Tour 2008 - Support: Howling Bells
Ein junges vielversprechendes Quartett aus UK im Vorprogramm - etwa der zehnte Staccato-Retro-Power-Aufguss? Zum Glück nicht, denn erstens sind die Howling Bells gebürtige Australier und zweitens entstammt ihr Sound eher klassischem Wave denn zackigem Partygeschrabbbel. Um 20:45 Uhr ist es allerdings noch ziemlich leer im ehemaligen Prime Club, und obwohl bereits einige Fans die ersten Reihen belagern, bleibt der Club an diesem Montagabend nur knapp halb gefüllt. Die heulenden Glocken poprocken sich charmant durch ein knapp 40 minütiges Set aus acht Songs und haben ihre Portion Rebellion inhaliert. Den letzten Song verbringt Sängerin Juanita Stein einen Schritt weiter vorne bei den Fans die die Arme (Gliedmaßen, nicht Frontfrau) im Takt wiegen sollen. Tut kaum jemand, macht aber auch nichts.
Um kurz vor 22 Uhr betreten dann fünf Herren aus dem Land der Indianer und Auswanderer den Raum, und prompt klappt das mit den Armen schon besser: Wer an diesem mystigen Montagabend hier hergekommen ist will genießen, gibt sich klatschwillig und mit zunehmender Spieldauer (am Ende sind es mindestens 96 Minuten) werden die Arme immer wieder gen Himmel gestreckt. Zimmerdecke trifft im flachen Schummerschuppen wohl eher zu: Die Videoprojektionen von Mercury Rev fallen heute der kleinen Bühne zum Opfer. Es gibt also Musiker pur, schwelgen und rocken und Kopfkino anschmeißen. Oder dem filigranen Gitarrenspiel Grasshopers frönen. Mercury Rev waren Anfang der 90er Jahre Köche einer anarchischen Ursuppe mit Produzentenlegende Dave Fridmann (Flaming Lips, MGMT, Mogwai) und landeten mit "Deserter's Songs" schließlich ein Meisterwerk mit zeitlos-grandiosen Songs zwischen bombastischem Schwulst, verführender Güte und seltener Reinheit. Das aktuelle Album "Snowflake Midnight" ist dagegen ungewohnt elektronisch geprägt und kommt im Studio etwas berechnend. Live ufern die Tracks dann angenehm aus, krautig-technoid wird es fast schmerzlich laut. Die Livepräsentation wird bestimmt durch Frontmann Jonathan Donahue der mit ausladenden Bewegungen und hypnotischen Augenblicken den sympathischen Irren mimt. Dabei ist er sicherlich zahm wie ein Osterlamm, strahlend als wäre er gerade Alice im Wunderland begegnet... bunte Pillen wären sicherlich nicht hinderlich bei Mercury Rev live. Donahue tuscht jedenfalls regelmäßig prächtig die Einsätze auf seine Mitmusiker und fliegt schließlich mit grazilen Flügelschlägen davon. Ehrlich, ich habe es selbst mit angesehen!
Setlist Mercury Rev:
Snowflake In A Hot World
October Sunshine
Holes
Black Forest
Funny Bird
You're My Queen
People Are So Unpredictable
Diamonds
Tonight It Shows
Tides Of The Moon
Dream
Opus 40
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Goddess On A Highway
The Dark Is Rising
Senses On Fire
Setlist Howling Bells:
Setting Sun
Wishing Stone
Cities
Treasure Hunt
Nightingale
Low HappeningS
Chaos
Theme