Myötätuulirock

Myötätuulirock Festival mit The 69 Eyes, Hardcore Superstar, Sturm Und Drang, Negative, Uniklubi, Yö, Charon, uvm.

14.06.2008 Hakunilan Urheilupuisto / Vantaa

Von: Diana Hartmann

Myötätuulirock Vantaa

Jedes Jahr mal was neues ausprobieren, sagt man. Im letzten Jahr schaute ich bei Myötätuulirock nur mal kurz für eine Band vorbei, und da es mir dort recht gut gefiel, und das 2008 Line-Up vielversprechend aussah, entschied ich mich, in diesem Jahr ein langes Festival-Wochenende in Vantaa zu verbringen. Seit Jahren findet in dem kleinen Vorort Hakunila jeweils Mitte Juni das Myötätuulirock-Festival auf dem Sportplatz statt. Für 2008 hatten sich sowohl einheimische Favoriten wie The 69 Eyes, Negative, Charon, Yö und Uniklubi als erstmals auch ausländische Künstler, wie zum Beispiel Hardcore Superstar und Malice In Wonderland angesagt.

Myötätuulirock ist ein kleines und kompaktes Festival, mit einem guten Angebot an Speisen und Getränken, allerdings leider zu ziemlich hohen Preisen. Es gibt aber noch einen Container-Supermarkt, in welchem man relativ günstig Lebensmittel einkaufen kann. Das Festival hat keine Altersbegrenzung, daher wird Alkohol in einem abgetrennten Barbereich verkauft. Und die ganz wagemutigen können sich natürlich, wie auf allen finnischen Sommerfestivals, beim Bungee-Springen an einem Gummiseil in die Tiefe stürzen.

Die Organisation des Festivals machte einen sehr kompeteten Eindruck. Das fing schon an der Abfahrt der Ringstraße an, als ich die ersten wegweisenden Schildchen entdeckte. Parkplatzprobleme gibt auf dem großflächigem Gelände nicht, und für fünf Euro durfte mein kleiner schwarzer das ganze Wochenende haut-… erm, blechnah das Festival mitverfolgen. Die Ausgabe der Pässe verlief auch problemlos, und es gab sogar gut sortierte Pressemappen inklusive Stift (für die ganz Unorganisierten) und Futter-Coupons dazu. Sehr vorbildlich!

Während es im Vorjahr bei Myötätuulirock zwei Bühnen gab, die praktisch nebeneinander lagen, und auf welchen sich die Bands abwechselten, ging man in diesem Jahr zurück zur Lösung mit nur einer Bühne. Persönlich fand ich das etwas schade, denn dies führte zu relativ langen Pausen aufgrund des nötigen Umbaus zwischen den einzelnen Künstlern.

Aber nun mal zum eigentlichen Teil des Geschehens. Ironica, female-fronted Rock und die erste Band des SAMSTAGS, verpassten wir durch unsere etwas späte Anreise. Ausgehend davon, was ich von der Band bei einem Support-Auftritt ein paar Wochen zuvor gehört habe, war das jedoch sicherlich nicht so ein dramatischer Verlust.

