Musical Project

Tour 2011

03.09.2011 Kurhalle / Nonnweiler

Von: Andreas Weist

Musical Project Nonnweiler

Am 3. September war es mal wieder soweit – das "Musical Project" gastierte in der Kurhalle im saarländischen Nonnweiler. Gespannte Stille herrschte, als David Steines die Bühne betrat und kurz in das Projekt einführte. Es ist eine regionale Geschichte mit Darstellern, die allesamt aus der Region stammen, in der das Saarland und Rheinland-Pfalz ihre gemeinsame Landesgrenze haben. Neun junge Frauen sind dabei – und besagter David als Hahn im Korb.

Man hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Zuschauern in einer 150minütigen Show die Welt der Musicals näher zu bringen. Das geschieht in der Regel so, dass eine Ansage aus dem Off kurz in die Geschichte des jeweiligen Werks einführt und dann einige Songs zu Gehör gebracht werden. Meist sind es die Ohrwürmer aus bekannten Musicals wie "Starlight Express", "Les Miserables", "Elisabeth" und "Tanz der Vampire". Doch selbst der bewanderte Fan des musikalischen Theaters kann unter Umständen noch ganz neue Perlen entdecken wie die Geistergeschichte "Rebecca" oder die tragische Story "Rudolf – Affaire Mayerling", die die Geschichte um Kaiser Franz-Joseph und Sissi weiterspinnt.

15 verschiedene Musicals wurden an diesem Abend in Nonnweiler vorgestellt und die Bühne jedes Mal in eine ganz neue Atmosphäre getaucht. Die voll besetzte Kurhalle konnte sich in die Meereswelt von "Arielle" einfühlen, in die Zeit der Wiener Klassik eintauchen oder sich zu "Jekyll & Hyde" und der "Rocky Horror Show" wohlig gruseln. Dabei verließen sich die Akteure nicht auf ein perfekt ausgestattetes Bühnenbild. Vielmehr wurde der Geist der jeweiligen Szene mit kleinen Elementen wie einem Schaukelpferd, Kerzenständern oder Grabsteinen eingefangen. Hinzu kamen fantastische Kostüme, deren Vielfalt wahrlich beeindruckte. Man muss vor allem dem einzigen männlichen Darsteller Respekt zollen, der ständig in neuer Ausstattung zur Stelle war.

David Steines ist Kopf und Allround-Talent des Ensembles. Mal taucht er als Falco auf, dann als Mozart, als Dr. Jekyll oder als Graf von Krolock. Begeisterungsstürme riefen sowohl sein Outfit der Edna Turnblad (im Kinofilm "Hairspray" gespielt von John Travolta) hervor, aber auch Davids eindringliche Interpretation eines der besten Musicalsongs überhaupt: "Die unstillbare Gier" aus "Tanz der Vampire". Idee und Ensemble entstanden aus einem Schulprojekt, an dem viele der heutigen Darsteller beteiligt waren. Steines möchte das Hobby zum Beruf machen und wird seit über einem Jahr an der Musical-Schule Hamburg ausgebildet. Bleibt zu hoffen, dass er das Amateurprojekt von dort aus noch lange fortführen kann.

Unter der Vielzahl weiblicher Gesangs- und Schauspieltalente fällt es schwer, jemanden besonders heraus zu greifen. Alle waren als Bestandteil des Ensembles gut eingesetzt und man konnte sich neben den Solotiteln auch an gekonnten choreografischen Einlagen und chorischen Gesangspassagen erfreuen. Die Musik dazu kam zwar stets aus der instrumentalen Konserve, der Stimmung tat das jedoch keinen Abbruch. Was dadurch leider fehlt, sind die Möglichkeiten zur Improvisation und eine Spontanität, die man nur mit echter Band erreichen kann.

Einige Sängerinnen will ich mal exemplarisch nennen (in der Hoffnung, damit niemandem auf die Füße zu treten): Amelie Michel beeindruckte mit dem Elisabeth-Song "Ich gehör nur mir" und brillierte auch in höchsten Tonlagen. Hannah Weiler gefiel mir sehr gut in ihrem emotionalen Monolog als Geliebte des Protagonisten aus "Jekyll & Hyde". Franziska Wollscheid lieferte ein phänomenales, ergreifendes Zusammenspiel mit David Steines in den drei tragischen Songs von "Rudolf – Affaire Mayerling" (bis hin zum blutigen Finale). Und Julia Gerardy sowie Janina Jungbluth zeigten schauspielerische und gesangliche Glanzleistungen als Nonnen in "Sister Act". Interessant dabei: Der Song "Die Welt, die ich nie sah" stammt tatsächlich aus dem Musical, das zur Zeit in Hamburg läuft, während das bekanntere "I Will Follow Him" nur im Kinofilm vorkommt, aus rechtlichen Gründen aber im Musical nicht verwendet werden durfte. Im Zuge des Projects wurde daraus eine spannende Einheit.

Bleibt noch der Abschluss: Bereits nach "I Will Follow Him" war begeisterte Stimmung im Saal. Doch als bekennender Fan der Fernsehserie "Glee" muss ich sagen, dass mich die chorische Interpretation des Journey-Songs "Don’t Stop Believing" noch stärker beeindruckte. Das Stück hat zwar nichts mit dem weiten Feld der Musicals zu tun, passte aber sehr gut zur musikalischen Ensemble-Leistung und brachte ein weiteres Mal den Spaß zum Ausdruck, den die Darsteller auf der Bühne haben.

Der Abend endete mit einem Zugabe-Medley aus "Ich war noch niemals in New York" und als die Standing Ovations kein Ende nahmen, durfte man sich ein weiteres Mal an "I Will Follow Him" und "Don’t Stop Believing" erfreuen (wobei die beiden Songs auch textlich sehr gut ineinander greifen).

Fazit: Alles in allem ein gelungener Abend mit einer von den Laiendarstellern getragenen Begeisterung, die das Publikum mitriss. Die jungen Sängerinnen und der Initiator, die Leute im Hintergrund, die für Bühnenbild und Kostüme, für Klang und Maske verantwortlich sind, hatten ganze Arbeit geleistet. Es war nicht alles perfekt – und doch konnte man oft vergessen, dass hier keine Profis am Werk waren. Eventuell täte ein leibhaftig in Erscheinung tretender Ansager dem Projekt ganz gut – und natürlich braucht David Steines dringend geschlechtsspezifische Verstärkung. Wo sind die männlichen Gesangstalente aus den Regionen Hunsrück und Saar?

Wer die Möglichkeit hat, sollte sich die nächste Aufführung in der Hochwaldhalle Hermeskeil anschauen: Bereits am Samstag, 10. September 2011 ist es soweit.

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