Tour 2009, Support: Big Boy
Nicht immer weiß man, was man bei einem Konzert für sein Geld geboten bekommt. Mal ist der Unterhaltungfaktor hoch, mal weniger. Bei Mindless Self Indulgence kann man jedoch getrost davon ausgehen, dass ein jeder auf seine Kosten kommen wird. So etwas spricht sich natürlich rum; kein Wunder dass das Konzert in Hamburg vom Uebel & Gefährlich ins größere Grünspan verlegt wurde.
Zur Unterstützung hatten sich die verrückten Bandmitglieder von MSI die einheimischen Jungs von Big Boy geholt. Auf den ersten Blick (oder Ton) würde man vielleicht vermuten, dass diese Kombination nicht so hundertprozentig passen würde. Doch vom Liveaufgebot betrachtet gab es keinerlei Komplikationen. Zum Startschuss hatte sich die Halle noch nicht ganz zur Hälfte gefüllt. Das größtenteils etwas jüngere Publikum zeigte sich vorerst zurückhaltend bis auf ein paar offensichtliche Fans in den ersten Rängen. Frontmann Big Boy himself zeigte sich dahingegen sehr publikumsnah, wandte sich mit dem ein oder anderen Spruch an die Zuhörer oder begab sich sogar in unmittelbaren Kontakt im Security-Graben. Auch A.K. nutzte den Platz der großen Bühne und schwenkte seinen Bass in sämtliche Himmelsrichtungen. Der Spaß, den Big Boy offensichtlich an der Show hatten sprang im Laufe der Zeit auch auf das Publikum über. Aus ein paar kopfnickenden Menschen wurden nach und nach mehr, bis die Band es zum Ende hin geschafft hatte, einige aus der Reserver zu locken. Hut ab! Das ist schließlich der schwierigst Job eines Supportacts und in Hamburg funktionierte dies ganz gut.
Mittlerweile hatte sich das Grünspan gefüllt. Viele hatten versucht weit nach vorne zu kommen und / oder eine gute Sicht zu erhaschen. Man wusste was man von dem Konzert erwarten konnte und ein guter Beobachtungsposten war einiges wert. Irrsinn, Unsinn, Wahnsinn... All diese Worte würden passen auf das was folgte.
Unter freudigen Aufschreien betrat die Band ziemlich pünktlich die Bühne. Leider ohne Lyn-Z am Bass, die aufgrund ihrer Schwangerschaft zu Hause blieb. Doch hatten MSI Ersatz gefunden. Um keinen Konkurrenz- und vielleicht Zickenkrieg hervor zu rufen handelte es sich bei der Person am Bass um einen Mann. Zum Entsetzen des Tourmanagers, der am Bühnenrand nur ein stummes, verzweifeltes „NO“ mit den Lippen formte, begab sich Jimmy sogleich auf Tuchfühlung mit den ersten Publikumsreihen. Doch das Publikum wollte ihm nicht an die Haare und auch Jimmy, der für so manche Aktionen mit Fans bekannt ist wie mit Edding bemalen oder Köpfe rasieren, verhielt sich vorerst eher ruhig.
Doch die von einem Fotografen am Bühnenrand abgelegte Kamera blieb nicht verschont. Kaum hatte Jimmy sie erblickt nahm er sie zu sich, um Bilder seiner Fans zu schießen. Die Schweißperlen auf des Fotografens Stirn versiegten erst, als er seine Kamera wieder sicher in seinen Händen wusste. Wie ein Wirbelsturm fegte Jimmy über die Bühne, während Steve noch ein wenig müde zu sein schien. Zu den fetten Beats von „Mastermind“ drehte auch das Publikum richtig durch. Es flogen Luftballonblumen und aufblasbare Bälle von Nivea durch die Gegend. Kitty bearbeitete unglaublich cool die Drums und Hits wie „Shut Up“ und „Straight To Video“ ernteten riesen Applaus. Meist kam der Zuschauer gar nicht mehr aus dem Lachen raus soviel Unfug gab Jimmy Preis in seinen Ansagen. Zum Beispiel, dass er sich alsbald in dem Striplokal um die Ecke bewerben wolle. Als Beweis führte er einen eher bizarren als erotischen Ministrip vor. Ich glaube damit würde er kein Geld auf der Reeperbahn verdienen können – for fans only! Die Stimmung war ausgelassen und der Saal kochte vor Übermut fast über. Nur drei der anwesenden Fans wurde es etwas mulmig zumute, als Jimmy sie auf die Bühne orderte. Man kannte ja genug bereits erwähnte Horrorgeschichten, was so manch einem Fan an einem MSI Konzert bereits zustieß. Doch die Jungs fürchteten sich umsonst. Sie sollten lediglich ein wenig ihre Gesangeskünste zum Besten gebenÂ… doch die ließen zu wünschen übrig und Jimmy verabschiedete sie mit den Worten „You suck!“.
Der Wahnsinn hielt noch eine ganze Weile an, doch die Musik wurde dabei nicht vernachlässigt. Wirklich bewundernswert wie die Band auf der Bühne umher fegen und dabei noch 1a Musik präsentieren konnte. Natürlich durfte eine Edding-Schmier-Einlage von Jimmy nicht fehlen, bei der sein komplettes Gesicht eingesaut wurde. Ebenso der Song „There’s No Business Like Show Business“ zum Abschied, bei dem Jimmy eine „umwerfende“ Playback Performance darbot.
Herrlich. Ein gelungener Abend und guter Einstieg ins Wochenende. Und wer sich noch ein wenig geduldete, konnte die Bandmitglieder kurz darauf im Grünspan antreffen, wo sie sich herzlich um den Autogrammwunsch eines jeden einzelnen kümmerten. Durchgeknallt, professionell und menschlich – eine super Kombination!