Mumford & Sons

Sigh No More Tour 2010

14.04.2010 E-Werk / Köln

Von: Simon Baranowski

Mumford & Sons Köln

Das E-Werk in Köln ist ausverkauft. Bis in die letzten Reihen drängen sich die angereisten Musikfans. Grund: Mumford & Sons geben ihr zweites Gastspiel in Köln. Das ursprünglich im Kölner Gloria stattfindende Konzert wurde aufgrund der immensen Nachfrage ins größere E-Werk verlegt. Ob das allerdings eine so gute Entscheidung war, wird letztendlich nach diesem Abend beurteilt. Mit ihrem 2009er Erstling "Sigh No More" touren Mumford & Sons jetzt mehr als ein Jahr lang durch die Clubs dieser Welt. Eine immer größer werdende Fangemeinde schließt sich den Engländern an. Von Geheimtipp redet schon lange keiner mehr. Radiotaugliche Songs wie "Little Lion Man" oder "The Cave" sind in aller Munde. Dazu kommt der seit längerem existierende Boom der Indiefolk-Sparte. Noah And The Wahle, Bon Iver, Loney, Dear!, The Avett Brothers – die Liste kann womöglich ins Unendliche gezogen werden.

Um halb zehn Ortszeit betreten Mumford & Sons unter großem Gekreische und ohrenbetörendem Applaus die Bühne. Sichtlich beeindruckt vom ausverkauften E-Werk beginnen die Engländer mit kleinen vorsichtigen Tönen. "Sigh No More" macht den Anfang. "Roll Away Your Stone" folgt dem Einsteiger. Die Zustimmung der Zuhörer ist zwar vorhanden, doch ein Warmwerden wird nicht verspürt. Jemand hat die Zündschnur ausgetreten. Gerede und Getratsche während der ruhigen Parts und zu wenige Tanzeinlagen des Publikums bei den rhythmischen Sequenzen verdeutlichen die fehlende Nähe zur Band, wie es eine kleinere Location hätte bringen können. Auch Mumford & Sons selber bedauern die nicht vorhandene Intimität, wie sie ein Gebäude 9 durchaus hätte liefern können. Immerhin reißt "Little Lion Man" einiges heraus. Der für die Masse kompatibelste Song lässt viele explodieren und auferstehen. Klatschende und singende Unterstützung ist hier vorprogrammiert. Auch das in der Breite hoch geschätzte "The Cave" kann überzeugen.

Neben den Songs ihres immer noch aktuellen Debüts "Sigh No More" präsentieren Mumford & Sons auch einige neue Stücke. Bei dem ersten neuen Track wird zum ersten Mal das bis dato unberührte komplette Schlagzeug von Sänger Marcus Mumford benutzt. Die vorne auf der Bühne installierte Standbassdrum, inklusive Schellenkranz, wurde in üblicher Countrymanier bisher im Stehen bedient. Während ihrer Liveshow im Kölner E-Werk wird hier und da mal die Instrumentenbesetzung umgekrempelt.

Pluspunkte sammeln Mumford & Sons mit dem scheinbar nicht aufhörenden Spaß deutsch zu sprechen - es wird immerhin versucht. Der Schnell-Deutsch-Kurs vom Backstagepersonal zeigt Wirkung. Weniger Wirkung zeigt indes die Darbietung vieler Songs. Der mehrstimmige Gesang scheint sich in Melodie und Tonlage des öfteren zu wiederholen. Das Publikum verhält sich bei den weniger bekannten Liedern sehr ruhig. Vielleicht sind aber auch nur zu viele vertieft in die Musik und wollen sich treiben lassen. Spätestens durch die Zwischenrufe eines fanatischen Zuhörers werden diese jedoch dann wieder kurzerhand ins Leben zurückkatapultiert. Schrecklich, wie sich manche Menschen in den Vordergrund spielen und dabei nicht einmal merken wie sehr sie andere stören und sich selber dadurch als Idiot bloßstellen.

Nach einer guten Stunde ist das Mainset vorbei. Der Mumford & Sons-Fan kann sich nicht beschweren. Hits, B-Seiten und neue Songs – was will man mehr? Der Zugabenpart besteht aus "To Darkness" und dem finalen "Dust Bowl Dance", bei dem erstmals Keyboarder Ben Lovett die Drumsticks schwingt. Ein wuchtiger Rausschmiss gelingt den Engländern dann zum Schluss also doch noch. Fazit des Abends ist auf jeden Fall, dass man sich glücklich schätzen konnte, wenn man zuvor Mumford & Sons in einem kleineren Ambiente erlebt hat. Die Nähe zur Band fehlte auf kompletter Ebene, sodass die Show eher als Durchschnitt zu bewerten ist. Musikalisch haben die Newcomer des letzten Jahres sicherlich nichts falsch gemacht, aber sie konnten durch den nicht übergreifenden Funken auch nichts richtig machen. Nächstes Mal dann lieber zweimal kommen und kleinere Clubs ansteuern.

 

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