New Model Army

30 Years Of New Model Army Anniversary Tour 2010

21.11.2010 E-Werk / Köln

Von: Thomas Kröll

New Model Army Köln

Heute ist Großkampftag für Musicheadquarter. Wir haben Teams bei den Konzerten von You Say Party in Hamburg, sowie Philip Sayce, Tricky und K`s Choice in Köln. Und bei New Model Army. Die Band um Frontmann Justin Sullivan gastiert im E-Werk und das gleich an zwei aufeinanderfolgenden Abenden. Der Grund für dieses außergewöhnliche Doppelpack ist der 30. Geburtstag des Quintetts aus Bradford. Sie haben vorher angekündigt 60 verschiedene Songs aus allen ihren bisherigen 13 Alben zu spielen und diese auf beide Setlisten zu verteilen. Das gelingt nicht ganz, denn am Ende werden es "nur" 57 Songs gewesen sein. Gestern gab es bereits Teil 1 und dem Vernehmen nach haben die Engländer gut zweieinhalb Stunden lang ein ausverkauftes E-Werk begeistert. Als ich mich auf den Weg nach Köln-Mülheim mache, wünsche ich mir ähnliches auch für den heutigen zweiten Teil. Meine Hoffnung soll nicht unerfüllt bleiben.

Am Einlass muss jeder Pressevertreter die bei New Model Army-Konzerten übliche 5 Euro-Spende für einen guten Zweck abdrücken, was ich natürlich gerne tue. Es gibt diesmal noch Karten an der Abendkasse, aber bei Konzertbeginn ist das E-Werk dann erneut pickepackevoll. Offenbar ist die Schlange draußen vor dem Gebäude grösser als gedacht, denn die Band lässt sich bis zum Auftakt eine halbe Stunde länger Zeit als geplant. Gegen 19.30 Uhr ist es dann soweit.

Zunächst kommen jedoch nur Justin Sullivan und Keyboarder Dean White auf die Bühne und liefern mit "Heroes" eine Art semiakustisches Pre-Set ab, zu dem ab "Lovesongs" auch der Rest der Band hinzustößt. Dazwischen liegen noch "Another Imperial Day", das von Sullivan a capella gesungen (oder besser gesagt gebrüllt) und von den Fans mit rhythmischem Klatschen begleitet wird oder "You Weren`t There", veredelt durch Sullivans Mundharmonikaspiel. Bei "Modern Times" gibt es einen ersten zünftigen Pogo-Pit zu bewundern. Eine Dreiviertelstunde später verabschieden sich New Model Army erstmal in eine zwanzigminütige Pause. Dann geht es quasi richtig los.

Sphärische Klänge künden "Island" an, dem das uralte "Christian Militia" folgt. Die sehr schöne Lightshow trägt das ihrige zur blendenden Stimmung in der Halle bei, der Sound ist fett und knackig (auch wenn er hin und wieder ein wenig "wackelt") und vor der Bühne gibt es jetzt kein Halten mehr. Immer wieder angetrieben von Drummer Michael Dean rockt sich die Band durch ihren Backkatalog. Erst mit "Carlisle Road" nehmen sie vorübergehend Dampf vom Kessel.

Das Set wirkt im Vergleich zum Vorabend etwas unausgewogen, aber spätestens mit dem gänsehautintensiven "Red Earth" und besonders der geilen Kombination aus "Get Me Out" sowie "Vagabonds" ist endgültig (Geburtstags-)Party angesagt. Bei "Here Comes The War" gehen selbst in der hintersten Ecke des E-Werks die Arme hoch. "Purity" in einer verlängerten Version und das grossartige "No Rest For The Wicked" treiben die Stimmung dann schließlich ihrem vorläufigen Höhepunkt und das Mainset seinem Ende entgegen. Bis hierher haben New Model Army 24 Songs gespielt, man darf also noch einige erwarten.

Auch zum ersten Zugabenblock erscheint Justin Sullivan alleine und begleitet sich selbst zum wunderbaren "Marrakesh" auf der Akustikgitarre. Dann wird in Gestalt von "Wired" und "Stupid Questions" wieder gerockt. Zu Beginn der zweiten Zugabe singen erstmal die Fans ein "Happy Birthday", was die Band sichtlich erfreut. "I Love The World" wird dann zum Schlusspunkt der erneut gut zweieinhalbstündigen Zeitreise durch 30 Jahre New Model Army.

30 Jahre, in denen die Band keinen Funken ihrer Energie, Kreativität und vor allem ihrer Unabhängigkeit eingebüßt hat. Ihren Kultstatus haben sie mit den beiden Konzerten in Köln einmal mehr eindrucksvoll untermauert. "Wir sehen uns zum Vierzigsten wieder. Dann mit 16 weiteren Alben", verspricht Justin Sullivan am Ende des heutigen Abends, bevor er die Fans wieder in die Kölner Novemberkälte entlässt. Over the wire and into the darkness... aber mit einem Grinsen im Gesicht.

Setlist:

Heroes
Snelsmore Wood
Ballad Of Bodmin Pill
Another Imperial Day
You Weren't There
Lovesongs
The Attack
Modern Times
Ocean Rising
---------------
Island
Christian Militia
Long Goodbye
Falling
One Of The Chosen
Carlisle Road
The Hunt
Red Earth
Get Me Out
Vagabonds
Knife
Autumn
Here Comes The War
Purity
No Rest For The Wicked
---------------
Marrakesh
Wired
Stupid Questions
---------------
I Love The World

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