Tour 2011 - Support: RH Hubbert
Auf dem Weg nach Köln liegt das Bayer-Werk - dieser Tage in denen als sicher deklarierte Atomkraftwerke explodieren, mutet es besonders beklemmend an. Köln dagegen ist eine Jecken-Stadt die in den letzten Tagen dank Karneval und Fußball aus dem Feiern so gar nicht mehr raus kam. Doch heute Abend strahlen die Gesichter von Herzen, denn die Postrock-Heroen von Mogwai halten Einzug in die Live Music Hall: Schottlands Rockerbande kommt mit ihrem fatalistisch-programmatisch betitelten neuen Album "Hardcore Will Never Die, But You Will" an den Rhein und wird für eineinhalb Stunden von fragilen Melodien bis zu brachialen Gitarrenwänden alles aufwarten, was das hungrige Herz begehrt.
Vorab haben sie sich ihren Freund RH Hubbert als Support eingeladen: Ein runder tätowierter Bär mit Akustikgitarre, der für 40 Minuten mit unglaublich anspruchsvollem Fingerpicking verblüfft, und zwar völlig locker aus dem Handgelenk. Dazu klopft er rhythmisch auf den Korpus seines Instruments, sodass sich letztlich kleine Sinfonien ergeben, wenn man denn genauer hinhört. Zwischen seinen Songs erzählt Hubert intime Geschichten aus seinem deprimierenden Leben und bedankt sich für die kostenlose Therapiestunde vor 1.000 statt einem Zuhörer - so falle es ihm wesentlich leichter sich zu öffnen. Uff!
Um kurz nach 22 Uhr legen Mogwai dann schließlich mit dem herrlichen Opener "White Noise" los und verzaubern trotz drei Gitarren und einem Gast-Violinisten mit bestechendem Sound und filigraner Spielweise. Toll ist, dass einige der aktuellen Tracks mit ganz neuen Sounds und Arrangements überraschen, da erhält die zuweilen ganz schön ausgelutschte Schublade "Postrock" frischen Wind und "Rano Pano" ist nur einer dieser hypnotischen Trips. Die Band ist gut gelaunt, lacht und spricht ungewohnt viel, zumindest für die in der Vergangenheit eher wortkargen Präsentationen. Ansonsten sind Mogwai wie ein edler Tropfen auf dessen ansprechenden Geschmack man sich blind verlassen kann.
Das fantastisch-fette "Batcat" beschließt das Set mit berstender Energie und Jubelschreien. Der Höhepunkt! Fürchtet Satan! Leider fällt zu den Zugaben der Rechner aus, sodass "Auto Rock" abgebrochen und die Setlist umgestellt werden muss: Das elektrifizierende neue "Mexican Grand Prix" geht ebenfalls verloren und mit ihm ein ganz wichtiger Abschluss des Konzerts, da entschädigt auch die alte Perle "Christmas Steps" kaum – ein schaler Nachgeschmack bleibt leider hängen. Oder es ist einfach wie es Mogwai selber sagen: "I think we are possessed by demons!". Auf dem Rückweg liegt rechts wieder dieses riesige Industrie-Arial, und im Radio melden sie, dass in Japans AKW Fukushima eine weitere Explosion stattgefunden hat. Beängstigend. Wie gut, dass Mogwai gerade die Welt ein wenig ins Gute verschoben haben.
Setlist:
White Noise
Rano Pano
Letters To The Metro
Killing All The Flies
I Know You Are But What Am I
How To Be A Werewolf
San Pedro
I'm Jim Morrison, I’m Dead
George Square Thatcher Death Party
You're Lionel Richie
2 Rights Make 1 Wrong
Batcat
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Auto Rock (abgebrochen)
Hunted By A Freak
Christmas Steps