Monster Magnet

Performing "Dopes To Infinity" - Support: The Black Spiders

06.12.2011 Centralstation / Darmstadt

Von: Pascal Kraus

Monster Magnet Darmstadt

Noch während die Musikindustrie Mitte der Neunziger die ergiebige Quelle "Grunge" langsam aber sicher trocken gelegt hatte und aus dem staubigen Boden in Palm Desert eine neue Oase unter dem Banner Stoner- oder auch Desert-Rock sprudelte, braute in einem Hinterhoflabor im Nordosten des amerikanischen Kontinents, genauer in New Jersey, eine Band an ihrer ganz eigenen Suppe des, wenn man so will, sogenannten Space Rock, wie ihn ähnlich bereits Hawkwind in den Siebzigern in die drogenvernebelten Freak-Buden schweben ließen. Die Zeit war wohl reif. Ebenso inspiriert durch mutmaßlich allerlei halluzinogene Substanzen begab sich das Quartett auf einen musikalisch psychedelischen Trip durch ferne und innere Galaxien, befeuert von Testosteron-geschwängerten Phantasien aus Titten, Feuer, Chrom, Motorenöl, Pillenbergen und nicht zuletzt unter den Hörnern des Markenzeichens der Band - dem "Bullgod". Auf dem ersten Album von Monster Magnet wurde dann auch propagiert: "Â…it´s a satanic drug thing you wouldn´t understandÂ…." und nach dem zweiten Album "Superjudge", welches bereits auf dem Majorlabel A&M erschien, war klar, dass der kollektive Rausch nicht mehr nur in miefigen Clubs, Schulhallen und süßlich verrauchten Spelunken zu inhalieren war. Im Frühjahr 1995 erscheint dann Werk Nummer Drei, treffend betitelt mit "Dopes To Infinity" und mit der Single "Negasonic Teenage Warhead" auch der erste veritable Hit der Band von Mastermind Dave Wyndorf.

Dieser erfüllt sich aktuell und ein paar Drogenabstürze später, nach eigener Aussage, einen Traum mit der kompletten Aufführung dieses sechzehn Jahre alten Erfolgsalbums. Seine Wegbegleiter von damals sind heute bis auf einen nicht mehr mit an Bord seines Spaceships. Der Captain hat sich zu Beginn des neuen Jahrtausends sukzessive eine neue Besatzung rekrutiert: Neben dem zweiten Gitarristen Phil Caivano gehören jetzt auch noch Jim Baglino (Bass) und Bob Pantella (Drums) zur Crew. Einzig Ed Mundell an der Gitarre ist seit dem zweiten Album von Monster Magnet an Wyndorf´s Seite, nachdem John McBain die Band damals verließ.

Die Halle in der Darmstädter Centralstation ist voll. Proppevoll. Der Alterdurchschnitt des Publikums liegt hoch. Neue Jünger sind wohl wenige an Bord gekommen und fast jeder der Anwesenden möchte heute mutmaßlich seinen ganz persönlichen Trip in die wilde Vergangenheit erleben. Ob nüchtern oder auch nicht. Die "Black Spiders" heizen den Anwesenden mit ihrem harten Sound ordentlich ein und greifen das ein oder andere Mal tief in die Klischeekiste. Die Stimmung ist gut und die schwere Luft in der Halle füllt sich zunehmend mit dem Geruch nach Bier und Schweiß. Nach relativ kurzer Pause und lauten "Monster"-Chören entern dann die Mannen aus New Jersey dynamisch die Bühnenbretter.

Go-Go-Tänzerinnen gibt es heute abend nicht. Die visuellen Reize beschränken sich auf das psychedelische, aber teils etwas blasse, Farbenspiel auf der Leinwand mit dem Bullgod hinter der Bühne, welcher im Verlauf der Bandgeschichte in immer etwas veränderter Optik zu Tage trat.

Dave Wyndorf ist mit den Jahren merklich voluminöser geworden und hat nach Verpflichtung eines zweiten Gitarristen auf der Bühne auch weniger die Gitarre in den Händen. Da steht er massig und irgendwie auch aufgedunsen vorne am Bühnenrand in Jeans und Leder und kräht seine Textzeilen über Liebe, Hass, Lust, Freude und Verzweiflung (eben Themen die den modernen Menschen seit jeher bewegen) in das wogende Publikum. Diese magische Verbindung mit den sphärischen Sounds seiner Begleitmusiker treiben diese Reise in mythologische Höhen.

Monster Magnet waren (und sind es auch heute noch trotz zuletzt mehr straightem  Rock) 1995 mit "Dopes To Infinity" unmissverständlich verhaftet im Sound einer vergangenen Ära und sie raubten rüde und breitbeinig in ihrer Musik der Hippieseeligkeit ihre Unschuld. Sie klettern wirrköpfig die Sprossen des Krautrock empor und greifen nach den Planeten, mit denen Wyndorf seine Zwiegespräche führt. Die Band schraubt ihre Riffs zu harten Klanggebilden zusammen. Brachial, dann wieder leicht schwebend und hypnotisch. Die Songs wabern und schießen mit viel Effekten und Wah-Wah durch die Ohren in die Köpfe der enthusiastischen Menge. Sie werden gefeiert da vorne, jeder weiß was als nächstes kommt – schließlich lief die Platte bei den meisten hier (zumindest vor sechzehn Jahren) nicht selten als Soundtrack der ganz persönlichen Bewusstseinserweiterung.

"Dopes To Infinity": Live! Vollständig! Ein kompletter Trip vom Anfang bis zum Ende. Er konnte es kaum erwarten.

Setlist:

Vertigo
I Control, I Fly
Look To Your Orb For The Warning
Dopes To Infinity
All Friends & Kingdom Come
Ego, The Living Planet
Blow´ Em Off
Dead Christmas
Third Alternative
Theme From Masterburner
King Of Mars
---------------
Negasonic Teenage Warhead
Hallucination Bomb
Powertrip
Space Lord

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