Nada Surf

If I Had A Hi-Fi - Tour 2010

20.04.2010 Gloria Theater / Köln

Von: Simon Baranowski

Nada Surf Köln

Nada Surf sind in Köln immer ein gern gesehener Gast. Arbeitete man sich vom Prime Club (2002) über den Alten Wartesaal (2005) bis hin zur Live Music Hall (2008) hoch, so ist man im Jahre 2010 etwas bescheidener geworden und spielt im beschaulich gemütlichen Gloria Theater. "If I Had A Hi-Fi" heißt das neue Album von Nada Surf und beinhaltet 12 neu interpretierte und arrangierte Songs bekannter und weniger bekannter Künstler. So ist die Freude beim den Zuhörern im rappelvollen Gloria natürlich groß. Wie mögen die Coversongs klingen? Zur Live-Unterstützung auf der Bühne haben Sänger/Gitarrist Matthew Caws, Bassist Daniel Lorca und Schlagzeuger Ira Elliot keinen geringeren als Calexico-Mitglied Martin Wenk mitgebracht.

Mit "See These Bones" vom 2008er Album "Lucky" eröffnen Nada Surf das Set. Ein langsamer sich aufbauend steigender Beginn. Mehr als nur anerkennender Applaus begegnet den vier Musikern auf der Bühne. Matthew Caws stellt dann darauf gleich mal fest, dass das Gloria mit Publikum größer wirkt als noch beim Soundcheck ein paar Stunden vorher ohne. Dicht an dicht stehen Männlein und Weiblein und sind gespannt auf das was folgen mag. Nach dem schönen "Weightless" und dem poppigen "Happy Kid" benötigt Bassist Daniel Lorca eine kurze Reparaturpause. Der Gurt seiner stets tiefhängenden Bassgitarre hält nicht. Kurzerhand wird improvisiert und Caws spielt "Blizzard Of '77" alleine auf der Akustik Gitarre. Eine gern genommene Improvisation. Mit "Love Goes On" präsentieren Nada Surf dann zum ersten Mal ein Coverstück vom neuen Album. Ursprünglich von den Go-Betweens eingespielt, gestalten Nada Surf "Love Goes On" zu ihrem eigenen Song. Ebenso ist es bei dem eher unbekannten "Electrocution" im Original von Bill Fox. Die Coversongs klingen in ihrem typischen pop-rockigen Nada Surf-Gewand wie Eigenkompositionen. Auch das von vielen für ausgenudelt gehaltene "Enjoy The Silence" klingt erfrischend anders und entwickelt sich prompt zu einem Höhepunkt des Abends.

Zwischen den Songs kommunizieren Nada Surf fleißig mit ihrer Anhängerschaft. So werden aus einer auf der Tour aufkommenden Langeweile heraus Filmtitel gesucht, in denen man das Wort "Snack" einbindet. Die Twitter Seite der Band (www.twitter.com/nadasurf) gibt darüber noch genaueren Aufschluss. So entstehen durch Zurufe aus dem Publikum solche Klassiker wie "No Country For Old Snacks", "Snax And The City" oder "Snackless in Seattle". Eine eher situationsbedingte Komik, die aber die Lockerheit zwischen Band und Publikum nur unterstreicht. Nach den ersten Covereinlagen konzentrieren sich Nada Surf wieder auf ihr eigenes Material. Ein Mix zwischen etwas tragenden, melancholischeren Nummern ("80 Windows" mit toller Trompeten-Unterstützung von Martin Wenk, "Killian's Red") und für Nada Surf charakteristischen Nummern wie "I Like What You Say" oder "Hi-Speed Soul". Das Dwight Twilley Cover "You Were So Warm" wird der Familie Ira Elliots gewidmet, die vorne im Publikum steht. Während "Blonde On Blonde" sich diesmal etwas in die Länge zieht, versüßen "Hyperspace" und "Whose Authority" das Herz und vor allem das Tanzbein. Kate Bushs "Love And Anger" klingt irgendwie gar nicht mehr nach Kate Bush. Auch diese Nummer erstrahlt in neuem Licht. "The Way You Were Your Head" bildet den Schlussakkord des Mainsets. 20 Songs sind bis hier hin schon gespielt worden. Nada Surf verkörpern eine sympathische Spritzigkeit und Authentizität, trotz der Covereinlagen.

In der Zugabe kommt mit "Amateur" ein nicht allzu häufig gespielter Track zum Vorschein und beim wahrscheinlich für alle unbekannten Cover "Evolution" von der spanischen Band Mercromina, ein Song, der bis dato noch nie live gespielt wurde. "Always Love" darf am Ende genauso wenig fehlen wie "Blankest Year" in der alle geschlossen mehrmals hintereinander "Fuck It" schreien dürfen. Denn die Schlusssequenz des mit bekanntesten Tracks von Nada Surf wird von den Vieren auf der Bühne mindestens dreimal wieder angespielt, so dass man ein klein wenig enttäuscht ist, dass die Party genau jetzt zu Ende ist.

Nada Surf absolvieren eine kugelrunde Show mit wenig Schwächen und ganz vielen Sympathiepunkten. Vor allem die Nähe der Band zu ihren Fans, das Winken und Grinsen mal hier hin und mal dort hin, lässt die Akteure auf der Bühne im gleichen Licht stehen, wie alle anderen. Calexicos Martin Wenk ist ein musikalischer Pluspunkt. Durch den eingebrachten Synthesizer Sound, das Trompetenspiel (vor allem bei "Blankest Year" und "80 Windows") und zusätzlichem Gitarrenpart wirken viele Lieder voller und energischer. Rhythmus- und Lead-Gitarre fallen somit nicht nur auf Matthew Caws ab. Was überhaupt nicht auffällt ist, dass vom ersten Longlayer "High/Low" kein einziger Song gespielt wird. Es geht also auch ohne "Popular", "Zen Brain" und "Stalemate". Alle Fans können sich für die kommenden Shows auf einen tollen Abend freuen.

Setlist:

See These Bones
Weightless
Happy Kid
Blizzard Of 77
Love Goes On (The Go-Betweens)
Fruit Fly
Electrocution (Bill Fox)
Enjoy The Silence (Depeche Mode)
80 Windows
I Like What You Say
Hi-Speed Soul
What Is Your Secret?
Killian's Red
You Were So Warm (Dwight Twilley)
Blonde On Blonde
Hyperspace
Whose Authority
Love And Anger (Kate Bush)
Do It Again
The Way You Wear Your Head
---------------
Amateur
Evolution (Mercromina)
Always Love
Blankest Year

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