converse Main Stage bei Midlake (16:30-17:30) noch nicht wirklich gefüllt. Die Zuschauer, die es dennoch geschafft haben, den Auftakt des Festivals zu besuchen, suchen Schutz vor der Sonne. Jedes noch so kleine Schattenplätzchen wird bis auf´s Letzte ausgenutzt. Auf der Big Wheel Stage sorgt derweilen Oliver Koletzki mit seinem DJ-Set schon mal für ordentlich Stimmung, so leer sollte ich den Platz jedoch an diesem Wochenende nicht mehr vorfinden. Zu Bonaparte (18:00-19:00) sieht es an der Converse Main Stage schon ganz anders aus. Zahlreiche Festivalbesucher finden sich mittlerweile vor der Bühne ein, um sich von dem bunten Treiben anstecken zu lassen. Konsequent ziehen die Jungs auch bei dieser Hitze ihre abgedrehte Bühnenshow durch, die eher an ein Cabaret oder Theater erinnert. Sowohl sie selbst als auch ihre Darsteller zwängen sich unter Masken und Kostüme: Weiße Gewänder, Pferde- und Computermasken sowie der in schwarz gekleidete Tod selbst treffen hier aufeinander und sorgen für einen hohen Unterhaltungsfaktor, da rückt die Musik schon fast in den Hintergrund. Mit ihren luftigen Melodien und süßer Melancholie passen die sympathischen Schweden von Shout Out Louds (19:30-20:30) ganz wunderbar zu dem sommerlichen Abend. Die harmonischen Songs sorgen für eine ausgelassene Atmosphäre auf dem mittlerweile gut gefüllten Platz vor der Converse Main Stage und regen sowohl zum kollektiven Tanzen als auch zum Mitsingen an. Als die jungen Briten von Two Door Cinema Club (20:30-21:30) die Bench Gemini Stage betreten, gibt in der Menge kein Halten mehr. Sowohl der Platz vor der Bühne als auch die Stufen sind proppevoll und durch den enormen Tanzdrang wird zusätzlich zu der Außentemperatur eine Hitze erzeugt, die einem den Schweiß nur so runter tropfen lässt. Den tanzbaren Indie-Dance-Songs des Trios kann sich wirklich niemand entziehen, bis in die hintersten Reihen wird enthusiastisch getanzt und mitgesungen. In der Abenddämmerung betreten schließlich die Pioniere von Tocotronic (21:00-22:00) die Converse Main Stage und beweisen einmal mehr, dass sie für nichts anderes gemacht sind, als auf der Bühne zu stehen. Mit ihrer abwechslungsreichen Setlist begeistern sie die zuhauf erschienenen Fans. Stets kommunizieren sie mit dem Publikum, bedanken sich bei diesem und erfreuen sich an der untergehenden Sonne, wodurch die Temperaturen endlich etwas erträglicher werden.

