Murderdolls

Women And Children Last-Tour 2011 - Support: Marionette

20.01.2011 Grünspan / Hamburg

Von: Melanie Schupp

Murderdolls Hamburg

Dunkelheit legt sich über Hamburg. Durch die von Neonlicht erhellten Straßen der Reeperbahn bahnen sich düster gekleidete Menschen zombieartig ihren Weg. Alle haben sie das gleiche Ziel: das Grünspan. Dort wollen sie nach Jahren seiner Abstinenz Zombiemeister Wednesday 13 und Konsorten, die als Murderdolls wieder ihr Unwesen treiben, sehen und mit ihnen feiern.

Um 20h betreten Marionette aus Göteborg die Bühne des noch nicht zur Hälfte gefüllten Grünspans. Sogleich brettern sie mit ihrem Melodic Deathmetal los. Optisch orientieren sich die noch recht jungen Musiker an Visual Kei. Doch die Jugend und die metrosexuelle Ausstrahlung täuschen. Mit der Brutalität schwedischer Hardcorebands und voller Körpereinsatz, ob beim gruppalen Headbangen oder Besteigen des Keyboards, wissen Marionette zu begeistern und zu beeindrucken. Besonders Keyboarder Linus Johansson scheint das Rampen- und Kamerablitzlicht zu genießen und posiert mit ungebremster Energie. Nur Drummer Jimmy Olausson geht die Sache sehr entspannt an. Wie ein Hurricane wirbelt Sänger Axel Widen über die Bühne. Erst fliegt die Maske von seinem Gesicht, später flattern sämtliche Oberteile davon. Nach exakt einer halben Stunde Spielzeit legt sich der Sturm und der Umbau beginnt.

Als das Intro "World According To Revenge" erklingt und die Murderdolls die Bühne betreten, flippt das bis dahin recht zurückhaltende Publikum völlig aus, als hätte jemand den Stromkreislauf eingestellt. Von "Chapel Of Blood" gelangt die Setlist zu einem dritten neuen Song mit "Death Valley Superstars" bevor Wednesday 13 das Publikum begrüßt. Die Menge ist von der ersten Sekunde der Show an im Banne der Murderdolls. Was auch von ihr verlangt wird, sie kommt den Aufforderungen zum Klatschen, Rufen oder Mittelfinger recken unverzüglich nach. Zu "She Was A Teenage Zombie" fliegen die Beine etlicher Crowdsurfer die sich über die Menge tragen lassen, in die Höhe. Von da an haben die fleißigen Security Mitarbeiter alle Hände voll zu tun. Doch Mister 13 agiert nicht nur als Befehlsgebender, sondern auch als Lehrer und bringt dem Publikum bei, worum es bei dem Ausdruck "Hell Yeah" geht, welcher dann freudig im Chor durch den Saal gerufen wird.

Eine mehr als eine Stunde dauernde Setlist umfasst ältere als auch neue Songs gleichermaßen. Das Publikum zeigt sich beim brandaktuellen "Summertime Suicide" ebenso textsicher wie dem älteren "Die My Bride" oder "Bad Things" von Wednesday 13's Soloprojekt. Und genauso freudig wie es aus der Masse zu den Musikern schallt, kommt es auch zurück. Voll Energie und mit höchster Qualität werden die Fans belohnt. Doch um 22.20 Uhr wird der unbändige Energieaustausch von Band und Zuschauern - oder besser gesagt "Mitwirkenden" - unterbrochen. Die Murderdolls verlassen die Bühne. Die anhaltende Dunkelheit im Raum verrät allerdings schon, dass gewiss noch etwas passieren wird.

Wenn auch gut mit roter Perücke getarnt, erkennt doch gleich jeder, dass es sich bei der Person, die auf die Bühne zurückkommt, um Joey Jordison handelt. Die Murderdolls erweisen dem Publikum erneut die Ehre. Nach "Dawn Of The Dead" und "Dead In Hollywood" ertönt nach einer erneuten Pause eine Stimme aus dem Lautsprecher. Diese erläutert die Bedeutung und die flexible Anwendung des Wortes "Fuck" in den verschiedensten Lebenslagen und mit Formulierungsbeispielen. Plötzlich wird einem bewusst, welch eine Wortschatzbereicherung ein "fuck" doch sein kann! Dann erscheint mit Wednesday 13 der lange und sehnlichst vermisste schwarze Schirm mit den weißen Buchstaben "FUCK" darauf. Und mit der Ode "I Love To Say Fuck" an dieses wandlungsfähige Wörtchen beenden die Murderdolls gegen 22:35 Uhr ihren Auftritt.

Erschöpft, doch um einen Ausdruck und ein Zauberwort reicher, stolpert das verausgabte Publikum nach draußen... In der Hoffnung nicht wieder mehrere Jahre auf das nächste Murderdolls Konzert warten zu müssen. Dieses war einfach zu gut - HELL YEAH!!!!

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