Performing "Dopes To Infinity" - Support: The Black Spiders
1995 erschien mit "Dopes To Infinity" das dritte Studioalbum von Monster Magnet. Nachdem die Band aus New Yersey mit den Vorgängern "Spine Of God" von 1991 sowie "Superjudge" von 1993 dem Krautrock die Ehre erwiesen und die Saat für den Stoner Rock gelegt hatte, ritt sie nun auf der bereits abebbenden Grungewelle. Das "Rock Hard" nannte "Dopes To Infinity" seinerzeit gar ein "psychedelisches Meisterwerk". Fakt ist, dass es der erste größere Charterfolg der Band um Frontmann Dave Wyndorf war und noch heute zu den absoluten Fanfavoriten zählt.
Weitere fünf Alben und einige Drogenabstürze später ist Wyndorf der einzige, der von der 1995er Besetzung noch übrig ist. Als letzter "Überlebender" verließ im vergangenen Jahr Gitarrist Ed Mundell das "Spaceship", um zusammen mit Greg Hampton sein eigenes Projekt namens "9 Chambers" zu gründen. Wyndorf scharte im Laufe der Zeit neue Mitstreiter um sich: Die beiden Gitarristen Garret Sweeny und Phil Caivano, Jim Baglino am Bass sowie Bob Pantella am Schlagzeug. Und er erfüllt sich aktuell nach eigener Aussage einen Traum, der nicht vom Konsum halluzinogener Substanzen herrührt: Die komplette Live-Aufführung von "Dopes To Infinity", angereichert durch ein paar weitere Stücke.
Köln ist die letzte Deutschlandstation auf ihrer Reise in die Vergangenheit. Eröffnet wird der Trip von einem standesgemäßen Intro, das jedem Italo-Western gut zu Gesicht gestanden hätte und den Black Spiders, einem Quintett aus England, das sich mit seinem druckvollen Space Rock als passender Support Act für Monster Magnet entpuppt, dabei aber auch vom für eine Vorgruppe erstaunlich sauberen Sound profitiert. Musikalisch wissen die Mannen um Sänger Pete Spiby mit Songs wie "Just Like A Woman" oder "Kiss Tried To Kill Me" von ihrem kürzlich veröffentlichten Debütalbum "Sons Of The North" 45 Minuten lang durchaus zu überzeugen. Was nervt, ist ihre permanente, halb peinliche, halb belustigende Posen-was-das-Zeug-hält-Attitüde und die wiederholte Aufforderung an die Fans zu "Fuck You"-Sprechchören, inklusive ausgestrecktem "Effenberg-Finger". Aber immerhin habe ich in diesem Jahr schon schlechtere Anheizer erlebt...
Nach weiteren 35 Minuten Umbaupause, die eigentlich keine ist (weil sich die letzten 20 Minuten davon auf der Bühne rein gar nichts tut) ist die Live Music Hall schließlich proppevoll und erwartet gespannt den Auftritt von Dave Wyndorf und Co. Sofort fällt auf: Der Mann hat gewichtsmäßig ordentlich zugelegt, was allerdings für eine inzwischen wohl etwas gesündere Lebensführung sprechen dürfte. Und er hat gleich beim Opener "Vertigo" mächtig Hall auf der Stimme. Während "Look To Your Orb For The Warning" kommt erstmals Bewegung in die Menge vor ihm. Wyndorf selbst steht - wenn er nicht gerade singt - meist mit dem Rücken zum Publikum neben dem Drumkit und überlässt die Bühnenakrobatik weitestgehend seinen Kollegen. Aber das spielt hier heute abend ohnehin keine Rolle. Es gibt Konzerte, da fällt einem im Nachhinein nicht viel zu ein, weil die Musik für sich spricht. Kein showtechnischer Firlefanz der ablenkt, keine anbiedernde Kommunikation mit den Fans. Nur die Musik, die mal brachial, mal filigran den Raum erfüllt. In der Erinnerung sind dies meist die besten Konzerte. Das von Monster Magnet ist so eines.
Wyndorf schreit, heult und scheint dabei vor Kraft förmlich zu platzen. Die Fans feiern ihn und "Dopes To Infinity" enthusiastisch. Besonders das wunderbare "Blow' Em Off" und das grossartige, instrumentale "Theme From Masterburner" dürften bei dem ein oder anderen bereits vor sechzehn Jahren zur persönlichen Bewusstseinserweiterung beigetragen haben. Im Bühnenhintergrund grinst der "Bullgod" dazu sein teuflisches Grinsen. Am Schluss des regulären Sets steht das von Black Sabbath und Led Zeppelin inspirierte "King Of Mars". Es scheint kein Ende zu nehmen, tut es dann aber doch. Wer genau aufgepasst hat, weiß jedoch, dass dies noch nicht alles gewesen sein kann, fehlt mit "Negasonic Teenage Warhead" bislang einer der wichtigsten Songs aus der "Dopes To Infinity"-Tracklist.
Dieser eröffnet dann auch völlig überraschend die Zugaben, womit die nostalgische Zeitreise ins Jahr 1995 abgearbeitet ist. Monster Magnet wenden sich mit "Hallucination Bomb" der Gegenwart und ihrem letzten Album "Mastermind" zu, bevor sich alle nochmal glückselig zu "Powertrip" lautstark in den Armen liegen. Schließlich schickt uns der "Space Lord" nach insgesamt eindreiviertel Stunden Vollrockbedienung singend und tanzend nach Hause. Ein würdiges Finale furioso!
Als wir in die kalte Kölner Nacht hinaustreten, stehen wir plötzlich wieder breitbeinig in einer jener rauchgeschwängerten Kneipen, klopfen den Staub von unseren Stiefeln und erzählen im Suff die alten Phantasien von Bier und Mädels, während das Testosteron durch unsere Adern pulsiert. Und verfallen für kurze Zeit wieder dem naiven Glauben, dass uns die Welt offensteht und Jugend ewig dauert. Doch spätestens, wenn am nächsten Morgen der Wecker unerbittlich zum täglichen Aufstehen ruft, ist der Zauber wieder verflogen. Schön war es trotzdem!
Setlist:
Vertigo
I Control, I Fly
Look To Your Orb For The Warning
Dopes To Infinity
All Friends & Kingdom Come
Ego, The Living Planet
Blow' Em Off
Dead Christmas
Third Alternative
Theme From Masterburner
King Of Mars
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Negasonic Teenage Warhead
Hallucination Bomb
Powertrip
Space Lord