Die Sonne ist schließlich einem sternenklaren Himmel gewichen, aus den Baggern sind mittlerweile gigantische Lichtarragements geworden, durch deren Anblick der ganze Körper mit einer Gänsehaut überzogen wird. Passend zu diesem Ambiente drehen Delphic (22:00-23:00) mit ihrer Lichtshow und einem glasklaren Sound auf der Bench Gemini Stage auf, wodurch sie die Menge in einen Zustand der Leidenschaft versetzen, in dem man sich voll und ganz dem Synthi-Electro-Pop hingibt. Kaum ein Durchkommen gibt es mehr auf dem überschaubaren Platz oder auf den Stufen. Jeder versucht sich seinen Platz zu sichern, um was von der energiegeladenen Show zu erhaschen. Derweilen vergnügt sich Shed auf der Big Wheel Stage und sorgt bei vollem "Haus" mit seinem DJ-Set für Begeisterung. Aber auch Black Rose kann sich über einen mehr als gut gefüllten Desperados Beach erfreuen. Es gibt keinen Ort auf dem gesamten Festivalgelände, auf dem keine so ausgelassene und entspannte Stimmung herrscht. Diejenigen, die sich eine Auszeit von den zahlreichen Konzerten und DJ-Sets gönnen wollen, begeben sich zu einer der zahlreichen Fressbuden oder entspannen sich Shisha rauchend in einer der Freiluft-Lounges. Von Ruhe ist auf dem Platz vor der Bench Gemini Stage keine Spur, als Groove Armada (23:15-00:15) die Bühne betreten und mit ihrer Mischung aus Disco, Funk und House das Zelt zum Beben bringen. Unter klarem Himmel und atemberaubenden Lichtspielen über dem Festivalgelände, wird es nun auf der Converse Main Stage magisch minimalistisch: Nach einer unermüdlichen Tour durch die ganze Welt verzücken die sympathischen Briten von The XX (ca. 00:10-01:10, Converse Main Stage) das Melt! 2010 und hinterlassen mit ihrem herzzerreißenden hingehauchten Gesang überall auf dem äußerst gut gefüllten Platz gerührte Menschen. Unwiderstehlich zupft Romy Croft ihre Gitarre, Oliver Sims Bassläufe treffen Herz und Magen der Zuschauer. Wie elektrisiert wird zu ihrem minimalen Sound getanzt und gewippt, sogar Wunderkerzen werden angezündet. Dieser Atmosphäre kann man sich nicht entziehen, das geht direkt unter die Haut.

Absolut headlinerwürdig erweisen sich an diesem Abend Foals (ca. 01:40-02:40, Converse Main Stage), die es durchaus verstehen, auf der Bühne ordentlich Gas zu geben und ihrem Ruf als eine der besten Livebands alle Ehre zu machen. Neben den Krachern der ersten Scheiben, arrangieren sich ebenso die Songs des neuen Albums ganz hervorragend mit dem Ambiente und lassen beim Publikum wohl kaum noch Wünsche offen. Um die Nacht ausklingen zu lassen, gibt es hier mehr als genug Möglichkeiten. Während auf der Converse Main Stage Booka Shade ihr Set zum Besten geben, hat man noch die Wahl zwischen Danger auf der Bench Gemini oder Roman Flügel auf der Big Wheel Stage sowie 1000 Robota im Introzelt und Kode 9 (vs Martyn) am Desperados Beach. Geschafft von der Anreise und vor allem von der Hitze spazieren doch einige Festivalbesucher lieber Richtung Bett, immerhin warten auch am Samstag noch so einige Highlights. Anstatt den Shuttlebus zum Campinggelände zu nehmen, lohnt sich der Weg zu Fuß allemal. Es ist nach wie vor angenehm warm und der Blick in der Nacht auf das gigantisch beleuchtete Festivalgelände lässt das Herz noch einmal höher schlagen.

