Miyavi

What's My Name? Tour 2011

03.04.2011 Live Music Hall / Köln

Von: Silvia Lohmann

Miyavi Köln

Wer am heutigen Abend die Live Music Hall betritt, findet sich erst einmal mit einer relativ schlicht gehaltenen Bühne konfrontiert: Keine Flaggen oder Logo‘s, dafür fünf (!) Mikrofone, ein verhältnismäßig kleines Schlagzeug und drei große Verstärker. Pünktlich um 20 Uhr betritt ein unscheinbarer, schmächtiger Japaner ganz unspektakulär die Bühne... aber die Menge tobt.

Nicht zu Unrecht, denn sofort beginnt der selbsternannte "Gitarren-Samurai" mit einem bombastischen Gitarren-Solo; dem Auftakt zu "Know My Name". Begleitet wird das rhythmische Gitarren-Spiel während des ganzen Konzerts nur durch das Schlagzeug. Doch wer meint, dass es sich hier um eine rein "akustische" Session handelt, der liegt weit daneben, denn trotz völligen Nicht-vorhanden-Seins von Bass, Keyboard oder weiteren Gitarren, hat man nicht das Gefühl, dass etwas fehlt. Eher hat Miyavi sich wieder einmal selbst "neu erfunden", denn nach der Trennung seiner Band Due‘le Quartz 2002 experimentiert er mit der kompletten Bandbreite, die die Musik ihm zur Verfügung stellt... und überrascht seine Fans damit jedesmal aufs Neue.

Auch wird während des Konzertes klar, mit wie viel Lebensfreude Miyavi hinter seiner Musik steht, denn selten hat man jemanden mit solch einem Maß an guter Laune, die sich zu 100% auf das Publikum überträgt, Gitarre spielen sehen. Mit seiner lockeren, fast schon kumpelhaften Art fordert er die Menge immer wieder zum Mitsingen oder Applaudieren auf, spielt kleine "Spielchen" mit ihr, indem er erst durch Handzeichen zu verstehen gibt, leise zu sein, nur um fast im selben Augenblick wieder Applaus und Jubel zu fordern. In weiteren Songs beweist Miyavi auch einmal mehr, dass er ein Meister des Gitarrenspiels ist, indem er demonstriert, dass man nicht nur auf dem Bass effektvoll "slappen" kann oder dass er im Umgang mit dem Looper so gewieft ist, dass er selbst fast kaum noch zu spielen braucht. Dies lässt er sich allerdings nicht nehmen und nur bestimmte Sequenzen als zusätzliches musikalisches Mittel im Hintergrund laufen. Dafür lüftet er aber das Geheimnis der vielen Mikrofone, denn alle fünf werden während des Konzerts abwechselnd von ihm genutzt.

Doch trotz so viel guter Laune spricht der erst kürzlich zum zweiten Mal Vater gewordene Musiker auch über ein ernstes Thema, dass ihm als Tokioter natürlich besonders am Herzen liegt: Die Katastrophe, die Japan heimgesucht hat. Er erzählt, dass es ihm schwer gefallen sei, eine Entscheidung zu treffen, ob die Tour stattfinden solle oder nicht. Denn ersteres hieße, dass er viele ihm liebe Menschen in einer Zeit der Krise und der Ungewissheit zurücklassen müsse. Aber Miyavi entschied sich für die Tour, die in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz stattfindet, und bittet seine Fans um Spenden für sein Land. Gemeinsam mit den Fans legt er eine Schweigeminute ein und selten hat man eine Konzerthalle in einer solchen emotionalen Ruhe vorgefunden...

Der zweite Teil des Konzerts wird mit der Akustik-Gitarre bestritten und seine "alten Klassiker" wie "Boom-Hah-Boom-Hah-Hah" oder "Sekai wa Kimi wo Aishiteru - We Love You", lassen sich in neuer Verpackung durchaus hören. Während letzterem Song bittet er noch einmal "Sing for Japan!", filmt seine Fans mit einer Handy-Kamera und quittiert dies mit einem sauber ausgesprochenen "Dankeschön!". Zum Finale erfolgt noch einmal ein Wechsel zur E-Gitarre, die der Masse nun ordentlich einheizt. Gerade bei den zwei Zugabe-Songs kommt noch einmal gehörig Bewegung in Form von Pogen und Tanzen in das Publikum. Alle Arme befinden sich in der Luft und nach jeder Menge Jubel und Applaus verabschiedet sich der Japaner nach 2 1/2 Stunden mit Wurfküssen von seinem Publikum.

Fazit? Miyavi beweist wieder einmal großes Talent und es ist jedes Mal wieder ein schönes Erlebnis ihn auf der Bühne zu sehen (auch wenn es diesmal doch tatsächlich stellenweise etwas langatmig war). Schade nur, dass die japanische Musik hierzulande noch relativ unbekannt ist, denn er macht so manchen westlichen Musikern durchaus Konkurrenz!

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