Motörhead

Motörizer-Tour 2009 - Support: Der W. + Black Stone Cherry

01.12.2009 Palladium / Köln

Von: Ingrid Silvasi

Motörhead Köln

Bereits Türchen 1 meines Adventskalenders beschert mir ein besonderes Event: ein Drei-Generationen-Konzert als Tour-Auftakt im Kölner Palladium mit den jungen Southern-Rockern Black Stone Cherry, Mitt-Vierziger 'Der W.' Stephan Weidner und den Alt-Rockern von Motörhead an einem Abend!

So bunt gemischt wie die Musiker durch alle Altersklassen zeigt sich das Publikum allerdings nicht. Überwiegend Rocker älteren Schlages in Motörhead-Shirts und vereinzelt Böhse Onkelz-Fans in den ersten Reihen sorgen bei dem 30-Minuten-Set der Jungmusiker von Black Stone Cherry zunächst eher für verhaltene Reaktionen. Dies mag zum einen daran liegen, dass um 19 Uhr das Palladium noch recht leer wirkt und ich mich frage, ob Motörhead die Halle überhaupt noch gefüllt kriegen oder es liegt an dem leider schlechten Sound. Die sonst kräftigen Vocals von Sänger Chris kommen sehr bleiern rüber, der Sound ist nicht sauber. Der Spielfreude der Band tut dies keinen Abbruch. Basser Jon und Gitarrist Ben wirbeln über die Bühne und Schlagzeuger John Fred mimt mit seiner expressiven Spielart den Muppet Show-Drummer. Kaum eine jüngere Band hält dem Southern-Rock-Genre so die Treue wie Black Stone Cherry. Die durchweg harten Songs mit klasse Gitarrenriffs wie "Rain Wizard", "Maybe Someday" und "Lonely Train" mögen somit auch die ältere Generation überzeugt haben - hier und da bewegt ein Altrocker seinen Kopf im Takt. Und dass die Musiker mit ihren knapp 25 Jahren mehr Ahnung von den 50er, 60er und 70er Jahren haben als so manch Musik-Freak, beweisen sie an diesem Abend mit einer grandiosen Cover-Version von "Voodoo Child" – Hendrix hätte sich gefreut!

Ersatz für Thin Lizzy (Sänger John Sykes verließ im Sommer die Band) wurde für diesen letzten Abschnitt der Motörhead-Tour kurzerhand in Stephan Weidner und seinem Soloprojekt Der W. gefunden. Bereits letztes Jahr veröffentlichte er sein Solodebüt - der Name zieht also und die Böhse Onkelz-Fans folgen auch seiner neuen Band. Mit "Der W. zwo drei" beginnt Weidner mit einem Megaphon sein Set, teilweise haben seine Songs wie "Liebesbrief" einen leichten Elektro-Touch und so passen die Leuchtröhren im Hintergrund gut zur Show. "Bitte töte mich" geht als Ohrwurm in Mark und Bein über, seine provokanten Songtexte wie u.a. bei "Mein bester Feind" bieten wie in alten Zeiten Stoff für Reibereien und freie Interpretation. Von Publikumsseite hatte ich mehr Stimmung erwartet, es lief ja doch alles recht gesittet ab, aber so ist das nun mal bei einem recht belanglosen Konzert.

Den Ehrentitel der lautesten Band des Universums bekommt an diesem Abend nicht Manowar, sondern Motörhead. Der Rocker mit den dicken Warzen auf Stirn und linker Wange tut stets sein möglichstes, um seine Fans mit einem schreckenerregenden Orkan aus der Motörhead-Anlage buchstäblich vom Parkett zu blasen.

Lemmys Wodka-imprägnierte Stimmbänder und die Notwendigkeit seine Lungenkapazität zwischen Gesang und der schnellen Action auf seinem langen Bass aufzuteilen, begrenzt den Umfang der Motörhead-Melodien auf einige wenige Töne. Dies mag für einige langweilig klingen, jedoch sind Motörhead zur Kult-Band avanciert – da ist es egal, dass sich Lemmy kaum bewegt und seine Ansagen (wegen seinem Kauderwelsch oder dem fürchterlichen Soundbrei) kaum zu verstehen sind. Ganz in schwarz mit Cowboy-Hut brummelt er unbeweglich seine Texte zu Songs wie "Be My Baby", "Ace Of Spades" und "Killed By Death" ins Mikro. Wer könnte Lemmy mit Songzeilen wie 'If you squeeze my lizard' nicht lieben? Den Fans gefällt´s trotz Standard-Setlist mit u.a. "Metropolis", "Over The Top" und "Going To Brazil"!

Hinter dem Schlagzeug auf einer Anhöhe ist Mikkey Dee lediglich zu erahnen, wenn er seine Arme und blonden Haare umherwirbelt und nicht von den Nebelfontänen versteckt wird, während Gitarrist "Wizzo" alias Phil Campbell mit Schlapphut unbeeindruckt über die Bühne wandelt und souverän seinen Sechs-Saiter zupft. Kaum zu glauben, dass die Band seit 1975 die Musikgeschichte beeinflusst!

Vom Balkon aus sehe ich wie dicht gedrängt die Fans stehen, das Palladium ist doch noch fast voll geworden. Überraschungen sind live nicht mehr von der Band zu erwarten, jedoch verlangt diese auch niemand mehr – die solide Show wird standesgemäß mit "Overkill" nach über 90 Minuten geballter Energie und Lärm beendet. Mit etwas mehr Händchen seitens des Soundmannes hätte das Konzert nicht nur Augen sondern auch Ohren besser gefallen... hoffen wir mal, dass die miese Abmischung nur am Tourauftakt lag!

 

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