M'Era Luna 2007
Dass das M’era Luna zu einem der größten Gothic- und Darkwave Festivals in Europa gehört ist mittlerweile allseits bekannt.So wundert es kaum einen, dass sich nicht mehr nur die eingeschworenen Gemeinde der Gothics an diesem alljährlichen Spektakel erfreut. Dennoch lag die Besucherzahl mit 19.500 Besuchern dieses Mal unter der 20.000der Marke der letzten Jahre. Dies lag wahrscheinlich mitunter an den ständig wechselnden Wetterberichten und dem regnerischem Freitag, der wohl den ein oder anderen kurz entschlossenen Festivalbesucher abschreckte.
Aber auch einige sonst unerschrockene M’era Luna Gänger blieben dieses Jahr fern, da ihnen das Line Up nicht zu sagte, wie sie schon im vorab verlauten ließen. Tatsächlich fehlten zumindest nach Meinung einiger „Alt-Goths“ dem Samstag ein paar überzeugende Highlights. Dadurch zogen sich die üblichen Phasen des Nichts Tuns und des Abwartens in die Länge.
Doch wer ein wenig offen und neugierig war, dem bot der Samstag doch einiges an neuen und durchaus sehenswerten Bands. Mit einem noch recht kühlen aber glücklicherweise trockenen Morgen bekam man den idealen Einstieg bei Lola Angst. Ein interessanter Anblick, nicht nur weil Orgel Lola, aus deren Rohre Feuer stieß, die obere Bühnenbeleuchtung an zu kokeln drohte. Zudem versuchten Lola Angst mit einer neuartigen Methode in Form von Beleidigungen ihr Publikum zum Mitmachen zu bewegen. So obskur dies klingen mag, es funktionierte! Zumindest bei ein paar wenigen und das war bei der frühen Stunde schon erstaunlich.
Auch bei Jesus on Extasy war das Publikum noch recht verhalten. Vermutlich saß den bereits am Freitag angereisten Besuchern noch die Nässe und Müdigkeit in den Knochen. Doch spätestens zu den fast schon legendären Gentlemen von Covenant waren auch die letzten erwacht und lauschten den Songs, die mit leichten Wind bedingten Soundproblemen daher kamen.
Die großen Erwartungen bei Dir en Grey wurden, was die musikalische Live Performance betrifft, wohl eher enttäuscht. Die energiegeladene Bühnenshow konnte die Zuschauer zwar begeistern, doch der gewöhnungsbedürftige vernöstliche Sound blieb für viele ein Mysterium.
Mit der auf dem M’era Luna gern gesehenen Band Schandmaul kamen auch die Mittelalterfans auf ihre Kosten. Und zum Abend spielten dann auf der Hauptbühne namhafte Bands wie And One für ein wenig Depeche Mode lastigen Sound, wie sie selbst mehr als einmal betonten. Für viele stellten mit Sicherheit Tool ein Highlight dar. Zum ersten Mal am M’era Luna waren sie wahrscheinlich die „Hauptverantwortlichen“ für das Indie-Publikum. Was aber kein negativer Aspekt war, denn das Festival verlief friedlich. Wen wundert es, steht doch die Musik im Vordergrund.
Auch der Hangar hatte die ein oder andere interessante Band an diesem Tag zu bieten. So freuten sich viele auf Animal Alpha, die jedoch durch einige Komplikationen kurzfristig nicht mehr an diesem M’era Luna teilnehmen konnten. Dafür lieferten später am Tag Nosferatu einen durchaus passablen Auftritt. Wer danach noch brav eine halbe Stunde in dem zum bersten vollen Hangar gewartet hatte, kam auch in den Genuß den Klängen der Emilie Autumn zu lauschen, die nicht nur durch ihr viktorianisches Outfit begeistern konnte.
So wurde auch jeder belohnt, der nicht bei den ersten zwei Liedern geflohen ist, die durch penetrant quietschende Rückkopplungen gestört wurden.
Am sonnendurchtränkten Sonntag kam dann wirklich jeder auf seine Kosten. So bot der in den Medien hochgelobte Newcomer Big Boy den Einstieg für den Tag und konnte den bereits ausgeschlafenen Seelen seine Show zum Besten geben. Krypteria luden mit einwandfreien Sound zum relaxen und entspannen ein und Lacrimas Profundere überzeugten auch mit ihrem neuen Sänger in ganzer Linie.
Zu The Crüxshadows füllten sich die Flächen bei der Hauptbühne, schließlich ist es kein Geheimnisl, dass The Crüxshadows mit ihren Tänzerinnen eine Show für alle Sinne bieten. Auch The 69 Eyes spielten eine gute Show. Wie war es anders zu erwarten?
Skinny Puppy, die wohl zu den Hauptacts des Tages zählen, trafen nicht unbedingt jerdermanns Geschmack. Verlief das gesamte Festival friedlich und ohne Blut vergießen (zum Glück!!) so floss das Kunstblut dafür bei Skinny Puppy on stage reichlich. Definitv eine Hör- und Sehprobe wert sofern man das Ganze nicht allzu ernst nimmt.
Ebenfalls Welle:Erdball und IAMX versüßten derzeit das Warten auf Deine Lakaien mit der neuen Frankfurter Philharmonie.
In der Tat hätte man sich nur ärgern können, wenn man Chris Corner, Ex-Frontmann der Sneaker Pimps, mit seiner aktuellen Band IAMX verpasst hätte. Denn neben tollen Liedern und guten Sounds verstand er es, wie kaum ein anderer an diesen Tagen, das Publikum zum Tanzen zu bewegen.
Nach dem Festivalgelände füllenden Auftritt von Deine Lakaien mit der neuen Frankfurter Philharmonie hieß es dann auch für die meisten schon sich zu verabschieden. Denn wie so oft am M’era Luna wird man am Sonntagabend langsam aber sicher erneut vom täglichen Arbeitstrott des kommenden Tages eingeholt. Somit verpassten viele – wie auch wir (leider, leider) – The Jesus And Mary Chain.
Alles in allem war 2007 ein wirklich gelungenes Festivaljahr. Auch trotz eventueller anfänglicher Zweifel am Line Up hätten die meisten Besucher das diesjährige M’era Luna doch nicht missen wollen! Zudem kann man dem „Wettergott“ wirklich nur dankbar sein, dass er sich uns das Wochenende so gnädig erwiesen hat!