Der nächste Act war dann schon wesentlich interessanter. Ein Trio namens RA stürmte auf die Bühne, und holla die Waldfee! Die Jungs mit den langen Mähnen sind sage und schreibe gerade mal 12 Jahre alt. Drauf haben sie’s allerdings wie die Großen, gemessen an Talent, Bühnenshow und Attitude. Einige der ‘Künstler’, die heutzutage unverständlicherweise Plattenverträge haben, könnten sich davon mal eine gehörige Scheibe abschneiden! Wenn man aufgrund des niedlichen Aussehens (ich hätt alle drei am liebsten gleich eingepackt und mitgenommen) einen eher kindlichen Auftritt erwartet hätte, hätte man sich schon mal sehr getäuscht. Nordischer Metal in Kinderschuhen trifft es da schon eher. Sänger und Bassist Jaanis hat das Zeug zum Frontman, und eine Stimme wie geschaffen für diese Art von Musik. Dem Gitarristen Tomi, der teilweise auch Gesangsparts übernimmt, werden in ein paar Jahren die Mädchenherzen reihenweise zu Füßen liegen, wenn er mit seiner im Moment für ihn noch etwas zu grossen Gitarre ganz cool seine Solos runterschrammt. Und Drummer Jess, der im noch etwas zu grossen Gunners T-Shirt kaum hinter seinem Drumkit hervorgucken kann, komplettiert das Trio, welches das Publikum reihenweise in Erstaunen versetzte. Ich denke mal RA sind ein ziemlich klarer Fall von ‘lasst mal ein paar Jahre vergehen, dann sehen wir die Jungs als Headliner!’ Ein super Gig, und um vorzugreifen, einer der besten des gesamten Wochenendes. Schade nur, dass es bislang nur ziemlich wenig Info über RA gibt, was sich aber hoffentlich bald ändern wird.

Als nächstes gab es was ganz exklusives, nämlich Charon. Ja, richtig gehört, J-P und sein Gefolge reisten extra aus dem hohen Norden an, um für Myötätuulirock etwas von ihrem brillianten Goth Metal zum Besten zu geben. Der einzige Festival-Gig in Finnland in diesem Sommer, und wann der nächste kommt… nun, das wissen sicher noch nicht mal Charon selbst. Sie sind ja bekannt für wenige Konzerte, und ein neues Album lässt auch seit 2005 auf sich warten. Aber es soll tatsächlich noch in diesem Jahr fertig werden… Ein gutes Set zu früher Stunde, welches neben Klassikern wie ‘Colder’ und ‘Sister Misery’ auch zwei neue Stücke enthielt. Man darf also wirklich auf das kommende Album gespannt sein. Am Ende sprang J-P mit einer gekonnten Drehung elegant von der ca. 1,70m hohen Bühne und liess sich von den Fans auch noch mal ordentlich durchknuddeln.

Stam1na folgten als nächstes, und sorry, das war mir echt eine Nummer zu laut, deshalb verzogen wir uns dann erst mal zum ‘Mittagessen’ nach Backstage. Verwunderlicherweise sind die wirklich auf fast jedem Festival gebucht. Jede Menge Bewegung, Headbanging, Haare und vor allem Krach auf der Bühne. Nun ja, Begeisterung lösten sie bei den Heavy-Fans auf jeden Fall aus, die scheinen Stam1na echt zu mögen. Aber mein Fall war das leider so gar nicht.

Nach der nächsten Umbaupause beehrten uns die Battle Metaller von Turisas, die sich nach dem alten finnischen Kriegsgott benannten. Und da wurde es erst mal ziemlich bunt! Dieses Folk Metal-Zeugs ist zwar auch nicht so mein Ding, aber das was Turisas boten, war wirklich speziell. Rot-schwarz bemalte Krieger in Vikingerkostümen, die die Schlachten von Holmgard besingen, rockten was das Zeug hielt. Das Publikum (teilweise mit Schwertern bewaffnet) war absolut dabei und feierte Turisas wie wahre Helden. Eine verdammt gute Festival-Band, die das Publikum von vorne bis hinten begeisterte – und das mit Leichtigkeit.

