Rising Sun, Setting Sun - Tour 2010 - Support: Jex Thoth
2008 ging die belgische Band Mintzkov gemeinsam mit Kaizers Orchestra auf Tour. Als Kaizers-Fan musste ich schon viele schreckliche Support-Acts ertragen, aber Mintzkov war damals eine Offenbarung! Nicht, weil sie etwa die alternative Musik erfunden hätten. Nein, aber sie haben ein wunderbares Gespür für eingängige Pop-Melodien und wissen diese mit schrägen Gitarrensounds und mit einer ordentlichen Portion Keyboards zu vereinen. Das macht jeden Mintzkov-Song zu einem Ohrwurm. Hinzu kommt die einzigartige, leicht nasale Stimme des Sängers Philip Bosschaerts. Drei Studioalben gibt es bereits, das dritte "Rising Sun, Setting Sun" ist im Frühjahr erschienen und - bisher - zu unrecht in Deutschland ignoriert worden.
Als wir das Underground an diesem Dienstagabend betreten, ist gähnende Leere angesagt, eine Handvoll Metaller stehen vor der Bühne und bangen zur Vorgruppe Jex Thoth, die ein etwas seltsames Bild abgeben. Die Sängerin, umrahmt von Kerzen, gestikuliert schlangenhaft in einem Ponchoähnlichen Umhang zur doomigen Musik und versucht ein wenig wie Anneke von The Gathering zu klingen. Das geht zwar in die Hose, aber nicht in die OhrenÂ… und ist sooo langweilig, dass wir beschließen, draußen noch ein wenig zu warten, bis die Band fertig ist. Recht spät – gegen halb zehn – kommen dann endlich die Belgier auf die Bühne. Zum Glück hat sich das Underground etwas gefüllt, so dass es nicht ganz so peinlich ist für die Band. Nur nach ganz vorne traut sich niemand, was ein bisschen blöd ist.
Mintzkov haben eine lange Tour hinter sich, kommen gerade aus Finnland, und man sieht ihnen die Strapazen der letzten Wochen an. Und die vier Jungs und Bassistin Lies brauchen einen Moment, um aufzuwachen. Mit dem verträumten "Return And Smile" aus dem zweiten Album "360°" gibt es einen sanften Start, aber schon mit "Title You" heben die Belgier ab. Es folgen neue Songs aus dem neuen Album, wie zum Beispiel "Rising Sun, Setting Sun" (zum Mitnicken) oder "Opening Fire" (zum Mitwippen), "Finders Keepers" (zum Rumzuckeln), "Author Of The Play" (zum Abgehen und Yeah-Rufen!!!). Ansonsten werden überwiegend Songs aus "360°" gespielt. "Violetta" und "Ruby Red" dürfen natürlich nicht fehlen und als Zugabe gibt es "Hitman".
Was etwas zögerlich angefangen hat, wird spätestens nach dem vierten, fünften Song richtig genial. Auch das etwas zurückhaltende Publikum taut mit der Zeit auf und klatscht und johlt zunehmend lauter. Bassistin Lies hängt zwar die ganze Zeit ein wenig durch, aber dafür legt sich der Rest der Band ins Zeug und macht eine richtig geile Show, die in einer ziemlich orgiastischen Performance bei "The State We're In" ihren Höhepunkt hat. Vor allem Gitarrist Daan ist eine Augenweide, wie er sich so windet und streckt und auf die Bühne kniet und den Kopf in den Nacken wirft und ja ja, ich hör schon auf... knapp zusammengefasst: ein kurzes, aber wahnsinnig cooles Konzert!
Im Sommer werden Mintzkov auf Festivals und auch wieder in einigen Clubs in Deutschland zu sehen sein, und ich empfehle wirklich jedem, der die Chance hat, diese auch zu ergreifen. Am besten der immer aktuellen Facebook Seite "Mintzkov Official Fanpage" beitreten, da bekommt man immer die neuesten Infos und läuft nicht Gefahr, was zu verpassen, wenn die Belgier wieder rocken!