Monsters of Spex

Festival feat. The GO! Team, Hot Hot Heat, The Arcade Fire, Dinosauer Jr., Hard-Fi, Tomte, Maximo Park uvm.

26.08.2005 Jugendpark / Köln

Von: Dominik Korz

Als wir das Festivalgelände im Kölner Jugendpark betraten, spielte The GO!Team bereits. Rockige Gitarren und schräg-schrille Sounds polterten aus den Boxen, die das bevorstehende Musikwochenende der C/O Pop einläuteten. Die Sängerin heitzte das Publikum mit ihrer angenehm und doch lauten, oder besser angenehm-lauten Stimme, aber vor allem mit wirklich cooler Tanzakrobatik ein. Eine volle Stunde tanzte, hüpfte, kickte, "bootshakte" Insha und teilte im süßesten Cocney-English mit, dass wir es mit dem Go!Team zu tun hatten. Die Frau ist on fire und uns wurde schnell klar, wer das GO! im Team war! Die Stimmung war schon gut. Völlig mitgerissen war das Publikum noch nicht, denn der erste Act des Abends hat es meist schwerer als die folgenden, weil man sich noch nicht ganz darauf eingelassen hat, zunächst nur körperlich angekommen ist.

Danach erkunden wir das übrige Gelände. Im Vergleich zum SOMA an gleicher Stelle, gab es wenig Ambiente. Die "Ansprechbar" für Drogenberatungen, ein Verkaufsstand für Fanartikel der auftretenden Bands, kombiniert mit der Möglichkeit sich mit Spex-Heften einzudecken, Würstchen für 3€, Baguettes für 4,50 €!, Süß-saure Bohnensuppe für 3,50€, Süßigkeiten und fragwürdige Motiv-Shirts die ihren stolzen Preis von 25€ kaum rechtfertigten. That´s it. Wenig und das zu teuer, Punkt.

Mit Hot Hot Heat begann es zu tröpfeln. Aber nicht lange. Der Bandleader rutschte schon zu Beginn aus, so dass ein Teppichboden hinter seinem Keyboard für einen besseren Stand verklebt wurde. Einen guten Stand beim Publikum hatte er allemal. Die ersten Reihen jubelten. Der Rock der Amerikaner kommt ohne unkonventionelle Soundelemente aus. Gitarren, Drums, Keyboard und Sänger. Sie spielten einige Songs ihres neuen Albums "Elevator".

The Arcade Fire rüsteten ordentlich Instrument auf. Vorgehergenanntes sowieso, wobei eine erstaunliche Gitarrenvielfalt ausgestellt wurde, dazu Trommeln, Footballhelme, Geige, Akkordion und Rasseln. Es war kaum Platz für alle auf der Bühne, einem Auftritt der Kelly-Family sehr ähnlich. Als Freund von minimalistischer Musik war mir es zuviel an Instrumenten. Wie die Irwische rannten sie über die Bühne, trällerten, geigten, hauten auf Stöcke, Footballhelme und Rasseln. Obwohl sie virtuos mit ihren Instrumenten umgingen und die Stimmung des Publikums noch mehr aufwühlten, wurde ich das Gefühl nicht los, man hätte es mit Autisten zu tun. Anders als mit pompöser Uncoolness läßt sich die Band für mich nicht beschreiben. Ein Song gefiel mir aber besonders gut, stimmlich klang es sehr nach David Bowie, verständlich also dass dieser gelegentlicher Besucher von Arcade Fire ist.

Zum Abschluß begaben sich dann Dinosauer Jr. auf die Bühne. Sie kamen mit Drums und Gitarren aus, wobei wir in Unkenntnis der Gruppe erstaunt waren, dass es nicht die Rowdies waren, die die Instrumente einspielten, sondern es die Gruppe tatsächlich selbst war! Als groß angekündigter Vorreiter von Nirvana hatten wir uns die Truppe jünger vorgestellt. Wie dem auch sei, sie schafften es die Stimmung im mittlerweilen dunklen Jugendpark nochmals zu steigern. Gelegentliche "Lauter"-Rufe zeugten von der Begeisterung. In den ersten Reihen pogte man und das Gitarrenschrammen verleiteten zu der anfänglichen Aufforderung des Bandleaders zu "nieken".

Ein gelungener erster Abend. Obwohl ich von allen Bands bisher nur gelesen hatte und Rock-Musik normalerweise nicht in meinem CD-Player ist, habe ich Spaß gehabt. Mein musikalischer! Favorit des Abends war die hübsche Insha vom GO!Team, ohne Zweifel!

Am zweiten Tag fanden dann zwei zusammen die unbedingt zusammen gehören. Sonnenschein und Benjamin Diamond. Er spielte Songs aus seinen beiden Alben "Strange Attitude" und "Out of myself". Gerade Die Songs aus dem erstgenannten Album sind an sich elektronischer als die des zweite Albums, auf dem er Gitarren-Pop spielt. Diese Richtung übertrug er bei seinem Live-Auftritt auf alle Songs. Benjamin Diamond hat eine tolle Stimme. Das merkte auch das anfangs zurückhaltende Publikum, das sich zunehmend näher an die Bühne traute.

"Annie and the Anniemals" spielten tanzbaren Elektro-Pop, den man irgendwie nicht wirklich gut, aber auch nicht schlecht finden kann. Klanglich bekam man nichts neues zu hören, das Publikum hatte aber durchaus seinen Spaß.

Neu war mir hingegen wie phantastisch Hard-Fi sind. Die Jungs aus dem trostlosten Staines in London wissen wie man starke Musik macht. Mit Einflüssen aus Punk, Rock, Pob, Hip Hop und Dub lassen sie ihr Publikum des öfteren erstaunt aufhorchen und glücklich nicken und zucken. Kein Song der nicht wahnsinnig gut wäre und vor allem einer der wie sein Titel "kaum zu schlagen" ist. Nenene, live habe ich bisher noch keine coolere Gruppe gesehen. Ihr Album werde ich mir dringend besorgen. Wer noch nichts von Hard-Fi gehört hat, macht keinen Fehler einfach mal ungehört zuzugreifen!

Tomte spielte für Tomte-Fans -und für sich. Ich war nicht wegen Tomte da, deswegen fand ich ihren Auftritt mehr als langweilig und unlustig.

Maximo Park spielte straffen Pop bei dem es immer direkt zur Sache ging, man sich langsame Elemente von vornherein sparte. Das Publikum war aus dem, Häuschen und bekam noch zwei Zugaben!

Natürlich spielten Maximo Park auch ihre Hits „Graffiti“ und „Go Missing“, den zweiten als Zugabe. Zum Abschluß kamen Saint Etienne auf die Bühne. Leichte Pop- und Dance-Melodien aus den letzten 12 Jahren gemeinsamer Musik strömte durch das gutgelaunte tanzende Publikum. Sarah Cracknells Stimme gab den Songs immer eine persönliche Note. Nach 60 Minuten war ihr Auftritt zwar vorbei, doch die Zuschauer klatschten die Band wieder auf die Bühne. Sanfter, hymnenartiger Sound versüßte den Menschen den notwendigen Abschied vom diesjährigen Monster of Spex., dessen Highlights sicherlich Saint Etienne selbst, The GO!Team, Dinosaur Jr., Maximo Park und natürlich Hard-Fi waren.

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