Um 19 Uhr wurde es dann endlich Zeit für das, worauf ich mich eigentlich schon seit Wochen freute: Hardcore Superstar aus dem benachbarten Schweden. Wen interessierte es, dass es mittlerweile Bindfäden regnete? Genau, niemanden – wenn die Lehrmeister des Rock‘n’Roll schlechthin höchstpersönlich ihre Show ablieferten. Dafür konnte man sich schon mal durchweichen lassen. Enttäuscht wurden wir natürlich auch nicht, denn sie präsentierten sich von der ersten Sekunde an mit voller Energie – wie immer. Sänger Jocke hatte das Publikum mit seiner selbstsicheren und gespielt-arroganten Art im Handumdrehen im Griff, ist allerdings ein Alptraum für jeden Fotograf, da der Mann wirklich keine Zehntelsekunde still stehen kann. Obwohl, lange genug schon, damit jeder seine Rückenansicht genießen konnte: die Jeans hingen auf halb fünf um den Blick auf die darunter befindlichen Superman-Boxers freizugeben, und das T-Shirt zierte ein Fuck Off in grossen Buchstaben. Gitarrist Vic, der für den im letzten Jahr ausgestiegenen Thomas in die Band kam, ist (zumindest von weiblicher Seite aus gesehen), der bestaussehendste Zugang den es hätte geben könnte. Auch steht er Jocke in nichts nach, was das über-die-Bühne-fegen angeht. Neben Klassikern wie ‘Bag On Your Head’, ‘Wild Boys’ und dem Titelsong des letzten Albums, ‘Dreaming In A Casket’, kamen wir auch in den Genuss einiger eher selten live gespielter Stücke, wie z.B. ‘Bastards’, welches auf keinem Album zu finden ist, sondern nur in Schweden als Single veröffentlicht wurde, und das etwas ruhigere ‘Standing On A Verge’. Zweimal kamen sie unter tosendem Applaus zurück und für die letzte Zugabe, den Must-Have Song im Set, ‘We Don’t Celebrate Sundays’, liess Jocke auch gleich noch sein Shirt weg. Vic und Jocke begaben sich schlussendlich auch noch in den Bühnengraben, um sich ausgiebig feiern zu lassen. Länger hätte der Gig allerdings nicht dauern dürfen, denn sonst hätte Jocke seine Jeans noch ganz verloren… ;) Wieder mal ein absolutes Sahne-Konzert, und selbstverständlich mein Highlight des Wochenendes, wie eigentlich zu erwarten war. Warum diese Band nicht Headliner war, frage ich mich immer noch.

Nun ja, durchgeweicht wie ich war, musste ich zu den Eurovision-‘Stars’ Teräsbetoni leider sorry sagen, die sicherlich keinen leichten Job hatten, nach einer Band wie Hardcore Superstar auf die Bühne zu gehen. Ich machte mich derweil fix mit meinem Auto mal eben auf den Weg ins nahegelegene Hotel, um etwas Trockenes anzuziehen, mich etwas aufzuwärmen, und den Regenschirm einzupacken. Bin eben doch ‘ne Memme… ;)

Als die Helsinki Vampires (oder besser bekannt als The 69 Eyes) ihre Show starteten, goss es immer noch wie aus Eimern. Dementsprechend leer fand ich das Festivalgelände nach meiner Rückkehr auch vor. Sehr verwunderlich war es eigentlich aber nicht – wer holt sich schon gerne den Tod bei solchem Wetter, für etwas, was mehr oder weniger total vorhersehbar ist? Während die Eyes sicherlich ein Highlight für diejenigen sein mögen, die sie noch nie oder nur ganz selten live erlebt haben – für diejenigen, die sie auf Festivals jährlich sehen, wird es doch eher langweilig. Kontinuität ist an und für sich ja nichts schlechtes, aber in dem Falle vielleicht schon. Sie spielen gut, aber immer das gleiche. Sie sehen immer gleich aus und die Ansagen zwischen den Songs kann man bald mitsprechen. Ein typischer Fall von ‘einmal gesehen, immer gesehen’. Als Review-Schreiber könnte man da gut und gerne den Text des Vorjahres kopieren, welcher sicherlich zu 99% korrekt wäre. Beim Myötätuulirock 2008 wurde die übliche 0-8-15 Setlist allerdings durch die Zugabe eines The Doors Covers, ‘L.A. Woman’, etwas aufgewertet. Aber das wars auch schon. Ich mag die Eyes auf CD ja eigentlich ganz gern, aber live sind sie wirklich nicht unbedingt der Brüller, vor allem nicht, wenn das Wetter nicht mitspielt. Nach dem Lost Boys Outro war es dann auch endlich an der Zeit, ins warme Hotelbettchen zu kriechen, und mit viel Glück würde der Gig des Tages, Hardcore Superstar, im Traumprogramm noch einmal wiederholt werden…

