Tour 2008, Support: Substyle
In Finnland spielt die aus Tampere stammende Band Negative bereits in der hohen Musikliga mit. Der Bekanntheitsgrad in Deutschland hingegen ist von Stadt zu Stadt sehr unterschiedlichÂ… ‘leider’ muss man sagen, denn wer als Rockfan diese Band noch nicht live erlebt hat, könnte etwas verpasst haben.
Das lauschige MarX in Hamburg füllte sich am 08. Dezember mit einem Publikum mit hoher Altersspanne. Von jugendlich wirkenden Zuschauern bis Mitt-Fünfziger war alles vertreten. Die Vorband Substyle aus Köln stand einem zu ¾ gefüllten Raum gegenüber und präsentierte ihre softe Rockmusik vom Feinsten. Der sehr klare Sound mischte sich mit der ebenso klaren Stimme von Frontmann Guido Böckem. Sehr professionell und äußerst sympathisch agierten die Musiker auf der Bühne und hatten das Publikum sehr schnell in ihren Bann gezogen, das fleißig mitklatschte. Als Belohnung dafür gab es ein besonderes Angebot der Band. Wer noch an diesem Abend ein Album für schlappe 10 Euro am Merchandise Stand kaufte, erhielt ein T-Shirt oder einen Artikel nach Wahl umsonst dazu. Ein verspätetes Nikolausgeschenk sozusagen. Das ließen sich viele der Gäste natürlich nicht entgehen. Zufriedene Gesichter gab es also schonmal vorab. SO und nicht anders betreibt man effektive Kundengewinnung!
Bis zum Ende von Substyles Show hatte sich das MarX dann doch bis in die hinterste Ecke gefüllt. Wer die energische Show von Negative bereits kannte, mochte sich beim Anblick der Minibühne vielleicht fragen, wie das funktionieren sollteÂ…
Doch vorerst sollte dies ein nebensächliches Problem darstellen. Als das Licht erlosch, erklang von der Bühne lediglich eine Akustikgitarre und nach wenigen Tönen konnte man den Neil Young Coversong “My My Hey Hey” erkennen. Und da erschien auch Frontmann Jonne mit Gitarre und gab eine Unpluggedversion des Stückes preis, dass bereits beim ersten Song der Gänsehauteffekt hervorgerufen wurde. Ein unglaublich stimmungsvoller Einstieg und das Publikum lauschte ergriffen. Nach und nach füllte sich die Bühne mit dem Rest der Finnen. Kaum waren alle anwesend wurde richtig in die Saiten gegriffen und die balladeske Version des Songs verwandelte sich in den bekannten Rockklassiker, bei dem Frontmann Jonne sofort in seinem Element war und richtig loslegte.
Die Teufelshörner, die Jonne mit seinen Fingern zu “A Devil On My Shoulder” andeutete, erinnerten mehr an Hasenöhrchen als an Teufelshörner und verniedlichten den Mädchenschwarm noch mehr. Doch von wegen niedlich! Den rockigen Song präsentierte er aus voller Rocklunge. Die kleine Bühne wurde bis zum letzten Zentimeter ausgenutzt. Antti rockte wie ein Derwisch an der linken Seite der Stage, der Platzmangel schien ihn in keinster Weise zu behindern.
Ruhiger wurde es dann zu der Ballade “My Heaven” und spätestens bei diesem dritten Song war das Publikum voll und ganz bei der Band. War Jonnes Stimme zum Beginn der Show noch ein wenig zickig bei den rockigen, härteren Parts – was offensichtlich mit an der Abmischung lag – pendelte sich dies im Laufe des Konzertes ein. Vor allem die sanften und cleanen Gesangsparts riefen einen Schauer hervor.
Ein besonders gelungendes Tribute zauberten Negative in einen ihrer bekanntesten Songs “The Moment Of Our Love”. Zum letzten Drittel wechselten die Musiker gekonnt über zu Queens “Show Must Go On”. Man könnte dies vielleicht als kleine Anspielung auf Sir Christus’ Ausstieg deuten. Zwar fehlte ohne die zweite Gitarre eindeutig jemand auf der Bühne, doch vielleicht (hoffentlich) muss sich die aktuelle Livebesetzung erst richtig einpendeln und auf Dauer Ersatz gefunden werden. Der Übergang von Queen zurück zu Negative gelang jedenfalls einwandfrei und eine unwissende Person hätte nicht einmal bemerkt, dass es sich dabei um zwei verschiedene ineinander gemischte Songs handelte.
“I’m sweating like a pig!” – diese Aussage von Jonne war etwas mehr Information als erwartet und es sollte keine Besserung für ihn in Sicht sein, denn das folgende “Giving Up” startete zwar ruhig, drehte jedoch im Refrain gut auf, so dass Band als auch Publikum ins Schwitzen gerieten. Somit musste sich Jonne zu “Planet Of The Sun” weiter verbale Erleichterung verschaffen “This Is Hotter Than Hell!” und nicht nur auf der Bühne, auch im Publikum war die Stimmung, sowie die gesamte Show der Jungs von Anfang bis zum Ende heiß!
Natürlich ließ das Publikum die Finnen nicht so ohne Weiteres davon kommen. Die erste Zugabe “Until You’re Mine” erntete großen Applaus. “I feel a bit sticky cause it’s the first show!” eröffnete Jonne den Zuschauern und nach der dritten Zugabe “Won’t Let Go” konnte man getrost sagen: Negative are back! Auch wenn die Venues und die Band sich verkleinert hatten, waren die Jungs aus vollsten Rockherzen bei der Sache. Kleine Anlaufprobleme waren zwar nicht zu übersehen, doch professionell überspielt und Nebensache. Als die Band sich zum Ende der Show am Bühnenrand, Arm in Arm verbeugte erschallte der wohlverdiente Jubel der Menge. Wir hoffen sehr, dass Negative sich wieder richtig einspielen und in größeren Hallen spielen werdenÂ… wenn sie so weitermachen dürfte dies jedoch kein Problem darstellen.