Meshuggah

Tour 2008 - Support: Dioramic & Trigger The Bloodshed

16.09.2008 Underground / Köln

Von: Michael Hass

Meshuggah Köln

Nachdem Meshuggah im Januar ihre Fans doch arg enttäuschten - damals wurde die komplette Tour mit Dillinger Escape Plan abgesagt um das neue Album „Obzen“ fertig zu stellen – nun also endlich eine vollständige Deutschland Tour als Headliner. Die Erwartungen sind groß, da mit besagtem Album mal wieder ein herausragendes Metalalbum abgeliefert wurde, welches die Diskografie der Schweden um eine neue Facette des progressiven Metals bereichert. Das Kölner Underground ist also auch ausverkauft und platzt bereits bei den beiden Vorbands aus allen Nähten.

Pünktlich um 20 Uhr betreten dann Dioramic aus Kaiserslautern die Bühne. Mit ihrer Mischung aus modernem Progrock gemischt mit einigen Deathmetal- und metalcorigen Anteilen und einem Schuß Alternativrock können sie das Publikum auch sehr schnell auf ihre Seite bringen. Den Gesang teilen sich dabei Gitarrist und Sänger Arkadi Zaslavski und Bassist Jochen Müller. Während Arkadi für die cleanen Vocals und ein eher emocoriges Geschrei zuständig ist übernimmt Jochen die tiefen Growls. Insgesamt erinnert mich das Ganze sehr an Bands wie „Between the Buried and me“ mit ein bisschen „Dillinger Escape Plan“ und „Underoath“ ohne jedoch wie eine Kopie zu wirken. Die Pfälzer verfolgen dabei jedoch konsequent eine eigene Linie und können mich wirklich begeistern. Leider ist schon nach einer halben Stunde Schluss.

Nach langer Umbaupause, es gab wohl einige Probleme mit dem Drumkit, beginnen um 21 Uhr Trigger The Bloodshed mit ihrer Show. Die Briten legen druckvoll los, machen druckvoll weiter und beenden das Ganze auch druckvoll. Die kompromisslose Mischung aus modernem Brutal Death Metal und Metalcore macht bei den ersten beiden Songs auch wirklich Laune. Die Milchbubis aus Bristol bangen auch was das Zeug hält und vor allem Sänger Jonny rastet auf der Bühne richtig aus. Er muss wohl seinen Frust über den verpatzten Umbau loswerden. Nach kurzer Zeit wird es allerdings extrem langweilig, was das Publikum auch mit ausbleibendem Applaus und deutlichen Meshuggah-Rufen kundtut. Trigger The Bloodshed haben leider außer ihrer druckvollen Kompromisslosigkeit nicht viel zu bieten. Rein technisch bewegt sich die Band auf einem hohen Niveau. Das kann jedoch über das recht einfallslose Songwriting und die Ideenlosigkeit nicht hinwegtäuschen. Nach einer halben Stunde ist dann auch glücklicherweise Schluss und die Vorfreude steigt.

Nach erneuter langer Umbaupause entern dann um 22 Uhr Meshuggah die Bühne. Mit dem ersten Ton aus den achtsaitigen Gitarren gibt es dann auch kein Halten mehr im Publikum. Alles bangt wie wahnsinnig und vor der Bühne entsteht direkt ein Moshpit in dem es richtig kracht. Auch auf der Bühne ist die Stimmung sichtlich gut. Die Band geht ab und kann neben der instrumentalen Performance auch mit einer guten Bühnenshow überzeugen. Das ist aber auch kein Wunder, konzentrieren sich die Jungs mit ihrer Setlist vor allem auf die Alben „Nothing“ und „Obzen“ und somit auf Songs, die gerade dazu einladen mitzugrooven und einfach mal in die kranke Meshuggahwelt einzutauchen. Sänger Jens Kidman bringt das mit seiner ganz speziellen Art des Headbangens dann auch sehr geil auf den Punkt und kann mit einer unglaublichen Bühnenpräsenz überzeugen. Musikalisch ist die Band sowieso über jeden Zweifel erhaben – es gibt wohl kaum eine Band die trotz ihrer sehr extremen Musik so viel Progressivität in ihren Songs umzusetzen weiss. Vor allem Drummer Thomas Haake, das wird mir bei diesem Konzert noch einmal bewusst, setzt dabei allem die Krone auf. Seine extrem kraftvollen und dabei wahnsinnig komplexen Rhythmen und die komplizierten Taktwechsel bilden den Dreh- und Angelpunkt der Band. Darauf können sowohl die wahnsinnigen Grooves der Gitarren als auch Fredrik Thordendahl mit seinen aussergewöhnlichen Soli aufsetzen. Das Gesamtpaket an diesem Abend stimmt hundertprozentig. Die Band wirkt unglaublich eingespielt und liefert eine perfekte Show ab.

Einen großen Wermutstropfen gibt es aber dennoch. Bereits nach einer Stunde Spielzeit ist leider Schluss. Nachdem die Band noch einige Highlights setzen konnte (unter anderem „Future Breed Machine“ vom 1995er Album „Destroy, Erase, Improve“) verlassen die Schweden äußerst abrupt die Bühne. Trotz der lautstarken Forderung der Fans nach einer Zugabe sollte es das gewesen sein. Die Crew beginnt dann auch umgehend mit dem Abbau, so dass sich die Halle auch recht schnell leert.

Bleibt zu sagen, dass trotz der kurzen Spielzeit, die hier abgelieferte Show über alle Zweifel erhaben war und ich nur selten so ein Monster von einer Band live gesehen habe – somit demnächst gerne wieder, auch wenn es wieder nur 60 Minuten sein sollten.

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