Am SONNTAG Mittag hatten sich die Regenwolken dann gottseidank verzogen, als Ensiferum den Festivaltag eröffneten – vor einem zahlreicheren Publikum als die letzte Band des Vorabends, sei angemerkt. Battle Metal die Zweite. Männer in kurzen Finnland-Röckchen, allerdings fehlte denen dann doch die tolle Farbkombination von Turisas um einen optischen Eindruck zu schinden. Musikalisch gesehen erfreuten Ensiferum zumindest die Battle Metal Fans, die sich vor der Bühne versammelt hatten, samt die Stammtischbesetzungen im Barbereich.

Die zweite nicht-finnische Band des Festivals reiste aus dem benachbarten Norwegen an: Malice In Wonderland, die in diesem Sommer gleich mehreren finnischen Festivals einen Besuch abstatteten. Die kurze China-Tour als Negative-Support im letzten Herbst und einige Support-Slots mit anderen bekannten Bands in finnischen Clubs machte Finnland wohl auf die Norweger aufmerksam. Malice In Wonderland ist angenehmer Glam Rock mit einem Hauch von Goth, passt somit wunderbar in die finnische Musikszene und zog so einige Fans und Zuhörer vor die Bühne. Im Vergleich zu einigen (raren) Club-Gigs, die ich in Norwegen vor Jahren gesehen hatte, war der Auftritt beim Myötätuulirock eine ziemliche Überraschung. Ich erinnerte mich an eher statische Performances, aber Fronter Chris Wicked wetzte hier ziemlich energetisch über die Bühne und becircte das Publikum. Vom Debütalbum, ‘Malice In Wonderland’, spielten sie gerade mal zwei Songs, denn 80% des Sets bestand aus neuem Material, welches sich sehr gut anhörte, und welches hoffentlich noch in diesem Jahr in Form des zweiten Albums für alle zugänglich sein wird. Mein Highlight des Gigs war allerdings einer der letzten Songs des Sets: eine sehr gelungene Cover-Version des The Cult-Klassikers ‘Rain’.

Und dann war es Zeit für die Hangover-Stars des Wochenendes, in Finnland auch bekannt als Uniklubi. Zeitgleich waren sie Auslöser des ersten Kreischalarms des Wochenendes. Ich liebe die Jungs ja nun wirklich über alles – aber die Show war leider nicht so der Kracher. Die können das echt besser, und das wissen sie auch. Musikalisch gesehen war es zwar akzeptabel, aber sonst kamen die Tampere-Rocker so ziemlich lustlos rüber. Auch ein geschäftiges Tingeltangel-Wochenende, bei dem die Band auf mehreren Festivals im Land spielte, sollte keine Entschuldigung für mangelnden Enthusiasmus sein. Auf der Setlist, die einen üblichen Querschnitt des Uniklubi-Repertoires enthielt, wurde leider so einiges gestrichen, und die Fans somit um den eigentlichen Must-Have-Song ‘Huomenna’ gebracht. Sie verbrauchten wohl auch 90% der Trockeneis-Produktion des Festivals, was nicht unbedingt dazu beitrug, die Show optisch genießen zu können, denn die meiste Zeit sah man nicht sehr viel. Einziger Vorteil des vielen Nebels war, dass man Fronter Jussis neuen (etwas misslungenen) ‘Haarschnitt’ nicht so genau betrachten musste. Bassist Teemu sammelte anfangs zwar Pluspunkte mit seinem Entwine T-Shirt, wandelte diese aber wieder in Minuspunkte um, als er es zur Zugabe auszog… ;) Da ich die Jungs kenne und wirklich gerne mag, sei ihnen dieser Fehltritt (mal wieder) verziehen – ich hoffe nur, dass sie beim nächsten Festivalauftritt wieder in ihrer normalen und mitreißenden Art präsent sind.

