Tour 2005
Dass sich ein Moby-Gig von anderen Konzerten internationaler Musikgrößen unterscheidet, war schon im Vorhinein klar. Dafür sind Mobys Musikeinflüsse wie Elektro, Dance, Punk oder Soul einfach zu unterschiedlich. Trotzdem gibt es auch beim 39-jährigen New Yorker Dinge, die einen immer wieder überraschen.
Nehmen wir z.B. die Devotionalien-Stände: klar gibt es hier auch 0815-Merchandising-Artikel wie T-Shirts, Longsleeves und dergleichen. Was man auf Konzerten vergleichbarer Größenordnung jedoch vergeblich suchen wird, sind Stände mit Soja-Milch, Tierschutzzeitschriften und "Fleisch ist Mord"-Aufnähern. Auch wenn ich selber nur zu gerne Fleisch esse, ist solch Engagement definitiv lobenswert und konsequent. In seinem Heimatland wird bestimmt zuviel Tier gegessen und Moby selbst ist ja schließlich Veganer.
Aber was soll bloß dieses bekloppte Rauch-Verbot? Wie kann man einem passionierten Konzertgänger und -raucher mir nichts, dir nichts einfach so den Zigarettenkonsum streichen? Da hätte an diesem Abend lieber ein Fleisch-Verbot auf mich genommenÂ… Wie dem auch sei, es hilft ja alles nichts. Also raus in die Eingangshalle und vor Beginn des Konzerts noch mal schnell ne Kippe angesteckt.
Dann geht es auch schon los. In sattes, grünes Licht gehüllt, kommt der Ur-Ur-Neffe des "Moby Dick"-Autors auf die Bühne. Anders als auf einigen vorherigen Auftritten, hüpft er nicht wie von der Tarantel gestochen von Mischpult zu Mischpult hin und her, sondern nimmt den mittleren Platz der Bühne ein, um sich Gesang und Gitarre zu widmen. Vor gut 3.500 Besuchern startet er das Auftaktkonzert seiner Deutschlandtournee mit dem Song "Find Me Baby" aus seinem Erfolgsalbum "Play". Das Publikum geht eifrig mit und bereitet ihm ein dankbares Entree. Auch der als gemeinhin etwas wortkarg geltende Künstler scheint an diesem Abend gut gelaunt zu sein und hält immer wieder Konversation mit dem Publikum. Sogar vor dem Gebrauch der deutschen Sprache macht er nicht halt. Etwas ungläubig tippe ich den Spruch "Fräulein, Du hast einen Hubschrauber" in mein Handy. Macht zwar keinen Sinn, aber dem Publikum gefällt’s und ist ja schließlich in der Hauptsache wegen der Musik da.
Im Mittelpunkt des Konzertes stehen Songs aus seinem neuen Album "Hotel", aber auch Fans seiner älteren Stücke wie "Honey" oder "We Are All Made Of Stars" kommen auf ihre Kosten. Unterstützt wird er hierbei von einer fantastischen Sängerin, die problemlos zwischen verschiedenen Gesangsstilen hin und her switcht. Moby selbst belässt es nicht beim Singen, Gitarre und Bass spielen, sondern knüpft sich immer wieder die Kongas vor. Dies in einem Tempo, bei dem es einem schwindelig werden kann. Seinen aktuellen Hit "Lift Me Up", der auf die Folgen des Fundamentalismus in der Welt aufmerksam macht, moderiert er mit einem politischen Statement an. Als Amerikaner müsse er sich für die Aktionen seines Präsidenten entschuldigen.
Bevor mit "Feeling So Real" ein fantastisches Konzert zu Ende geht, gibt Moby noch einmal zwei von mehreren Cover-Versionen an diesem Abend zum Besten: "Walk On The Wild Side" von Lou Reed und den Doors-Song "Break On Through". Diejenigen, die dann immer noch nicht genug hatten, konnten sich 10 Minuten nach dem Konzert denn noch die Live-CD von diesem Abend kaufen.