Der Samstagmorgen bringt die ersehnte Erfrischung: Regen! Das große Unwetter zieht allerdings um die 5 km am Melt vorbei. Bereits am Nachmittag zeigt die Sonne sich erneut von ihrer besten Seite und sorgt fortan wieder für ein bisschen Urlaubsfeeling. Namentlich passend zu den hochsommerlichen Temperaturen machen den Auftakt auf der Bench Gemini Stage an diesem Tag Jamaica (17:30-18:15), das sympathische Duo aus Frankreich, die mit ihren fröhlichen Indie-Pop-Songs ein wenig an Phoenix erinnern und die erschienenen Zuschauer ohne große Mühe zum Tanzen animieren können. Eine Band, die man im Auge behalten sollte, mit Sicherheit konnten sie nach diesem Auftritt so manch einen Fan für sich gewinnen. Im Anschluss gibt es noch ein wenig die Jungs von Holy Ghost (18:45-19:30) auf die Ohren bis es schließlich zu den Blood Red Shoes (19:00-20:00) auf der Converse Main Stage geht. Der Platz ist sehr gut gefüllt und die beiden verstehen es immer wieder auf ein Neues, ordentlich Gas zu geben. Dabei geht es ihnen nicht unbedingt um eine großartige Bühnenshow, wie sie selbst in einem Interview erklärten, vielmehr soll das Publikum zum Rocken animiert werden. Und das schaffen sie alleine dadurch, dass der satte Gitarrensound und das wummernde Schlagzeug stets so klingen als seien mindestens fünf Personen auf der Bühne. Nicht nur bei den Hits wie "I Wish I Was Someone Better" wird fleißig mitgesungen, auch die Songs der neuen Platte werden textsicher begleitet. Pünktlich zu Hurts (20:00-20:30, Bench Gemini Stage) hat es dann wohl auch den letzten Festivalbesucher aus seinem Zelt gelockt. Die zahlreich erschienenen Fans feiern ausgelassen zu den melodiösen Synthi-Pop-Songs der Briten und belohnen sie mit enthusiastischem Applaus. Ein Abstecher ins Intro Zelt beweist auf ein Neues, dass Zweipersonenbands mindestens genau so rocken wie größer bestückte, und zudem auch noch, dass hier neben dem zahlreichen DJ-Angebot ebenso melodiöser Indie-Pop-Rock sehr gefragt ist. Mit vorwärtstreibenden Songs bringen die australischen An Horse (19:45-20:30) das Zelt zum Tanzen und Mitsingen. Äußerst sympathisches Duo, die sich mit Sicherheit noch eine größere Fangemeinde erspielen und auf größeren Bühnen zu sehen sein werden.

Der Weg zurück zur Bench Gemini Stage führt an der Converse Main Stage vorbei, auf der sich Dendemann (20:30-21:30) breit gemacht hat und dem Publikum mit seinem Rap ordentlich einheizt. Nicht nur der Platz vor der Bühne ist bereits proppevoll, auch auf den Stufen sammeln sich mittlerweile zahlreiche Besucher, um etwas von dem Treiben des Rappers zu erhaschen. Fast schon Hysterie kommt auf, als die englische Indie-Dance-Pop-Band Friendly Fires (ca. 21:00-22:00) nach einigen technischen Problemen die Bench Gemini Stage betreten. Die Dynamik des sympathischen Quartetts überträgt sich auf das gesamte Publikum. Niemand kann sich der energiegeladenen Show entziehen, das Zelt bebt regelrecht. Noch völlig euphorisch von diesem fantastischen Auftritt begibt man sich zurück ins Intro Zelt, in dem sich nun The Big Pink (22:15-23:15) ankündigen. Leider ist der Sound alles andere als gut, trotzdem herrscht im Zelt eine ausgelassene Feierstimmung und es wird enthusiastisch getanzt sowie mitgesungen. Übermäßig voll ist es zu der Zeit nicht, dafür ist die Konkurrenz mit Jamie T (22:00-23:00) auf der Converse Main Stage und Miike Snow (22:15-23:00) auf der Bench Gemini Stage dann wohl doch zu groß. Die Jungs und die Schlagzeugerin lassen es aber dennoch ordentlich krachen und machen es einem schwer, die Füße still zu halten. Äußerst tanzbar bleibt es auch im Anschluss mit den Futureheads (23:45-00:45), die glücklicherweise durch den Ausfall von Dirty Projectors auf diese späte Stunde verschoben wurden. Das Quartett aus London fühlt sich auf der Bühne sichtlich wohl und überträgt diese Leidenschaft gekonnt auf die Zuschauer. Stets kommunizieren sie mit ihren Fans, beziehen diese regelrecht in ihre Show ein und animieren sie sowohl zum Klatschen als auch zum Mitsingen und Tanzen. Mit Die Sterne (ca. 01:00-02:00, Intro Zelt), die Hamburger Band, die sich in dieser Formation bereits 1992 gründete, endet der "Indie"-Abend schließlich. Auf den restlichen Bühnen