Weiter ging es im Programm mit dem Idols-Gewinner von 2007, Ari Koivunen, der von den Finnen auch liebevoll Hevi-Ari genannt wird. Aus dem einfachen Grund, dass er einer der wenigen ist, der dem typischen Pop-Geschmalze, welches mit Idols (in Deutschland bekannt als DSDS) verbunden ist, den Finger zeigte, und stattdessen ordentlich mit eher kommerziellem Metal loslegte. Ziemlich jung und noch milchbubihaft in Erscheinung hat er das Headbanging allerdings schon drauf. Auch in Punkto Stimme, Bühnenpräsenz und Interaktion mit der, größtenteils jungen weiblichen, Fangemeinde bekommt Ari volle Punktzahl. Alles in allem eine angenehme Darbietung; ich war nur sehr überrascht, dass er seine Hit-Single ‘Hear My Call’, mit welcher der Durchbruch kam, nicht mit im Set hatte.

Auf die nächste Band war ich gespannt wie ein Flitzebogen. Negative – einst meine absoluten Favoriten, war ich vom neuen Album ‘Karma Killer’ doch ziemlich enttäuscht, da es für mich schien, als ob die Band eher einen Geschwindigkeitsrekord mit den Aufnahmen aufstellen wollte, als gewohnte Negative-Qualität abzuliefern. Zudem liessen sie live schon vor einiger Zeit etwas nach; die Atmosphäre und die unbeschwerte Art, für die ich die Band anfangs so sehr mochte, waren mit dem kommerziellen Erfolg einfach weg. Nachdem Mädchenschwarm Sir Christus wegen gewissen Problemen im Januar aus der Band entfernt wurde, spaltete sich das Fanlager so gut wie in zwei Teile, und ich fragte mich, ob diese Entscheidung (obwohl angebracht und verständlich) für Negative’s Zukunft wohl die richtige war. Nach der Show auf dem Myötätuulirock, der ersten, die ich mit Neubesetzung Gary sah, kann ich nur sagen: JA! Der neue (vorerst nur Live-)Gitarrist Gary, den Negative sich von Technicolour geklaut haben, passt super in die Band, und was am wichtigsten war: ich hatte endlich wieder das Gefühl, dass der alte Glanz wieder da ist, für den ich Negative so mochte. An die neuen Songs muss ich mich zwar immer noch gewöhnen, und der Sound wurde wohl von einem mehr oder weniger tauben Mixer geregelt, aber das machte alles gar nicht so viel aus, denn die Show, die Negative boten, war klasse und machte so richtig Spaß. Man konnte sehen, dass die Jungs mit vollem Enthusiasmus dabei waren und Freude am Auftritt hatten – fast wie in alten Zeiten. Es ging allerdings erst mal mit Problemen los, denn irgendjemand vergaß wohl, Sänger Jonnes Mikrofon anzustellen, und so bekamen wir die erste Hälfte des Openers ‘Glory Of The Shame’ nur als Instrumental-Version. Neuzugang Gary grinste sich derweil einen ab, als er die Blicke hin und her über die Fans in den ersten Reihen wandern liess, und ansonsten einfach drauflosspielte. Ich glaube, der gute Mann braucht noch eine Weile, um sich an das Bild zu gewöhnen. ;) Dazu noch jede Menge lustige Possen von Bassist Antti, der immer für ein Spässchen zu haben ist, und Jonne, der fantastisch drauf war und das Publikum gut gelaunt herumdirigierte. Am besten war die Stimmung bei alten Klassikern wie ‘Frozen To Lose It All’ und ‘The Moment Of Our Love’. Das Myötätuulirock-Publikum bekam dann aber auch noch etwas ganz spezielles geboten, als Background-Sängerin Capri, die sowohl auf dem neuen wie auch auf vorherigen Alben Negative ihre fantastische Stimme lieh, für ‘Giving Up’ mit auf die Bühne kam. Ich habe Capri schon öfters auf einigen dieser Pub-Gigs, die hin und wieder in Tampere stattfinden, gesehen, und bin der Meinung, dass diese Frau mit ihrem Gesangstalent unbedingt ihren eigenen Plattenvertrag haben sollte. Am Ende flogen wieder Unmengen an Rosen ins Publikum und die Jungs versammelten sich händchenhaltend für die Schluss-Verbeugung; eine Geste, die sie bis heute beibehalten haben und die ich immer wieder toll als Abschluss für ein gelungenes Konzert finde. Auf die Gefahr hin, einige Negative- (oder eher Christus-) Fans zu verstimmen: die Umbesetzung im Bereich Gitarre war der einzig richtige Schritt, den die Band für ihre Zukunft in der gegebenen Situation tun konnte. Ich jedenfalls freue mich nun wieder auf das nächste Negative-Konzert.

