Rocklegends in Concert
Mit Nazareth und Uriah Heep hatten gleich zwei Legenden im Doppelpack in die Baldenauhalle nach Morbach geladen. Ein Ereignis, das die Hardrock-Fans im Hunsrück in Scharen anlockte. Und so war die Halle auch schon bis auf den letzten Platz (und darüber hinaus) gefüllt, als wir pünktlich zu den ersten Klängen von Nazareth eintrafen. Das Publikum war bunt gemischt – mit klarem Schwerpunkt auf die älteren Semester. Doch es gab auch viele junge Menschen, die sich das Gastspiel der Weltstars in Morbach nicht entgehen lassen wollten.
Die Schotten von Nazareth sind seit nunmehr 43 Jahren auf den Bühnen der Welt unterwegs. Natürlich gab es einige Besetzungswechsel, doch Bassist Pete Agnew und Sänger Dan McCafferty sind seit Gründung der Band mit dabei. So war es dann auch das Urgestein am Mikro, das von Anfang an die Menge in seinen Bann zog und fest im Griff hatte. Wenn ich mich zurück erinnere, waren die Schotten der unvermeidliche Begleiter aller Klassenparties Ende der 80er Jahre und konnten mit ihren Schmalzpfropfen "Love Hurts" und "Dream On" jeden Liebeskummer noch ins unermessliche steigern. Diese beiden Balladen gab es auch in Morbach zu hören, doch zumindest in diesem Fall muss ich sagen: man spürte die altersgemäßen, stimmlichen Einschränkungen des Sängers, der in den höheren Tonlagen deutliche Probleme hatte. Jeder dahergelaufenen Coverband würde man für solche Eskapaden sein Missfallen ausdrücken. Doch hier spielte und sang das Original – deshalb sei es verziehen.
Darüber hinaus glänzten Nazareth in ihrem kompletten Set mit Spielfreude und ordentlicher Gitarrenkunst. Sie rockten durch ihre Historie und boten eine hardrock-lastige Mischung aus fetzigen Ohrwürmern. Das neue Album trägt den Titel "Big Dogz" und wurde mit dem kraftvollen "Big Dog’s Gonna Howl" und dem hymnischen Bluestitel "When Jesus Comes To Save The World Again" gewürdigt. Dazu kamen natürlich Klassiker wie "This Flight Tonight", "Razamanaz" und "Morning Dew". Der Schwerpunkt der Performance lag auf spannenden Songs, die trotz aller Ecken und Kanten den Vorgaben des Melodic Rock folgen und sich nicht zuletzt auf Dan McCaffertys prägnante Vocals stützen. Man nahm ihm ab, dass er die Songs nicht nur interpretierte, sondern feste weg durchlebte – eindringlich, mit Reibeisenstimme und dennoch überaus kraftvoll. So werden Legenden in 80 Minuten Konzertlänge zum Leben erweckt.
Dann waren Uriah Heep an der Reihe. Ebenso alt wie Nazareth und eng mit den schottischen Nachbarn befreundet. So kann ihre gemeinsame Tour nur zur weltweiten Festspielreihe werden. Bei Uriah Heep waren die Besetzungswechsel über die Jahrzehnte prägnanter. Nur Leadgitarrist Mick Box ist von der Urformation noch dabei. Am Mikro steht seit 1986 Bernie Shaw, der mit blonder Mähne einen überaus soliden Job ablieferte, aber nicht so wie McCafferty zum ruhenden Pol der Band wurde. Vielmehr wirbelte er hektisch über die Bühne und gab sich jugendlicher als er augenscheinlich ist. Sei’s drum.
Musikalisch war es wie gewohnt ein Greatest-Hits-Ritt durch die Bandgeschichte. "I‘m Ready" vom neuen Album eröffnete und schon als dritten Song gab es den Ohrwurm "Stealin‘". Von da an gab es kein Halten mehr. Die neuen Tracks des Longplayers "Into The Wild" – erschienen im April 2011 – wurden geschickt im Set verteilt und kamen gut beim Publikum an. Immer schön, wenn sich die Bands der alten Garde nicht auf ihre früheren Werke verlassen, sondern auch Neues unters Volk bringen. In der zweiten Hälfte und im Zugabenblock gab es schließlich die ersehnten Evergreens wie "Bird Of Prey", "Gypsy" und "Lady In Black".
Im Verlauf ihrer glanzvollen, 40-Jährigen Karriere standen Uriah Heep stets für allerbeste Qualität. Die Bandgeschichte wurde zwar von zahlreichen personellen Veränderungen geprägt, aber gleichgültig wer mitspielte, es herrschte immer Einigkeit über die Visionen, die Uriah Heep zu einer der wichtigsten und einflussreichsten Hardrock-Formationen machten, die Großbritannien je hervorgebracht hat. In Morbach zeigte sich, dass der mehrstimmige Gesang, die Gitarren-Breitseiten und die spielerischen Keyboards noch nichts von ihrem alten Glanz verloren haben. Die "Pioniere des Hardrock" (so schrieb der Metal Hammer) gehen weiter unbeirrt ihren Weg.