Neil Young

Tour 2008

09.07.2008 König Pilsener Arena / Oberhausen

Von: Thomas Welsch

Neil Young Oberhausen

War es nicht immer so, dass sich die junge Generation von der älteren abgehoben hat, indem sie wilder, lauter und unkonventioneller als jene war? Sind es nicht die jungen, die die Grenzen austesten und Protest äußern wo sie nur können? Wer diese Fragen mit „ja“ beantwortet, muss sich bei einem Neil Young Auftritt heutzutage verwundert die Augen reiben. Da steht ein Mann in den 60ern auf der Bühne der König-Pilsener-Arena in Oberhausen, der selbst nach überstandener schwerer Krankheit vor Energie nur so strotzt. Der seine Gitarre in ein wildes Tier verwandelt, das in allen Nuancen durch die Weiten der Halle brüllt. Dessen Jackett mit Farbspritzern besudelt ist, genau wie seine Hose, in der er unbändig über die Bühne stapft. Und der schließlich nach einem Cover des legendären „All Along The Watchtower“ „Come on, Come on, Come on!” Richtung Publikum ruft. Womöglich hat er dadurch einige wenige Anwesende für einen Moment aus dem verdienten Nickerchen geholt. Speziell auf den Sitzplätzen befinden sich Menschen, die sich abwechselnd zu fragen scheinen „Warum bin ich nur mitgekommen“?, „Muss der so laut sein“? bzw. „Ist die Gitarre gestimmt? Bei Celine Dion klang das viel harmonischer“. Falls Sie für diese Spezies ein Geschenk suchen, ...ich empfehle Neil Youngs Album „Arc (Gitarrenfeedback)“.

So, genug der Häme. „Love And Only Love“ eröffnet gegen 21:30 Uhr das Set des Kanadiers. Einer der wenigen „Crazy Horse“-Songs des Abends, der durch seine simple Schönheit glänzt. Danach schon der erste Klassiker: „Hey Hey, My My“, die Ode an die Punkbewegung. Kenner und Liebhaber der Musik Neil Youngs freuen sich besonders über das anschließende „Time Fades Away“, das es nach langer Abstinenz wieder auf die Setlist schafft. Es ist schon erstaunlich, wenn man sich vor Augen hält, dass zwischen „Everybody Knows This Is Nowhere“ und den anschließenden „Spirit Road“ und „Dirty Old Man“ knapp 40 Jahre liegen. 40 Jahre Musikgeschichte, die Neil Young so wesentlich mitgeprägt hat. Zeit für Sentimentalitäten bleibt jedoch nicht, denn wir hangeln uns von einer kraftvollen Rocknummer in die nächste. Diese Phase krönt „Fuckin´ Up“, das besonders die jüngeren Fans heute Abend mitreißt.

Bevor Neil Young in die Country-Folk-Phase einstimmt, setzt er sich für das eindringliche „Mother Earth“ an die Tasten der beeindruckenden Orgel. Die Aufmerksamkeit derer, die auf einen kuscheligen Akustik-Abend gehofft hatten, holt er sich mit „The Needle And The Damage Done“ für einen Moment zurück. Highway- und Freiheitsnostalgie kommt mit dem träumerischen „Unknown Legend“ auf, in das die Band wieder mit einstimmt. Es folgt das von vielen so ersehnte „Heart Of Gold“. Langzeit-Weggefährte Ben Keith hat es sich an der Pedal Steel Guitar bequem gemacht. Das tut er seit dem 1972 erschienenen Album „Harvest“, aus dem dann auch „Old Man“ und „Words“ zum Besten gegeben werden.

Während der gesamten Show malt ein Künstler im hinteren Bereich der Bühne großformatige Bilder. Zu jedem Lied wird nach den ersten Akkorden das dazugehörige Bild auf eine Staffelei am Bühnenrand gestellt. Die meisten Werke existieren bereits, andere wie das zu „Words“ auf dem u.a. Knochen zu sehen sind, entstehen neu. Es scheint für den Künstler auch zum abschließenden Song des Mainsets zu gehören, da es auf der Staffelei verweilen darf. Dieser Song ist „No Hidden Path“, ein 15-minütiges Spektakel mit irrwitzigen Gitarrensolos. Selbst in einigen Sitzplatzblöcken stehen Menschen auf und verabschieden die Künstler mit Ovationen. Die Zugabe bildet das Beatles-Cover „A Day In The Life“.

Geschätzte 6.000 Zuschauer erlebten einen enorm spielfreudigen Neil Young. Ein Abend, bei dem sich Generationenverhältnisse umzukehren schienen. Die Trägheit auf den Rängen kann natürlich auch mit den recht gesalzenen Ticketpreisen zusammenhängen, wenn diese so manchen Sitzplatzinhaber dazu verleiten, wippende Nachbarbeine oder aufstehende Vorderleute sofort als nicht hinnehmbare Beeinträchtigung ihrer teuer bezahlten Karte zu sehen. So richtig schade wird es allerdings dann, wenn die Preisschwelle für sehr junge Leute, die einen Neil Young mal live erleben möchten, zu hoch ist. Vielleicht haben die aber bereits ihre eigene Familie gegründet, wenn die Rock-Legende noch immer durch die Lande tourt.

Setlist:

Love And Only Love
Hey Hey, My My
Time Fades Away
Everybody Knows This Is Nowhere
Spirit Road
Dirty Old Man
Fuckin' Up
All Along The Watchtower
Oh, Lonesome Me
Mother Earth
The Needle And The Damage Done
Unknown Legend
Heart Of Gold
Old Man
Get Back To The Country
Words
No Hidden Path
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A Day In The Life

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