30th Anniversary Tour 2005
Nachdem er aus Hawkwind gefeuert wurde, entschloss sich Lemmy Kilmister, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und eine Band zu gründen. Ursprünglich sollte die Formation „Bastard“ heißen, aber Lemmy konnte noch davon überzeugt werden, dass dies vielleicht nicht unbedingt der beste Name wäre. Vier Jahre später erlebte die Band dann erstmals eine Phase in ihrer Geschichte, die nicht unerheblich für den heutigen Kultstatus ist. In den Jahren 79/80 nahmen die Jungs nicht weniger als drei Meisterwerke auf: „Overkill“, „Bomber“ und „Ace of Spades“. Eine Grammy-Nominierung brachte ihnen ihr Album von 1991 „1916“ ein. Durch die Jahre tourten sich die Jungs den sprichwörtlichen Arsch ab und im hier und jetzt haben sie fast schon einen unantastbaren Status erreicht. Wie viele Musiker können das schon von sich behaupten? Eben!
Alle Jahre wieder sind Motörhead in der Stadt und alle Jahre wieder habe ich die lebende Legende einfach verpasst, da immer irgendwas anderes und unaufschiebbares auf dem Terminkalender stand. Umso schöner, dass ich mir die Band rund um „Warze“ Lemmy nun dienstlich angucken darf und kann. Neben Motörhead stehen noch Slunt und Mondo Generator als Vorgruppen auf dem Plan. Auf Mondo Generator durfte man auch mehr als gespannt sein. In welcher Verfassung wird sich Nick Oliveri präsentieren? Und bei wem es jetzt immer noch nicht klick gemacht hat, Nick Oliveri ist der verlorene Sohn der Queens Of The Stone Age.
Slunt haben wir leider verpasst, aber vor 20 Uhr schafft man es unterhalb der Woche leider nicht sich durch die Stadt (Berufsverkehr) zu quälen. Schade eigentlich, denn ich habe mir sagen lassen, dass die gar nicht so schlecht waren und einige Zuschauer haben sich nach deren Gig wohl auch die aktuelle CD zugelegt. Gegen 20.15 Uhr betraten dann Mondo Generator die Bühne. Es wurde auch nicht lange gefackelt und mit ohrenbetäubendem Lärm fegte die Combo wie eine Dampfwalze durch das E-Werk. Nick schrie sich am Mikro die Seele aus dem Leib und ansonsten war es schnell und laut – so wie man die Gruppe kennt und wie man es erwartet hatte. Nick machte einen erstaunlich fitten Eindruck und wenn man ihn so bei der „Arbeit“ sieht, dann wird einem schmerzlich bewusst, dass bei den „Queens“ schon irgendwie sein „krankes Element“ fehlt. Vielleicht kriegen Josh Homme und Nick Oliveri ja irgendwann noch mal die Kurve. Auf die Länge eines Gigs ist Mondo Generator allerdings auch etwas anstrengend.
Die Umbaupause wurde von den Zuschauern schon mal genutzt sich mit „Motörhead Motörhead“ – Rufen einzustimmen. Um 21.15 Uhr war es dann so weit und Lemmy, Phil und Mikkey enterten die Bühne. Nun brach vorne im Moshpit die wahre Hölle los und es gab kein Halten mehr. „Hello, we´re Motörhead and we play Rock and Roll. 1, 2, 3 ,4...“ Die drei Jungs zeigten der Crowd mal wo der Hammer hängt und feuerten uns ihre Hits wie „ Dr. Rock“, „Stay Clean“, „Love Me Like A Reptile“, „Killers“ und „Metropolis“ mitten ins Gesicht. So hat Rock and Roll zu klingen: dreckig, schmutzig und laut! Sehr laut! Aber wir waren hier ja auch nicht auf einem Kindergeburtstag, sondern bei der Band die den Slogan „louder than everything else“ für sich beansprucht. Der Song „R.A.M.O.N.E.S.“ wurde dann auch folgerichtig den Ramones und besonders Joey Ramone gewidmet. Die Band war mehr als gut drauf und legte eine erfreuliche Spiellaune an den Tag. Bei „Killed By Death“ gab es dann auch einen Special Guest – sehr zur Freude der männlichen Zuschauer. Moa Holmsten von der Stockholmer Band Meldrum durfte uns mit zwei sehr großen Argumenten beglücken und machte dies auch eindrucksvoll: Stimme (ehrlich gesagt eher dünn) und Tanz (ehrlich gesagt eher peinlich). Für diesen einen Song schien der Rest der Band nur noch lästiges Beiwerk zu sein und Moa bekam die gesamte Aufmerksamkeit der Zuschauer. Mit „Iron Fist“ beendeten Motörhead dann ihr Mainset. Nun folgte mit der ersten Zugabe ein Teil, wo sich wahrscheinlich jeder Journalist nie hätte träumen lassen, so etwas mal zu schreiben: Der Akustik-Part der Show war ganz groß, die Stimme von Lemmy sensationell gut, Lemmy spielte beeindruckend Mundharmonika, Phil und Mikkey machten einen hervorragenden Job an ihren Akustikgitarren... aber genauso war es bei „Whorehouse Blues“! Beendet wurde das Konzert dann mit den obligatorischen „Ace Of Spades“ und „Overkill“. Bei „Overkill“ half dann noch kurz Nick Oliveri bei den Vocals aus, zog aber dann ein Bad in der Menge vor und zeigte uns mal, was richtiges Stagediving bedeutet.
Als Fazit kann man wohl festhalten, dass Motörhead einer der wenigen authentischen Bands sind und konsequent ihr eigenes Ding durchziehen – fernab von jeglichen Trends. So sollte es sein! Motörhead zählen mit Sicherheit zu den Bands, die man mal gesehen haben sollte. Lemmy selber sieht die Sache auch eher unaufgeregt. Anlässlich der Deutschland-Tour sagte Lemmy im Interview: „Ein Konzert ist für mich nichts anderes wie aufs Klo zu gehen – nur dass mir dabei keiner zuguckt.“ Aha, na dann Rock and Roll...