Nach diesem Highlight brauchten wir erst einmal eine kleine Pause im Biergarten, während die Altrocker von Yö das Publikum schier begeisterten. Ich bin mir sicher, sie hatten definitiv das zahlreichste Publikum des Festivals, und alles vom Baby bis hin zum Senioren schaute zu. Man fühlte sich fast wie bei einem Familienausflug in den Park mit musikalischer Untermalung. Während Yö als Festival-Band definitiv nicht schlecht und bei den Finnen mehr als beliebt sind, war es für unseren Geschmack aber zu wenig abwechslungsreich und so mopsten wir uns lieber noch ein Eis am Stiel aus der immer zugänglichen und gut gefüllten Eistruhe im Backstage.

Nach einer weiteren Umbaupause war es an der Zeit für ein bisschen Action mit den Jungspunden von Sturm Und Drang. Trotz ihren 15 Jahren haben diese Metal-Kids schon eine beeindruckende Konzertliste – von Shows überall in Finnland, über supporting Cello-Stars Apocalyptica auf ihrer letzten Mitteleuropa-Tour bis hin zu Auftritten in Japan und beim berühmten Wacken Open Air. Ihr Debutalbum ‘Learn To Rock’ verkaufte Platin, und die Kids sind mehr Rockstars als manche doppelt so alten, die es gern sein würden. Zu spannenden Pyro-Effekten stürmten die fünf Jungs aus Vaasa auch regelrecht los, und hielten diese Energie, Bühnenpräsenz und Selbstsicherheit die gesamte Show über aufrecht. Sänger und Gitarrist Andre hat alles, was einen erfolgreichen Fronter ausmacht. Er singt und spielt gleichzeitig mit einer bewundernswerten Mühelosigkeit, kommunizierte mit dem Publikum und liess sich sogar von einem der Crew-Mitglieder auf Schultern durch den Bühnengraben tragen, während er seine Gitarrensoli runterschrammte. Fast alle Songs des Debütalbums wurden zum besten gegeben, und obendrauf gepackt gab es noch einige Cover-Songs, unter anderem das fantastische ‘Fear Of The Dark’ von Iron Maiden. Bevor die letzten Feuerbälle bei ‘Forever’ die Show ausklingen liessen, bekam jedes Bandmitglied noch einen kurzen Solo-Part zur Vorstellung. Die Jungs sind für ihr Alter echte Profis, und wir werden sicher noch eine Menge von ihnen hören.

Es schien, dass sich nach dieser fantastischen Darbietung eine Menge Leute für dieses Jahr vom Myötätuulirock verabschiedeten. Lediglich die Hardcore-Fans entschieden sich, dem letzten Act des Festival-Wochenendes, Graham Bonnet & Joe Lynn Turner, noch beizuwohnen.

Auch wir verabschiedeten uns, und bedanken uns recht herzlich für ein fantastisches Festival und hoffen, im nächsten Jahr wieder dabeizusein. Einen Wunsch haben wir allerdings: es wäre schön, wenn es dann wieder zwei Bühnen geben würde so wie im Vorjahr, denn das würde die Umbaupausen ersparen und noch mehr tollen Bands die Möglichkeit geben, auf diesem großartigen kleinen Festival zu spielen.

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