haben sich schon längst die DJs mit ihren Sets breit gemacht, die Festivalmeute sich schon längst in noch mehr Feierstimmung getanzt. Nachdem DJ Shadow der Meute bereits auf der Converse Main Stage ordentlich eingeheizt hat, darf man schließlich die Legende Chris Cunnngham begrüßen. Der britische Regisseur, der vor allem für seine Musikvideos bekannt ist, darunter unter anderem von Portishead, Björk und The Horrors, ist mit einem legendären DJ-Set angereist und versteht es hervorragend, den äußerst gut gefüllten Platz vor der Main Stage zum Beben zu bringen. Dafür wird er schließlich mit enthusiastischem Applaus belohnt. Wer sich jetzt schon ordentlich in Fahrt getanzt hat, bleibt am besten gleich hier, denn das Berliner Duo Moderat steht nun auf dem Plan und hat ganz offensichtlich nur ein Ziel: Das Festivalpublikum ordentlich anzutreiben. Und diese Aufgabe erfüllen sie mit Bravour! Wer nach wie vor noch nicht genug hat, dem sei an der Stelle geraten, sich auf der Bench Gemini Stage das restliche Set von A-Trak zu geben, bis schließlich der international tätige DJ und Musikproduzent Tiga an den Tellern dreht. Noch um 6 Uhr morgens ist der Platz vor der kleinen Bühne gut gefüllt. Es wird ausgelassen der aufgehenden Sonne entgegengetanzt als wäre diese nie weg gewesen. Um 7 Uhr endet schließlich das Set des Kanadiers, und wer nun meint, nach Hause gehen zu müssen, liegt absolut falsch. Der Sleepless Floor ist selbstverständlich noch voll dabei und bietet neben Monika Kruse und Luna City Express noch weitere DJs bis schließlich die Tore des Festivalgeländes erneut öffnen.

Nahezu ausgeschlafen und frisch geduscht startet der letzte Festivaltag mit vergleichsweise zu den vorigen Tagen milden Temperaturen um die 25 °C. Nach zwei energiegeladenen Tagen verspricht das heutige Line-Up einen durchaus ruhigeren, aber dennoch mindestens genauso wundervollen Tag. Sowohl die Big Wheel Stage als auch Desperados Beach haben bereits ihre Koffer gepackt und auch auf den übrigen Bühnen ist die Bandauswahl durchaus entspannter ausgefallen. Den Auftakt des letzten Tages machen für mich Kings Of Convenience (16:00-17:30, Bench Gemini Stage), die es tatsächlich schaffen sowohl den Platz vor der Bühne als auch die Stufen restlos zu füllen und eine durchweg ausgelassene Atmosphäre zu schaffen. Mit ihrer sympathischen Art spielen sich die Norweger direkt in die Herzen der Zuschauer und beweisen, dass harmonierende Stimmen sowie wunderschön gezupfte Melodien ebenso auf große Zustimmung treffen wie die tanzbaren Sets der Tage zuvor. Immer wieder kommunizieren sie mit dem Publikum und erzeugen ein Gefühl, dass man sich wie unter Freunden fühlt. Ganze eineinhalb Stunden haben die Kings Of Convenience Zeit ihre Songs zu präsentieren und werden vom Publikum mit einem Applaus belohnt, der sich über das gesamte Festivalgelände erstreckt und für eine Gänsehaut sorgt. Ein durchweg gelungener Auftritt, der den Tag so richtig gut starten lässt. Nachdem das Duo um Johnossi (ca. 17:30-18:00) den gut gefüllten Platz vor der Converse Main Stage mit ihrem vorwärtstreibenden Indierock zum ausgelassenen Tanzen und Mitsingen veranlasst hat, geht es im Anschluss mit Get Well Soon (18:30-19:30) und Broken Bells (20:00-21:00) ein wenig gesitteter zu, was durchaus nicht bedeuten soll, dass die Stimmung weniger gut ist. Der Platz ist bei beiden gut gefüllt und eifrig wird zu den Songs kollektiv mitgewippt. Zwischendurch verirre ich mich ins Intro Zelt zu Fucked Up (20:30-21:30) und frage mich, ob hier eine Fehlbuchung stattgefunden hat. Musikalisch so gar nicht in das Gesamtkonzept passend, lässt sich das Hardcore Punk Quintett aus Ohio nicht irritieren und liefert vor überschaubarem Publikum eine energiegeladene Show ab, die Sänger Concentration Camp aka Gulag (Josh Zucker) in der Menge verbringt, sich von Zeit zu Zeit in den Moshpit integriert und den ein oder anderen Zuschauer persönlich ansingt, pardon, anschreit. Energiegeladen geht es auf der Converse Main Stage weiter, denn das britische Duo Goldfrapp (21:30-22:30) steht auf dem Plan. In ihrem ausgefallenen Outfit singt Alison Goldfrapp das Publikum in Ekstase und wird dafür von diesem mit tosendem Beifall belohnt.

