Muse

Tour 2009

16.11.2009 Kölnarena / Köln

Von: Willi Nickolaus

Muse Köln

Wahnsinn - Muse spielen in der Lanxess Arena! Kaum zu glauben, dass sich an einem Abend 12.000 Fans für das Konzert einer Band entscheiden, die alles andere als Mainstream ist. Ein Blick auf das weitere Programm der nächsten Monate verrät, dass zwar Rammstein diesen Monat in der ehemaligen Kölnarena gastieren, aber ansonsten gibt es in nächster Zeit hauptsächlich Einheitsbrei à la Pur, André Rieu oder Hansi Hinterseer. Sehr erfreulich also, dass am Beispiel von Muse so viele Leute Geld für ein Ticket einer Band ausgeben, deren Musik nicht immer leicht verdaulich ist. Auch wenn der Tonträgermarkt immer noch vor sich hinsiecht, wird dem Kulturgut wenigstens somit die nötige Wertschätzung entgegengebracht.

Und Muse ist jeden Cent dieser Investition wert! Denn die Show der britischen Band ist nicht nur unter musikalischen sondern auch unter optischen Gesichtspunkten ein absolutes Highlight. Als beim Opener "Uprising" vom neuen Album "The Resistance" der wummernde Bass ertönt, stehen die Jungs einzeln auf riesigen mit LEDs versehenen Türmen, die mit Animationen gespeist werden, die - genauso wie die Band - einfach nur flashen! Um die Hallengröße perfekt auszunutzen, hängen über den Köpfen der Bandmitglieder weitere drei animierte Türme. Gemeinsam mit der Lichtshow erzeugt die Musik eine Gänsehaut, die vor allem durch Matthew Bellamys Gesang bis zum Schluss aufrecht erhalten wird.

Sein charismatischer - zum Teil sehr hoher falsett-artiger Gesang - kommt CD-Qualität gleich und unterstreicht den hymnischen Charakter der folgenden Songs "Resistance" und "New Born". Spätestens jetzt bringt der Bombast von Muse die Stimmung zum Kochen, denn die Zuschauer auf den Rängen hält es nicht mehr auf ihren Sitzplätzen, sie heben ihre Hände in die Höhe und singen innbrünstig mit.

Die folgende Mixtur aus Alternative, Hard- bzw. Progressive Rock sowie elektronische Exkursionen und Klassik sorgen dafür, dass die Zeit wie im Fluge vergeht. Gerade die klassischen Elemente, die bei einigen Songs vom neuen Album viel Raum einnehmen, holen das Publikum zwischen den Uptempo-Passagen immer wieder runter und geben ihm die Möglichkeit, bis zu den nächsten harten Gitarrenriffs wieder Energie fürs Abgehen sammeln zu können. Die gezupften Geigen bei "Undisclosed Desire" sind nicht der einzige Beleg dafür, dass sich Matthew Bellamy für klassische Komponisten -  allen voran Franz Liszt und Richard Wagner - interessiert.

Eine Vorliebe, die Bellamy wahrscheinlich nicht mit allzu vielen Rock-Kollegen teilen wird. Ganz zu schweigen von seinem Faible für Theologie, Futurologie, Informatik und das Übernatürliche. Da wundert es auch nicht, dass der recht klein geratene Sänger auch kleidungsmäßig aus der Reihe tanzt. Die türkisfarbene Hose und die silbernen Glitzerschläppchen passen so gar nicht zu seinen teilweise recht harten Gitarrenriffs. Aber genau das unterscheidet die Band von anderen Combos. Muse ist einzigartig! So wie ihre Show, die sowohl bei den MTV- als auch bei den NME-Awards ausgezeichnet wurde. Wer sich an diesem Abend nicht a-muse-iert hat, ist selber schuld!

Setlist:

Uprising
Resistance
New Born
Map Of The Problematique
Supermassive Black Hole
MK Ultra
Interlude
Hysteria
Nishe
United States Of Eurasia
Feeling Good (Leslie Bricusse & Anthony Newley-Cover)
Helsinki Jam
Undisclosed Desires
Starlight
Plug In Baby
Time Is Running Out
Unnatural Selection
---------------
Exogenesis: Symphony, Part 1: Overture
Stockholm Syndrome
Knights Of Cydonia

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