New Model Army

Today Is A Good Day - Tour 2010

16.02.2010 Garage / Saarbrücken

Von: Andreas Weist

New Model Army Saarbrücken

Ein Konzert von New Model Army hat immer etwas von Zeitlosigkeit. Justin Sullivan steht in vertraut verlottertem Outfit mit Langhaarfrisur und Bartstoppeln auf der Bühne und lebt sein gewohnt gesellschaftskritisches Pathos voll aus. So wollen die Fans das – so bekommen sie es auch. Die Musik stimmt und der relative Neuling Marshall Gill fügt sich nahtlos in die Band ein.

Vor den Star haben die Götter allerdings noch die Vorgruppe gesetzt. Die nennt sich Esha Ness und verbindet rockige mit folkigen Tönen. Recht gelungen – vor allem wenn das Akkordeon zum Einsatz kommt. Bei der Songauswahl hat man sich auf viele Titel konzentriert, die möglichst nach New Model Army klingen (sollen). Damit ist man beim Publikum natürlich auf der sicheren Seite und verkürzt die Wartezeit. Mehr aber auch nicht.

Als Sullivan zu den Klängen von "States Radio" die Bühne entert und danach mit "Get Me Out" richtig loslegt, kennt die Menge kein Halten mehr. Das aktuelle Werk "Today Is A Good Day" ist ein recht aggressives und deutlich gesellschaftskritisches Album. Das macht der Fronter auch in seinen spärlich gesäten Ansagen – beispielsweise zum Titeltrack – deutlich. Da fühlt man sich doch umgehend in die Glanzzeiten der 80er zurück versetzt, als sich New Model Army an die Spitze der unterdrückten Arbeiterklasse stellten und sich als deren Sprachrohr verstanden. "Today Is A Good Day" nimmt die Finanzkrise und den Kollaps an der Wall Street zum Anlass, diesen Zusammenbruch im kapitalistischen System regelrecht abzufeiern. Auch "Autumn" widmet sich dieser Thematik, allerdings mit subtileren Tönen. Das elfte Album der Band gehört definitiv zu ihren Besseren und bekommt den verdienten Stellenwert im Set.

Für die Partystimmung sind allerdings alte Titel wie "Whitelight", "Purity", "Vagabonds" und das wie immer eine einzigartige Atmosphäre schaffende "Wonderful Way To Go" nötig. Sullivan spielt sein Charisma und seine Bühnenpräsenz stets aufs Neue aus. Das Publikum ist etwas verhaltener als beim Gastspiel in der Garage 2008. Auffällig auch die Zurückhaltung der mitgereisten Fans, die diesmal fast gänzlich auf die sonst so typischen Ausdruckstänze verzichten.

Der Stimmung tut dies aber keinen Abbruch. Die Band lässt sich gar dazu hinreißen, nach Ende der Show – als Saallicht und Bandmusik schon eingeschaltet sind und ein gutes Drittel der Zuschauer bereits aus der Halle geströmt ist – für "51st State" und "225" auf die Bühne zurückzukehren. Somit wurde das Konzert in Saarbrücken mit fast 110 Minuten ein für NMA ungewöhnlich langes. Und es hat definitiv großen Spaß gemacht. Warten wir mal ab, was den Jungs für ihr 30jähriges Jubiläum im Oktober einfällt. Die Gerüchteküche brodelt und man spricht inzwischen von geplanten Doppelkonzerten (2 Tage, 2 Setlisten) in verschiedenen Orten...

Setlist, Saarbrücken, Garage 16/02/10

States Radio
Get Me Out
Stranger
Whitelight
Mambo Queen Of The Sandstone City
Peace Is Only
Today Is A Good Day
Disappeared
High
One Of The Chosen
Autumn
White Coats
Purity
Vagabonds
Wired
Wonderful Way To Go
-----
Into The Wind
No Rest
Green And Grey
-----
51st State
225

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