Mit Massive Attack (23:00-00:30) als letzten Headliner auf der Converse Main Stage hat das Melt! wirklich alle Karten ausgespielt. Und wenn man bedenkt, dass sich die britische Trip-Hop-Band aus Bristol schon vor sage und schreibe 20 Jahren gründete, wundert es wohl kaum, dass der Platz mehr als gut gefüllt ist. Sowohl als brillanter Live-Act als auch als politisch stark engagierte Band hat sich Massive Attack in den vergangenen Jahrzehnten einen klangvollen Namen machen können. Und spätestens als die Show beginnt, wird dieses sofort deutlich. Neben den Musikern der Band hat das Duo Martina Topley-Bird sowie Horace Andy den Reggae-Sänger mit der Samtstimme dabei. Im Rücken der Band erwacht eine monströse LED-Wand zum Leben. Permanent und vor allem in deutscher Sprache werden fortan Datensätze, Informationen über die Tour, Wetterberichte, Statistiken über alles und nichts, Fragen zu Krieg und Frieden und andere Fakten aufgerufen, die im Takt der Songs auf den Zuschauer regelrecht einprasseln. Im Zusammenspiel von Leinwand, Lichtshow und Musik ergeben sich elektrisierende Momente, die durch das Lichtarragement der Stahlgiganten des Festivalgeländes noch einmal untermauert werden und über den gesamten Körper eine Gänsehaut ziehen. Die Fans bewegen sich kollektiv zur Musik und scheinen allesamt wie verzaubert. Ich könnte mir keinen besseren Headliner vorstellen. Schließlich sind es diese herausragenden Momente, die man mit nach Hause nimmt und die einen stets beim bloßen Gedanken daran erneut ins Träumen versetzen. Was für ein atemberaubender Auftritt.

Leider sind die Reisenden des Melt! Hotelzuges dazu gezwungen, pünktlich zu Beginn von WhoMadeWho im Intro Zelt und Crookers auf der Bench Gemini Stage die Heimreise anzutreten. An der Stelle ist zu hoffen, dass sich das im nächsten Jahr anders organisieren lässt. In jeden Fall ist man zumindest froh, dass man sich das Abbauen des Zeltes sparen und die Heimfahrt sinnvoll mit Schlafen nutzen kann. Abschließend lässt sich nur noch festhalten, dass es ein wundervolles Wochenende gewesen ist, mit tollen Bands und DJs sowie einem noch tolleren Publikum. So friedlich und ausgelassen habe ich ein Festival selten erlebt. Der Polizei zufolge wurden lediglich fünf Diebstähle und keine einzige Körperverletzung gemeldet. Das spricht eindeutig für sich und hinterlässt schon während der Abreise Sehnsucht. Das Melt 2011 ist jedenfalls schon im Kalender notiert. In diesem Sinne: You Melt my heart!

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